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Alltagsdeutsch – Podcast

Wochenende

Angesichts von steigender Arbeitsbelastung und immer weniger Feier- bzw. Urlaubstagen wird das Wochenende als Zeit der Erholung für viele Menschen immer wichtiger. Doch auch der Sonntag ist nur noch selten heilig.

Musik:
Hildegard Knef, Ich möchte am Montag mal Sonntag haben

"Ich möchte am Montag mal Sonntag haben
Und 'Feierabend' vorm Aufsteh'n sagen.
Ich möchte ganz sorglos verreisen können
Und Erdteile wie meinen Garten kennen."

Sprecherin:
Kein Mensch kann immer arbeiten, und so gibt es in fast allen Kulturen wenigstens einen freien Tag in der Woche. Über 70 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland haben sogar den Samstag und den Sonntag frei. Doch kein Wochenende kann lang genug sein. Am besten wäre es, den Montag noch einmal als Sonntag zu haben, wünschte sich nicht nur die Sängerin Hildegard Knef.

Zitat:
"Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun."
(Mose 20,8 –11)

Sprecherin:
Über die Gestaltung des Sonntags gibt es in der Bibel eine ganz klare Anweisung: An diesem Tag wird geruht. Der biblische Schöpfungsbericht erzählt, dass Gott nach sechs Tagen der Arbeit bei der Erschaffung der Welt am siebten Tag geruht habe. Dieser Ruhetag soll nach den Zehn Geboten für alle Menschen gelten. Für den Pensionär und Katholiken Werner Franke gehört zu einem Sonntag unbedingt der Besuch einer kirchlichen Messe.

Werner Franke:
"Der Sonntag ist uns durchaus heilig. Um halb zehn morgens ist die Messe. Jeden Sonntag. Das mag sich bei Leuten geändert haben, die nicht so prinzipientreu sind oder meinen, sie brauchten das nicht. Aber ob sie es nicht wirklich benötigen, das steht auf einem ganz anderen Blatt."

Sprecher:
Das Wort heilig gehört in den theologischen Bereich. Aber es findet sich auch häufig in anderen Zusammenhängen. Heute kann jedem jedes heilig sein, und das bedeutet dann lediglich, dass es besonders wichtig für ihn ist. Die Redewendung, dass etwas auf einem anderen Blatt stehe, meint, dass ein geäußerter Gedanke nicht zum besprochenen Thema passt, sondern in einen ganz anderen Zusammenhang gehört. Dieses Bild geht auf das Blatt als Buchseite zurück.

Sprecherin:
"Der Sonntag ist der Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erholung", so steht es auch im deutschen Grundgesetz. Inzwischen redet man nicht nur von dem einen freien Tag, sondern vom Wochenende, an dem man in der Regel nicht zu arbeiten braucht. Das Statistische Bundesamt hat eine Studie herausgegeben, der zufolge 40 Prozent aller Arbeitnehmer zumindest hin und wieder samstags arbeiten müssen. 23 Prozent haben selbst an Sonntagen nicht immer frei. Das mittelständische Unternehmen "ERCO" aus Lüdenscheid produziert Lampen und Leuchten. Der Firmenchef Klaus Maack lässt an Samstagen, nicht aber an Sonntagen arbeiten.

Klaus Maack:
"Sonntags arbeitet hier keiner, außer Pförtnern und ein paar Sicherheitskräften wird hier nicht gearbeitet. Samstags kann gearbeitet werden nach Vereinbarung. Das hat was mit der Flexibilisierung der Arbeitszeit zu tun, und damit ist der Fall auch schon erledigt. Wir haben ja keinen Betrieb hier wie im Stahl oder so etwas. Wo sie einfach arbeiten müssen, das ist technisch gar nicht anders zu machen. Sie können den Prozess nicht anhalten. Aber dieses Problem haben wir nicht. Die Leute fahren am Wochenende, wohin sie auch immer wollen. Uns ist das wurscht. Wir hindern sie nicht daran."

Sprecher:
Wenn ein Fall sich erledigt hat, so war damit ursprünglich die Verhandlung vor Gericht gemeint. Ein hoffnungsloser Fall ist eine Sachlage, bei der kein Erfolg zu erwarten ist. Jemandem ist etwas wurscht, das heißt, eine Angelegenheit ist ihm völlig egal. Eine Wurst hat zwei Enden. Somit ist es völlig gleich, von welcher Seite man sie anschneidet. So ist es auch mit einer Angelegenheit, die einem wurscht ist. Es macht keinen Unterschied, ob man sich für sie entscheidet oder nicht. Manchmal kann es allerdings auch um die Wurst gehen. Dann steht eine wichtige Entscheidung an. Diese Redensart leitet sich wahrscheinlich von volkstümlichen Wettkämpfen ab, bei denen der Sieger eine Wurst erhielt. Im 19. Jahrhundert gab es Spiele, die darin bestanden, eine Wurst zu erklettern, zu schnappen oder auch zu angeln.

