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Kultur

Wohin steuern die christlichen Kirchen?

Die großen Glaubensgemeinschaften in Deutschland stecken in der Krise: Immer mehr Menschen kehren ihnen den Rücken, immer weniger Gläubige entscheiden sich für den Pfarrerberuf. Wohin steuern die christlichen Kirchen?

2013 war kein gutes Jahr für die katholische Kirche: Nicht genug, dass die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Berliner Canisius-Kolleg und anderen Einrichtungen stockte, Mitte des Jahres brach auch noch der Sturm der Entrüstung über die luxuriöse Ausstattung des neuen Limburger Bischofssitzes los.

Kindstaufe - © Felix Mizioznikov

Immer weniger Eltern lassen ihre Kinder nach der Geburt taufen

Die Quittung dafür schlägt sich überdeutlich in der Kirchenstatistik nieder, die die Deutsche Bischofskonferenz jüngst veröffentlichte: Fast 180.000 Katholiken sind 2013 aus der Kirche ausgetreten. Deutschlandweit ist die Zahl der Austritte gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich 50 Prozent gestiegen, im Bistum Limburg sogar um 80 Prozent. Demgegenüber sind die Wiedereintritte nur ein Tropfen auf den heißen Stein: Gerade einmal 7.000 ehemalige Katholiken sind im vergangenen Jahr zurückgekehrt, hinzu kamen 3.000 Übertritte aus anderen Glaubensgemeinschaften.

Auch die evangelischen Gemeinden bekommen die zunehmende Distanz der Deutschen zur Institution Kirche zu spüren: Zwar liegen erst die Zahlen für 2012 vor - da verbuchten sie 140.000 Austritte. Doch meldeten sich während der Enthüllungen im Bistum Limburg vergangenes Jahr auch besorgte evangelische Kirchenvertreter zu Wort, die von gestiegenen Austrittszahlen berichteten. Und das, obwohl die Skandale fast aussschließlich in den Reihen der katholischen Kirche aufgetreten waren. Die jährlichen Zahlen der Wiedereintritte (rund 20.000) und Übertritte (13.000) liegen zwar deutlich höher als bei der katholischen Kirche. Doch unterm Strich bleibt immer noch ein dickes Minus.

Insgesamt sind heute weniger als 60 Prozent der Deutschen überhaupt noch Mitglied einer der beiden christlichen Kirchen. Im Jahr 2000 waren es noch fünf Prozentpunkte mehr. Das schlägt sich auch in den Zahlen der getauften Kinder nieder. Insgesamt hat so die katholische Kirche seit Beginn des Jahrtausends rund 4 Millionen und die evangelische Kirche rund 3 Millionen Mitglieder verloren.

Und der Abwärtstrend setzt sich auch in anderen Bereichen fort: Weil die Mitgliederzahlen sinken und sich auch immer weniger Gläubige für den Pfarrerberuf entscheiden, werden Gemeinden zusammengelegt, Kirchen geschlossen oder verkauft. Allein im katholischen Bistum Essen haben schon rund 100 Gotteshäuser ihre Pforten dicht gemacht.

Kardinal Reinhard Marx - copyright: Antje Dechert

Kardinal Marx beklagt "Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust" der katholischen Kirche

In den oberen Kirchenetagen herrscht zunehmend Alarmstimmung. Nach Bekanntwerden der jüngsten Austrittszahlen aus der katholischen Kirche sprach der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, von "schmerzlichen Ergebnissen", die als "Weckruf" zu verstehen seien.

Ist eine Trendumkehr möglich? Und wenn ja: Wie kann die Kirche in der heutigen Zeit überleben? Analysen, Perspektiven und Ausblicke gibt es unserer Serie "Die Zukunft der Kirche".