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Russland

Wohin mit Lenin?

Wann soll Lenins Leichnam aus dem Mausoleum am Roten Platz in Moskau entfernt und beerdigt werden? In Russland wird darüber kurz vor dem 100. Jahrestag der Oktoberrevolution kontrovers diskutiert.

Den Diskurs angestoßen haben dieses Mal zwei sehr unterschiedliche Politiker: Xenia Sobtschak, bekannte Fernsehmoderatorin und seit kurzem Kandidatin für die Präsidentschaftswahl im kommenden März, sowie Tschetscheniens Präsident Ramsan Kadyrow. Letzterer ließ wissen, dass es falsch sei, dass "im Herzen von Russland, auf dem Roten Platz, ein Sarg mit einem toten Mann" liege. Sobtschak, Tochter des früheren populären Bürgermeisters von Sankt Petersburg, Anatoli Sobtschak, erklärte in einem Interview, sollte sie die Wahl gewinnen, würde sie dafür sorgen, dass Lenin beerdigt wird.

Genau das aber stehe derzeit nicht auf der Tagesordnung, ließ Regierungssprecher Dmitri Peskow wissen. Ins gleiche Horn stieß Valentina Matwijenko, Sprecherin des Föderationsrats und frühere Gouverneurin von Sankt Petersburg. Auch sie spielt auf Zeit, hofft auf einen "konfliktfreien" Weg, die Frage der Bestattung Lenins zu beantworten. Derzeit lebten immer noch viele Menschen, denen Lenin viel bedeute. Diese Menschen hätten das Recht, Respekt für ihre Überzeugungen einzufordern, sagte sie. Russland brauche keine weiteren Konflikte.

Xenia Sobtschak (picture-alliance/AP/Moscow News Agency/S. Vedyashkin)

Will Lenin endlich beerdigen: Präsidentschaftskandidatin Xenia Sobtschak

Matwijenko, die zu den treuesten Anhängern von Präsident Wladimir Putin gehört, glaubt, dass es eines Tages ein Referendum darüber geben wird, ob Lenin bestattet werden soll. "Doch das wird nicht heute oder morgen stattfinden", sagte sie in einem Gespräch mit der Zeitschrift "Argumenty i Fakty".

Putin zeigt sich uninteressiert

Allein die Diskussion über den Leichnam Lenins verärgert Russlands Kommunistenchef Gennadi Sjuganow. Die Forderung sei unverschämt. Er verwies auf andere Länder, die ihre Verstorbenen ebenfalls in Mausoleen aufbewahrten. Der 73-jährige KP-Chef wird am 7. November, dem eigentlichen Jahrestag der sogenannten Oktoberrevolution, eine Parade von Kommunisten und Lenin-Bewunderern anführen.

Offizielle Veranstaltungen oder gar Feiern mit Wladimir Putin wird es in der russischen Hauptstadt nicht geben. Der Präsident, so sagte Sjuganow unlängst, habe ihm versprochen, dass Lenin nicht vom Roten Platz entfernt würde, zumindest nicht, solange Putin regiere.

Gennadi Sjuganow (picture-alliance/Sputnik/I. Pitalev)

Ärgert sich über die Debatte: Russlands Kommunistenchef Sjuganow

Der Kremlchef selbst zeigt kein sonderliches Interesse an der Frage, was mit Lenin geschehen soll. Sein Menschenrechtsbeauftragter, Michail Fedotow, verglich in einem Gespräch mit der Deutschen Welle den einbalsamierten Gründer der Sowjetunion mit den Mumien im British Museum in London. Auch dort würden Mumien von Pharaonen oder anderen ehemaligen Herrschern liegen, ohne dass jemand dort Blumen niederlegen würde. Kurzum, über die Frage der Beerdigung Lenins könne er sich nicht aufregen.

Lenin missbilligte Personenkult

Die Entscheidung, Lenin einzubalsamieren, geht auf dessen Nachfolger Stalin zurück. Zuerst wurde der Leichnam des Revolutionsführers und Massenmörders von 1924 an in einem hölzernen Provisorium aufbewahrt. Jahre später wurde ein Mausoleum aus Beton und Granit errichtet. Seitdem retuschieren dutzende Wissenschaftler den Leichnam - oder was davon übrig ist.

Lenin hat sich zu Lebzeiten gegen jeglichen Personenkult ausgesprochen. Sein engster Weggefährte während der sogenannten Oktoberrevolution, Trotzki, sowie Lenins Witwe, Nadeschda Krupskaja, haben sich gegen die Zurschaustellung des Toten ausgesprochen. Nach dem Ende der UdSSR hat es unter dem früheren Präsidenten Boris Jelzin mehrfach Versuche gegeben, den Totenkult zu beenden. Auch die Russisch-Orthodoxe Kirche ist für die Beerdigung Lenins. Doch weder Jelzin noch die Kirche konnten sich durchsetzen.

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