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Kultur

Woher kommt der Mensch?

Gerichte in den USA haben derzeit keine leichte Aufgabe: Sie müssen entscheiden, wie die Menschheit entstanden ist. Denn in dem Land tobt derzeit ein Kultur- und Glaubenskampf.

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Der Mensch: Plan oder Zufallsprodukt?

Dover, im US-Bundesstaat Pennsylvania, ist eine überschaubare Kleinstadt, wie es sie zu Tausenden in den USA gibt. An jeder zweiten Straßenecke steht eine Kirche, die Stadt wird von gläubigen Christen bewohnt. In einer Hinsicht unterschied sich Dover jedoch bis vergangene Woche von den übrigen Kleinstädten der amerikanischen Provinz: Es war der einzige Schulbezirk im Land, in dem die Lehre vom sogenannten "intelligent design" (auf Deutsch etwa: intelligenter oder geplanter Entwurf) Pflichtbestandteil des naturwissenschaftlichen Unterrichts war. Hierbei handelt es sich um die Ablehnung der wissenschaftlichen Evolutionslehre, nach der die Entwicklung des Lebens mit seinen hochkomplexen Erscheinungsformen und Funktionsweisen, aus zufälligen Mutationen und ihrer Vererbung durch Selektion besteht. Anstatt dessen führen diese christlichen Vertreter die Menschheit auf göttliche Intervention, eben den intelligenten oder geplanten Entwurf zurück.

"Intelligent Design" gehört in den Religionsunterricht

Dagegen zogen einige Lehrer und Eltern vor Gericht, bei der Neuwahl der Schulbehörde setzten sich vergangene Woche die Befürworter der auf Charles Darwin zurückgehenden Evolutionslehre auf der ganzen Linie durch, wie etwa Bernadette Renking: "Unsere Gruppe möchte 'intelligent design' auf ein Wahlfach wie Philosophie oder 'Religionen dieser Welt' beschränkt wissen, wo die Schüler über alle Religionslehren etwas erfahren."

Im Biologieunterricht, wo an den Schulen von Dover bisher ein Text über die angeblichen Lücken der Darwinschen Evolutionslehre verlesen wurde, soll "intelligent design" künftig nicht mehr behandelt werden. Der Lehrplanstreit in Dover schlug in den US-Medien hohe Wellen. Denn das Thema beschäftigt derzeit Schulbehörden, Eltern und Kinder in weiten Teilen der USA. Die fundamentalreligiösen Christen sehen sich durch die Abwahl der Schulbehörde in Dover provoziert. So empfiehlt der bekannte Fernsehprediger Pat Robertson den Bürgern von Dover empört: "Wenn künftig über ihre Gegend ein Unheil hereinbricht, dann sollten sie nicht mehr zu Gott beten. Denn Gott hat man gerade aus dieser Stadt verbannt."

In den USA tobt der Kulturkampf

Der Streit beschäftigt derzeit die Parlamente und Gerichte in nicht weniger als 16 US-Bundestaaten. Im Bundesstaat Kansas im mittleren Westen debattiert die staatliche Schulbehörde die Frage bereits seit Jahren. Anfang des Monats beschloss man, dass eine Kritik der Evolutionslehre auch im naturwissenschaftlichen Unterricht Eingang in die Lehrpläne finden muss. John Calvert, einer der Gründer der "Intelligent-Design"-Bewegung, sieht sich in der Vorreiterrolle: "Wenn in zehn oder 15 Jahren die Historiker darüber schreiben werden, dann wird Kansas als der Ausgangspunkt eines grundlegenden Wandels der Lehrpläne an den amerikanischen Schulen erscheinen."

Die Gegner der Lehre des "intelligent design" behaupten, dass es sich hierbei lediglich um eine religiöse Erschaffungslehre in neuem Gewand handele. Die Anhänger der Erschaffungslehre ("creationism") nehmen das Buch Genesis der Bibel wortwörtlich als Text zur Welterklärung. Diese Lehre aber, so hatte schon 1987 das US-Verfassungsgericht in einem Grundsatzurteil entschieden, hat im naturwissenschaftlichen Unterricht keine Existenzberechtigung.

Offenes Ende

Beobachter glauben, dass in letzter Instanz wieder der Supreme Court in Washington entscheiden muss. Der aber wir gerade von Präsident Bush neu besetzt, und welche Ansicht sein jüngster Kandidat für das Amt eines höchsten Richters, Samuel Alito, in der heiklen Frage vertritt, wird schon demnächst bei seiner Anhörung im US-Senat eine wichtige Rolle spielen.

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