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Recycling

Wohin mit Deutschlands Verpackungsmüll?

Deutschland gilt als Recycling-Weltmeister, aber das Land ist auch der größte Produzent von Verpackungsmüll und zählt zu den größten Abfallverursachern Europas. Das Problem einzudämmen ist schwerer, als man denkt.

Die Deutschen sind bekannt als fleißige Mülltrenner und Recycler - und sind tatsächlich ganz vorne mit dabei, wenn es um die Wiederverwendung von Abfall geht. Mehr als die Hälfte wird wiederverwertet. Aber die neuen Zahlen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zeigen, dass die Bundesbürger mindestens genauso "gut" im Produzieren von Müll sind.

Nach Angaben der DUH produziert jeder Deutsche durchschnittlich 213 Kilogramm Verpackungsmüll pro Jahr - das sind mehr als 600 Gramm pro Tag. Das macht sie zu Spitzenreitern in Europa: Nachbar Frankreich produziert mit 185 Kilogramm deutlich weniger, Österreich kommt auf 150 und Schweden lediglich auf 109.

Und das Problem wird immer größer: Die Menge an Verpackungsmüll ist in den letzten zehn Jahren um 13 Prozent gestiegen - ein Trend, der sich weltweit abzeichnet.

Während Unternehmen oft von mehr Verpackung profitieren, tut sich die Regierung schwer, den wachsenden Müllberg durch Regulierungen einzudämmen.

Gelbe Säcke Müll Verpackungen Abfall (picture alliance/dpa/P.Pleul)

Der gelbe Sack - 13 Prozent mehr über zehn Jahren

Verpackungen als Profittreiber

Auf der einen Seite "gibt es einen klaren Trend hin zur Vorportionierung und kleineren Portionen", sagte Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe der DW.

Diese Vorportionierung ist ein Service, der den zunehmenden Single-Haushalten entgegenkommen soll. Aber die Unternehmen verdienen damit auch Geld: Durch kleinere Portionen können sie mehr Marge erzielen und kaschieren, dass der Inhalt weniger wird.

Das beste Beispiel ist die beliebte Kaffeekapsel. Solche vorportionierten Packungen produzieren 16 Mal so viel Abfall wie eine konventionelle Kaffeepackung, die Unternehmen können aber bis zu viermal so viel Geld für die gleiche Menge Kaffee verlangen.

Zudem bröckelt das deutsche Mehrwegsystem. Was einst das Vorzeigebeispiel für die deutsche Recyclingmentalität war, wird nun zunehmend zugunsten von Einwegflaschen aufgegeben. Diese sind billiger und werden nach der Rückgabe sofort geschreddert, so dass sie weniger Lagerfläche in Anspruch nehmen als Mehrwegflaschen.

Vor 25 Jahren wurden mehr als 90 Prozent des abgefüllten Mineralwassers in Mehrwegflaschen verkauft, heute sind es weniger als 30 Prozent. Die Discounter Aldi und Lidl verzichten gar ganz auf Mehrweg.

Leergutautomat in einem Supermarkt. (picture-alliance/Rainer Hackenberg)

Firmen bevorzugen Einwegflaschen - deshalb geht die Anzahl der Mehrwegflaschen zurück

Erste Schritte der Unternehmen

Nach einer Studie des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie könnten Unternehmen 20 Prozent der Rohstoffe für Verpackungen einsparen, wenn sie diese effizienter oder mit mehr wiederverwendbaren Materialien verpacken würden.

Beispiele für solche Bemühungen sind bereits auf dem Markt: So kann man in Drogerieketten komprimierte Spray-Deodorants kaufen, die mit genauso viel Inhalt 20 Prozent weniger Verpackung benötigen. Waschmittel gibt es auch bereits komprimiert oder in wieder befüllbaren Packungen. Lidl hat ebenfalls 20 Prozent der Packung für Toilettenpapier gespart - in dem das Toilettenpapier einfach enger gerollt wurde.

Ein weiterer freiwilliger Schritt ist das Verbannen von Plastiktüten. Die zweitgrößte deutsche Supermarktkette Rewe schaffte ab Juni 2016 die Plastiktüte ab; damit sollen 140 Millionen Tüten eingespart werden.

Zusätzlich haben mehr als 240 Unternehmen sich dazu verpflichtet, ab Juli 2016 Geld für Plastiktaschen zu verlangen - Hintergrund ist jedoch eine EU-Richtlinie.

Die Papiertüten, die REWE und andere Supermärkte oder Drogerieketten stattdessen anbieten, sind allerdings nicht besser oder teilweise sogar schlechter für die Umwelt. Ihre Produktion verschlingt viel Wasser, Papier und Chemikalien.

Benutzte Kaffeekapseln (picture alliance/dpa/L.Sojka)

Kaffeekapseln: die ultimative Ökosünde

Politische Intervention gefragt?

"Diese ersten Schritte der Unternehmen sind trotzdem positiv zu bewerten, vor allem. um das Bewusstsein der Verbraucher zu stärken", sagt Fischer. Aber es sei nicht genug, um das grundlegende Problem zu lösen. Seiner Meinung nach müsse die Regierung zur Verantwortung gezogen werden.

Derzeit liegt der Fokus der Gesetzgebung auf dem Recycling und nicht auf der Reduzierung der Verpackungsmengen, damit überhaupt erst weniger in den Abfallkreislauf gelangt.

Die Diskussion um die Erneuerung des Gesetzes dauert schon vier Jahre an, zweimal wurden die früheren Vorschläge abgelehnt. Bis Ende des Jahres soll der dritte Anlauf dem Kabinett vorliegen.

"Der neue Gesetzesvorschlag führt ein System ein, das Unternehmen, die umweltfreundlichere und wiederverwertbare Verpackungen produzieren, belohnt", sagt der Sprecher des Umweltministeriums Stephan Gabriel Haufe.

Im Gegenzug sollen Unternehmen sanktioniert werden, die Verpackungen aus mehreren Plastiken oder schwarzen Plastiken herstellen, die deutlich schwerer zu recyceln sind.

Zusätzlich sollen Einzelhändler Mehrweg- und Einwegflaschen deutlicher kennzeichnen, so dass Verbraucher leichter eine Kaufentscheidung treffen können. 

Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass zwei der größten Discounter - Aldi und Lidl - nach wie vor auf Einwegverpackungen setzen - Gesetz hin oder her.

"Ob das Gesetz verabschiedet wird und wenn ja, wie lange seine Implementierung dauern wird, ist noch ungewiss", sagt Haufe.

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