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Asien

Wohin selbst der Kaiser zu Fuß geht

Die Entwicklungshilfe für Birma wird seit Jahrzehnten überwiegend von privaten Organisationen getragen. Jetzt befindet sich das Land offenbar auf dem Weg der Demokratisierung. Das soll die Bekämpfung der Armut beflügeln.

Ein Junge kämpft sich durch die Wassermassen (Foto: Malteser International, Valeria Turrisi)

Die Monsunzeit dauert in Birma sechs Monate

Bei strömenden Regen unterhält sich Familie Ko Wing Naing in ihren bescheidenen vier Wänden. Während der Regenzeit verwandeln sich die Wege in Birma, offiziell Myanmar, in kaum begehbare Schlammpfade. Familien Niang wohnt im Dorf Ka La Chaung im Westen Birmas. Bis vor ein paar Monaten musste sie bis zur weit entfernten Gemeinschaftstoilette laufen oder mit einem Platz in der Nähe des Hauses Vorlieb nehmen, um ihr Geschäft zu erledigen.

Das hat sich mit der Hilfe von Malteser International geändert. Die Hilfsorganisation hat der Familie ein Basispaket zur Verfügung gestellt und sie so ausgebildet, dass sie eine eigene Latrine bauen konnte. Allerdings muss Familie Naing die Installation selbst vornehmen.

Hilfe zur Selbsthilfe. Die 320 Mitarbeiter von Malteser International sind vor allem in den Dörfern aktiv. Neben sanitären Einrichtungen kümmern sie sich auch um medizinische Dienste, sauberes Trinkwasser und die Katastrophenvorsorge.

Politisches Tauwetter

Ein Birmese mit Megaphon ruft seine Landsleute zur Evakuierung auf (Foto: Malteser International, Valeria Turrisi)

Freiwillige organisieren eine Katastrophenübung

Zeitgleich zu den verbesserten Lebensbedingungen der Familie Naing fanden in Birma seit 2010 unerwartete politische Reformen statt. Die Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi wurde aus dem Hausarrest entlassen. Politische Gefangene kamen auf freien Fuß, die Zensur der Medien wurde gelockert. Der gewählte Staatspräsident Thein Sein treibt die Öffnung des Landes voran. "Ein Wandel auf breiter Front", so Gerhard Will von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin.

Allerdings können arme Menschen in den Dörfern vom politischen Tauwetter wenig profitieren, stellt Johannes Kaltenbach von Malteser International fest. Die größten Hindernisse sind die zentralistische Struktur und die überbordende Bürokratie des Landes. Die Verwaltung ist zu schwerfällig, um Neuerungen flexibel umzusetzen.

Mehr deutsches Engagement gefordert

Die politischen Reformen eröffnen neue Perspektive für die Entwicklungszusammenarbeit. Die Industrienationen müssen das südostasiatische Land bei der Demokratisierung und Armutsbekämpfung unterstützen. "Wenn der Westen richtig reagiert, dann gibt es die Chance auf mehr Reformen und mehr Liberalisierung", sagt Klaus Wild, deutscher Botschafter in Rangun von 2002-2005, "Deutschland kann jetzt schon wesentlich mehr tun."

Kinder erfahren, wie eine Latrine funktioniert und warum sie sie benutzen sollen. (Foto: Malteser International, Valeria Turrisi)

Mitarbeiter von Malteser International unterrichten Kinder in Hygiene

Mit der Niederschlagung der Demokratiebewegung im Jahr 1988 hat Deutschland das entwicklungspolitische Engagement in Birma stark reduziert. Seit 1990 gibt es politische und wirtschaftliche Sanktionen durch die EU gegen Birma, die seit 1996 durch den Gemeinsamen Standpunkt der EU festgelegt werden. Neben dem Verbot von Waffenexporten und dem Einfrieren der Auslandskonten birmanischer Politiker wurde auch das Ende der Entwicklungszusammenarbeit beschlossen. Gesundheit, Bildung, Umwelt, Zivilgesellschaft, Demokratieförderung und gute Regierungsführung sind die einzigen Ausnahmen.

Birma-Experten wie Jasmin Lorch glauben, dass Deutschland mehr für Birma tun kann. Der Rahmen für entwicklungspolitisches Engagement werde nicht ausreichend genutzt, so Lorch. Auch Ex-Botschafter Wild sieht die Bundesregierung in der Verantwortung: "Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat es sich in der Vergangenheit zu einfach gemacht. Es hat gesagt: 'Gegen Birma gibt es jetzt Sanktionen, dann streichen wir das Land von der Liste'." Er fügt hinzu: "Die Unterstützung von Birma galt lange nicht gerade als unmoralisch, aber doch als etwas, das kein gutes Ansehen hat."

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes stellt Deutschland jährlich lediglich 10 Millionen Euro für Entwicklungsprojekte in Birma zur Verfügung. Zum Vergleich: England spendet mehr als das Dreifache.

Geld ist nicht alles, aber ohne Geld funktioniert nichts

Das Geld könnte eine doppelte Wirkung in dem ärmsten Land Südostasiens entfalten. "Die Menschen in Birma sind sehr engagiert in der Umsetzung der Projekte. Jede kleine Mittelerhöhung erzielt auch schnell ein Resultat", sagt Entwicklungshelfer Kaltenbach. Für den Ex-Botschafter Wild ist dies auch "eine Geste gegenüber dem Teil der Regierung, der zu Reformen bereit ist."

30 Euro hat das geheimnisvolle Örtchen der Naings gekostet, zu dem selbst der Kaiser zu Fuß gegangen wäre. Doch vom Königreich träumt heute keiner. Gewünscht sind mehr Demokratie und Entwicklungshilfe, damit die Menschen schnell in Wohlstand leben.

Autor: Rodion Ebbighausen

Redaktion: Gui Hao

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