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Kultur

Woher stammen John Kerrys Vorfahren?

Vor einem Jahr beauftragte der "Boston Globe" den Ahnenforscher Felix Gundacker die Familiengeschichte des demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry zu recherchieren. DW-WORLD hat nachgefragt.

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John Kerry hat Wurzeln in "Old Europe"


DW-WORLD: Was haben Sie über Kerrys Vorfahren herausgefunden?

Felix Gundacker: Ich habe herausgefunden, dass Kerrys Großvater Fritz Kohn, 1873 in Benisch, dem heutigen Horní Benesov in Österreisch- Mähren geboren wurde. Die Familie ist von dort relativ bald, wahrscheinlich so um 1878, Richtung Wien gezogen. 1904 hat Fritz Kohn sich taufen lassen und seinen Familiennamen von Kohn in Kerry geändert. 1904 ist er dann mit seiner Frau und seinem erstgeborenen Sohn Erich in die USA ausgewandert. Von der mütterlichen Seite stammt Kerrys Großmutter zwar aus Budapest, ihre Eltern und Großeltern stammen aber auch aus Mähren.

Haben Sie noch lebende Verwandte von Kerry gefunden?

Es gibt lebende Verwandte von Kerry. Allerdings möchte ich dazu nichts sagen, weil das dem Datenschutzgesetz unterliegt.

Haben Sie mit Kerry selbst auch gesprochen?

Ich habe mit Kerry selbst persönlich nie gesprochen, das Ganze ging stets über den "Boston Globe" und zum Schluss auch über die allgemeinen Medien.

Also, kam auch keine Rückmeldung von John Kerry?

Bis jetzt nicht.

Warum war die Geschichte für den "Boston Globe" so interessant?

Das ist die Geschichte einer typischen alt-österreichischen Familie, die aus Mähren, aus Schlesien, aus Österreich und aus Ungarn stammt und die sich erfolgreich entwickelt hat, bis sie dann durch den stark ansteigenden Antisemitismus und durch die Nazis jäh auseinander gerissen wurde.

Wie war das Medienfeedback?

Das Medieninteresse an den Vorfahren von John Kerry und auch an den beiden jetzt gefundenen Großtanten und Großonkeln, die in Theresienstadt, beziehungsweise Treblinka ermordet worden sind, war sehr groß.

Haben Sie daraufhin viele neue Anfragen bekommen?

Ich habe diese Arbeit zwar voriges Jahr im Auftrag des "Boston Globe" begonnen, habe das aber dieses Jahr auf mein eigenes Interesse hin weiter gemacht und habe hier nicht Anfragen oder Aufträge im Kopf, sondern mich hat ganz einfach diese Familiengeschichte immer mehr begeistert. Das war wie eine Sucht. Ich wollte immer mehr über die Vorfahren und die Lebensumstände der Familie erfahren.

Wie gehen Sie bei der Recherche vor?

Diese Forschung unterscheidet sich deutlich vom Gros der anderen Forschungen, weil ich hier noch mehr Augenmerk darauf richten muss, dass hier wirklich alles stimmt. Alles muss zwei oder drei Mal überprüft werden, um ganz 100-prozentig sicher zu sein, dass hier keine falschen Familienzweige erforscht werden. Grundsätzlich forscht man auf Grund der noch vorhandenen kirchlichen Aufzeichnungen, beziehungsweise der Matriken der jüdischen Kultusgemeinde und allgemein staatlicher Aufzeichnungen. Wir hatten hier in Österreich eine gute Demokratie, die vor allem was diese Angelegenheiten angeht auch einen großen Vorteil hat.

Bekommen Sie häufig Anfragen aus den USA?

Ein Großteil meiner Kunden stammt aus den USA und Kanada, teilweise auch aus Brasilien und aus Argentinien, weil die dort Lebenden, sieht man von der Schwarzen und der sehr geringen eigenen Bevölkerung ab, Vorfahren in Europa haben müssen.

Warum ist das Interesse an der Familiengeschichte in den USA so groß?

Die Umstände zu erforschen, warum die Vorfahren ausgewandert sind, was sie hier gemacht haben, dass ist eine der Triebfedern. Und dann natürlich, wie bei jeder anderen Familienforschung auch, sich mehr mit der Geschichte und der Geographie zu beschäftigen.

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