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Fokus Osteuropa

Wohin mit den ehemaligen „Freiheitskämpfern“ im Kosovo?

Das Kosovo hat eine neue Armee. Doch für viele Angehörige der vorherigen Schutztruppe sowie ehemalige UCK-Kämpfer ist dort kein Platz. Das birgt Zündstoff.

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Schattendasein für Ex-UCK-Kämpfer?

Die Kosovo-Regierung hat noch keine klare Antwort auf die Frage, was mit den ehemaligen Angehörigen der Schutztruppe des Kosovo (TMK) geschehen soll. Sie sind seit Anfang Februar arbeitslos, als eine neue „Mini-Armee“ gebildet wurde. Die ehemaligen Soldaten, darunter zahlreiche ehemalige Angehörige der sogenannten Kosovo-Befreiungsarmee (UCK), die Ende der 90er Jahre als Guerilla gegen die serbischen Streitkräfte kämpfte, protestieren seit Tagen. Sie fordern die Aufnahme in die neuen Sicherheitstruppen. Allerdings ist für die meisten von ihnen dort kein Platz.

Die neue Sicherheitstruppe soll aus jungen Soldaten bestehen, modernen Ansprüchen genügen und ähnlich strukturiert sein wie NATO-Streitkräfte. Ardian Mehmeti, ein ehemaliger Angehöriger der TMK, hat keinen Platz in den neuen Sicherheitstruppen bekommen. Für ihn ist es schwer zu akzeptieren, dass er nicht in die Kosovo-Para-Armee darf. „Wir wollen die Chance bekommen, nach zehn Jahren als Angehörige der TMK nun auch in der neuen Armee dabei zu sein. Das betrachten wir als unser Recht. Schließlich sind wir dafür trainiert worden“, sagt Mehmeti.

Eine Generation zwischen Vergangenheit und Zukunft

Die Öffentlichkeit unterstützt viele Forderungen der TMK-Angehörigen. Beobachter behaupten, dass diese Unterstützung mit der allgemeinen Stimmung in einer Bevölkerung zu tun hat, die gerade einen Krieg überwunden hat. Die TMK-Angehörigen, die aus der UCK kamen, betrachten sich als Elite eines nationalen Befreiungskampfes der Kosovo-Albaner. Sie wollen nicht akzeptieren, dass sie von der Entwicklung überholt werden und aus der neuen Armee ausgeschlossen bleiben. Daher wehren sie sich gegen die Forderung der internationalen Gemeinschaft, die die neue Armee frei von albanischem Nationalismus halten will. Die Struktur und Vision der neuen Armee soll modern sein und loyal gegenüber einem multiethnischen Staat Kosovo. Folglich darf sie sich in ihrem Selbstverständnis auch nicht an der Vergangenheit der UCK orientieren.

Vietnam-Syndrom der Ex-UCK

Die Soziologin Linda Gucia meint, dass die alten Kämpfer mental noch nicht auf diesen Schritt vorbereitet sind: „Das ist ein sehr langsamer Umdenkprozess. Die Notwendigkeit nach einer modernen Armee besteht. Man hätte sich aber früher Gedanken machen können und mehr Rücksicht auf die Gefühle der TMK-Angehörigen nehmen müssen.“ Linda Gucia zufolge sollten die Institutionen des Kosovo die TMK-Angehörigen nicht wie normale Arbeitslose behandeln, sondern ihnen eine besondere Rolle zuweisen. Dabei müsse die Gesellschaft berücksichtigen, dass sie für die Befreiung Kosovos gekämpft haben. „Die TMK-Angehörigen haben keine besondere Würdigung erhalten, so wie sie es erwarteten. In der ganzen Zeit wurde versucht, die Rolle der ehemaligen Kämpfer herunterzuspielen. Zum Beispiel wurde die ganze Zeit gesagt, dass es sich nicht um einen Krieg zwischen der UCK und der serbischen Armee gehandelt habe, sondern um einen Krieg zwischen den Kosovo-Albanern und der serbischen Armee. Aus diesem Grund wurden die UCK-Angehörigen anders behandelt als Armeen in anderen Ländern, die einen Krieg überwunden hatten.“

Ex-Soldaten nicht im Fokus der Regierung

Vertreter der Institutionen des Kosovo sagen, sie würden sich um die Aufnahme ehemaliger TMK-Angehöriger in die Verwaltungsbehörden des Kosovo bemühen. Die Parlamentskommission für öffentliche Sicherheit hat empfohlen, dass die ehemaligen TMK-Angehörigen bei der Polizei, beim Zoll, dem Geheimdienst, aber auch in großen Firmen wie der Post, dem Stromversorger oder auf dem Flughafen angestellt werden. Allerdings ist dies nur eine Empfehlung, die auf einem Arbeitspapier für die Regierung steht. Die Regierungsvertreter richten derzeit ihr Hauptaugenmerk weniger auf die Sorgen der entlassenen TMK-Angehörigen. Ihre Sorge gilt mehr der Rekrutierung neuer Soldaten.

Bekim Shehu

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