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Kultur

Wohin reisen die Deutschen?

Sommerzeit ist Ferienzeit: Die Schulen sind geschlossen, in den Büros ist es ruhig geworden – Urlaub ist angesagt. Wo aber zieht es die Deutschen hin: in die große weite Welt oder lieber doch nicht so weit weg?

Zwei Helfer der Tourismusverwaltung tragen jeweils einen Strandkorb (Foto: picture-alliance/dpa)

Weiße Strände, hohe Palmen und türkis-blaues Wasser – so stellt sich manch einer seinen Traumurlaub vor. Besonders, wenn der Sommer eher regnerisch und kühl ausfällt, wie es in diesen Tagen in Deutschland der Fall ist. Aber trotz des unbeständigen Wetters liegt das eigene Land bei den Deutschen auf Platz eins der Urlaubsfavoritenliste. Rund ein Drittel der Menschen verbringt hier den Haupturlaub. Und das Wetter ist ja auch nicht immer schlecht. Letztes Jahr im Juli beispielsweise erreichten die Temperaturen in manchen Städten die 40 Grad Marke – was vielen allerdings schon wieder zu heiß war.

Deutschland oder Mittelmeer

Wandern in Oberbayern, Schwimmen in der Ostsee, Kultur und Geschichte in Berlin – es ist die Vielfalt, mit der Deutschland punktet, sagt Karl Born, Professor für Tourismusmanagement an der Hochschule Harz in Sachsen-Anhalt. Das sei aber nicht der einzige Grund. Für viele spiele auch die kurze Anreise eine Rolle. Man sei nun einmal relativ schnell an jedem Ort in Deutschland. "Nah sein, vertraut sein, die deutsche Sprache sprechen können – das sind schon Vorteile, die zählen", so Born.

Wanderer in Schönau am Königssee, Oberbayern (Foto: picture-alliance/Bildagentur Hüber)

Idylle pur im eigenen Land: Für viele Deutsche sind die bayrischen Alpen ein begehrtes Reiseziel

Bleibt nur die Unsicherheit mit dem Wetter. Wer da auf Nummer sicher gehen will, der reist in den Süden: nach Spanien, Italien oder in die Türkei. Diese Länder stehen laut Information des Deutschen Tourismusverbandes auf der Beliebtheitsskala der Reiseziele bei den Deutschen auf den Plätzen zwei, drei und vier.

Urlaub – politisch korrekt?

Viele der europäischen Mittelmeerländer profitierten in diesem Jahr zudem von den Unruhen in Nordafrika. Die Besucherzahlen in Ländern wie Tunesien oder Ägypten sind zu Beginn des Jahres stark zurückgegangen, das bestätigt auch Christian Weßels, Sprecher der REWE-Touristik, einer von Deutschlands größten Reiseveranstaltern. Die Proteste im Februar hätten viele Urlauber verunsichert, was sich natürlich auch auf deren Buchungsverhalten ausgewirkt habe. "Viele Gäste haben sich für ein anderes Ziel entschieden. Und die, die den Ägyptenurlaub schon gebucht hatten, haben dann umgebucht." Inzwischen sei Ägypten zwar wieder gefragter, doch noch seien die Zahlen nicht auf Vorjahresniveau, so Weßels.

Im letzten Jahr gehörte Ägypten noch zu den Top Ten der beliebtesten Reiseziele der Deutschen – eine Tatsache, die immer wieder Anlass zu Diskussionen gab. Dabei ging es nicht nur um Ägypten: Generell lautet die Frage, ob es moralisch korrekt sei, in autoritär regierte Länder zu reisen und diese damit zu unterstützen. Tourismusexperte Karl Born hat dazu eine sehr klare Meinung. Seiner Ansicht nach könne man von den Urlaubern nicht verlangen "moralischer zu sein als unsere Bundesregierung und unsere Wirtschaft". Diese würden schließlich ebenfalls in solche Länder reisen, um dort Geschäfte zu machen. Auch mit Ägypten habe es unter dem ehemaligen Machthaber Husni Mubarak eine enge Partnerschaft gegeben.

"Reisen als eine Art Grundrecht"

Touristen reiten auf Kamelen, im Hintergrund die Pyramiden von Gizeh (Foto: picture-alliance/dpa)

Einzigartig: Ausflug zu den Pyramiden von Gizeh in Ägypten

Was aber suchen die Deutschen eigentlich im Urlaub? Generell, so Karl Born, gebe es zwei Hauptmotive: Viele wollten in erster Linie entspannen, die Füße hochlegen und sich ausruhen. Andere hingegen strebten genau das Gegenteil an: nämlich Abenteuer erleben, Menschen treffen und fremde Kulturen kennenlernen. Dazwischen gebe es dann viele Abstufungen.

Alles in allem gelten die Deutschen jedenfalls als sehr reiselustig. Und das ist kein Zufall, denn das Reisen hat eine lange Tradition in Deutschland. "Ich habe mal etwas spöttisch gesagt: Die Deutschen betrachten das Reisen als so eine Art Grundrecht", sagt Born. Das habe sich auch damals gezeigt, als der Ostblock zusammenbrach und Deutschland wiedervereinigt wurde: Der Ruf nach Freiheit sei stark verbunden gewesen mit dem Wunsch nach Reisefreiheit. Und man könne auch noch weiter zurückgehen: bis zu den Adeligen im Mittelalter, die gerne und viel reisten. "Oder nehmen Sie unseren großen Vorfahren Goethe – der war von einer ganz hohen Reisebereitschaft geprägt."

Autorin: Petra Lambeck
Redaktion: Claudia Hennen