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Bücher

Wohin gehen die Bücher?

Über Buchgeschenke, den Frühjahrsputz im Bücherregal oder Schriftsteller als Autofahrer: hier schreibt Thomas Böhm Kolumnen zum Lesen

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Ein Gedankenspiel, das mich fasziniert, seit ich es gelesen habe, ist der "Planet der Kugelschreiber", der sich in Douglas Adams’ "Per Anhalter durch die Galaxis" findet. Zu diesem Planeten brechen die Kugelschreiber auf, wenn man nicht auf sie achtet. So kommt es, dass ständig Kugelschreiber verschwinden und nie wieder gesehen werden.

Neulich schweiften meine Gedanken wieder zu diesem Himmelskörper, als ich die Nr. 211 der auf 2.000 Exemplare limitierten Erstauflage der deutschen Übersetzung von Gertrude Steins Roman "The Making of Amerikans" in einem modernen Antiquariat für 19,80 € statt 149 € kaufte – und mich fragte: Wie kann es sein, dass fünf Jahre nach der Veröffentlichung eines so aufwendig gestalteten wie bedeutenden Buches immer noch Exemplare durch das Ramschuniversum irren?

Wo landen die unverkauften Exemplare?

Gibt es denn nicht einmal 2.000 Raumstationen im deutschsprachigen Regalkosmos, in denen solch epochale Textgleiter landen können? Und wenn es nicht für mal für sie Raumspalten gibt, wo gehen dann eigentlich all die anderen Bücher hin, die – wenn die Rechnungen der Verlage denn stimmen - mit Auflagen von 200.000 gestartet sind? Wo enden alle die Bücher, von denen vorsichtig kalkulierte 1.000 Exemplare gedruckt aber nur 42 Exemplare verkauft wurden?

Thomas Böhm Programmleiter des Kölner Literaturhauses

Thomas Böhm Programmleiter des Kölner Literaturhauses

In zwei entlegenen Buch-Strafkolonien bin ich schon gewesen. Eine war ein Buchladen in Arnheim, einer holländischen Stadt nahe der deutschen Grenze, in dem Mitte der 90er Jahre beinahe das gesamte Hardcover-Programm deutscher Verlage wenige Wochen nach dem Erscheinen zu deutlich reduzierten Preisen zu bekommen konnte. Die andere Strafkolonie war ein Kaufhaus in Bottrop im Ruhrgebiet , aus dem ich tragetaschenweise Taschenbücher für damals noch 1,95 pro Stück herausgetragen habe.

Urlaub in den Buch-Strafkolonie

Letztere Erfahrung hatte den von meiner Frau gehassten Effekt, dass ich seitdem an Urlaubsorten in der deutschen Provinz immer mal schnell in die Kaufhäuser husche, um zu sehen, was da für Schnäppchen zu machen sind. Man kann ja nie wissen: Vielleicht ist die Ramschkiste der Ort, von dem aus die Unbeachteten zum Planet der Bücher aufbrechen.

Redaktion: Gabriela Schaaf

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