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Wirtschaft

Wohin geht der Ölpreis?

Öl wird wieder teurer. Spekulation spielt dabei eine große Rolle, vor allem in Saudi-Arabien. Doch sonst sind die Gründe, die die Preise treiben, nicht wirklich stichhaltig.

Ein Fass Öl der Nordseesorte Brent, vor einer Woche gerade 55 Dollar wert, wurde heute mit  58,60 Dollar gehandelt. Gestern waren es in der Spitze sogar 59,50 Dollar - ein Zwei-Jahres-Hoch. Ähnlich sah es beim Öl der Qualität West Texas Intermediate (WTI) aus. Von 49,50 Dollar in der vorigen Woche stieg es auf gestern 52,25 Dollar und kam heute nur auf 52,01 Dollar zurück.

Als Begründung muss herhalten, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan damit gedroht hatte, sein Land für Rohöllieferungen aus dem kurdischen Teil des Irak zu sperren - eine Klatsche gegen das Referendum, mit dem die Kurden im Nordirak über ihre Unabhängigkeit abgestimmt hatten. Weil in der Türkei selbst viele Kurden leben und sich von einem möglichen unabhängigen Kurdistan angezogen fühlen könnten, sieht Erdogan seine Interessen durch dieses Referendum berührt - und drohte mit der Durchlasssperre für Öl.

Erdogans Drohung nicht überschätzen

Nicht sehr überzeugend als Grund für den Preisauftrieb, findet Dora Borbely, Rohstoffanalystin der Deka-Bank. Sie hat beobachtet, der Preissprung sei nicht auf plötzliche physische Nachfrage nach Öl oder eine Verknappung des Angebots zurückzuführen, sondern rühre aus der Aktivität spekulativer Finanzinvestoren. "Die Wetten auf steigende Preise haben den Preis sehr hoch getrieben. Und damit steigt auch die Gefahr, dass sich die Meinung der Investoren ändert", berichtet sie aus ihrer Markterfahrung. Dann würden die Preise also auch schnell wieder fallen.

Hinzu kommt, dass die Öllieferungen aus der irakischen Kurdenprovinz für den Weltmarkt insgesamt eher unbedeutend sind. Derzeit werden dort 540.000 Fass täglich produziert. Das sind knapp 0,6 Prozent der weltweiten Fördermenge von täglich 92 Millionen Barrel. Zwar sind die Ölreserven der Region deutlich höher, liegen mit 45 Milliarden Barrel bei 2,5 Prozent der weltweiten Reserven. Aber auch das rechtfertige die aktuelle Bewegung beim Ölpreis nicht. Nein, sagt Frau Borbely, "das amerikanische Fracking bestimmt den Preis."

Opec bleibt ein "zahnloser Tiger"

Auch die Opec spiele kaum eine Rolle. Das Ölpreiskartell hat sich mit zehn weiteren Öl-Staaten zusammengetan und verabredet, eine tägliche Fördermenge von insgesamt 32,5 Millionen Barrel nicht zu überschreiten. Im Oktober, so teilte kürzlich die Opec mit, sei sogar weniger als verabredet produziert und dieses Ziel sogar unterboten worden. Dennoch, sagt Dora Borbely mit Verweis auf die amerikanische Ölschieferproduktion: "Es gibt keine physische Knappheit auf dem Ölmarkt." Die Opec spiele eher die Rolle eines "zahnlosen Tigers."

Nicht zahnlos sind offenbar die Spekulationen der Finanzinvestoren. Das ist verständlich, denn sie kommen aus reichem Haus. Marktgerüchte wollen von einem Zusammenhang zwischen dem steigenden Ölpreis und der geplanten Teilprivatisierung des saudi-arabischen Ölgiganten Saudi Aramco wissen. Nächstes Jahr soll ein erster Teil an die Börse kommen, bis zu fünf Prozent, heißt es aus der Königsfamilie. Analysten schätzen die Einnahmen aus diesem kleinen Paket auf rund 250 Milliarden Dollar. "Ist doch klar, dass mehr herauskommt, wenn der Ölpreis bei 60 Dollar statt bei 40 liegt", sagt ein Beobachter.

Entlastung an der Tankstelle wahrscheinlich

Dass solch eine Öl-Preistreiberei nachhaltig sein kann, glauben Experten nicht. Eher scheint möglich, dass der Ölpreis wieder zurückkommt und auch der Benzinpreis an der Tankstelle wieder fällt. Zumindest dann, wenn das in Dollar gehandelte Öl mit einem starken Euro eingekauft werden kann.