Sprecherin:
Viele Firme nutzen den Sonnabend oder den Sonntag auch dazu, einen so genannten Tag der offenen Tür zu veranstalten, also alle Interessierten einzuladen, sich das Unternehmen einmal von innen anzugucken.

Klaus Maack:
"Da kommen unglaubliche Menschenmassen, die dann anschließend noch 'ne Erbsensuppe kriegen oder so was. Und ich weiß nicht, wie viel Leute da waren, ein paar Tausend waren das, ja. Vier-, Fünftausend Leute, die da hier so durchgezogen sind mit Kind und Kegel, und allem Rumgucken, wo der Papa arbeitet und so was alles. Und ich denk' mal, dass das auch für 'ne Fülle von Leuten … dass sie einfach Spaß haben, hier zu arbeiten."

Sprecher:
Mit Kind und Kegel
bedeutet mit der ganzen Familie. Man kann zum Beispiel mit Kind und Kegel in den Urlaub fahren. Das Wort Kegel stammt aus dem Spätmittelhochdeutschen und bezeichnet ein uneheliches Kind. Das von Früchten überquellende Horn, das so genannte Füllhorn, stellt in der Kunstgeschichte die Fülle der Ernte bildlich dar. Eine Fülle von Menschen beschreibt eine große Menschenmenge. Die Redewendung etwas in Hülle und Fülle haben stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die Hülle meinte die Kleidung, die Fülle den vollen Magen, beides bezog sich damals noch auf den allernotwendigsten Lebensbedarf. Später erfuhr die Redewendung dann eine Bedeutungsverschiebung: Man hat etwas in Hülle und Fülle, wenn man es im Überfluss besitzt.

Sprecherin:
Die Gewerkschaften und christlichen Kirchen befürchten, wenn am Wochenende immer mehr gearbeitet wird, gibt es irgendwann nur noch Werktage. Kritiker meinen sogar, die Leute könnten verlernen, am Wochenende einfach mal nichts zu tun.

Zitat:
"Gar nichts zu tun, das ist die allerschwierigste Beschäftigung und zugleich diejenige, die am meisten Geist voraussetzt." (Oscar Wilde)

Sprecherin:
Das wusste auch schon Oscar Wilde. Es gibt selbst Pensionäre, die auch am Wochenende allerhand zu tun haben. Werner Franke jedoch bemüht sich sehr darum, zumindest ein paar Stunden am Sonntag einfach nur für sich zu haben.

Werner Franke:
"Also, man muss sicher einige Stunden am Wochenende haben, in denen man alles das, was man sonst unter einem Zwang tut, selbst wenn man Pensionär, wenn man Rentner ist, nicht mehr tut, indem man sich wirklich davon frei macht und sich ganz gelöst Dingen hingibt, bei denen nur die Freude am Tun eine Rolle spielt."

Sprecher:
Das Adjektiv frei leitet sich ab von einem indogermanischen Wortstamm, der so viel bedeutet wie "schützen", "schonen", "gern haben" oder auch "lieben". In dieser alten Bedeutung gibt es heute noch den Freier, der um seine Braut wirbt, die er freien, also heiraten möchte. Auch die Wörter "Freund" oder auch "Friede" gehen zurück auf diesen alten Stamm. Aus der Grundbedeutung von frei haben die Germanen einen Begriff der Rechtsordnung entwickelt: Wer frei war, war im Vollbesitz aller Rechte und war keinem Herrn Untertan. Später entwickelte sich die allgemeinere Bedeutung des Wortes frei als nicht gebunden und unabhängig. Wenn man sich von etwas frei macht, löst man sich von einer Bindung, zum Beispiel von einer unangenehmen Pflicht. Das Verb lösen bedeutet ursprünglich, etwas für richtig zu erklären oder etwas herauszufinden. Man löst eine Aufgabe oder ein Kreuzworträtsel. Gelöst sein hat neben der ursprünglichen noch eine übertragene Bedeutung. Wenn Werner Franke sich am Wochenende ganz gelöst einer Sache hingibt, beschreibt das einen Zustand frei von Zwängen und Pflichten. Besonders Kinder können beim gelösten Spielen alles um sie herum vergessen. Wenn etwas eine große Rolle spielt, dann ist es wichtig. Die Redensart ist der Schauspielkunst entlehnt. Früher wurden die Texte der einzelnen Sprecher auf einen Papierstreifen geschrieben. Diesen hielten die Schauspieler während der Proben in der Hand und rollten ihn dann im Laufe des Stückes mehr und mehr auf.

Sprecherin:
Schon seit Jahren kommen an Sonntagen immer weniger Menschen in die Kirchen. Besonders für die jüngeren Leute gehört der Kirchenbesuch nicht mehr unbedingt zum Sonntag. Dag-Sven Dieckmann geht zwar manchmal in die Kirche. An den meisten Wochenenden ist er aber einfach nur damit beschäftigt, sich von seiner Arbeitswoche als Unternehmensberater zu erholen.

Dag-Sven Dieckmann:
"Das Wochenende ist in erster Linie natürlich Freizeit. Das heißt, vor allen Dingen Zeit, wo ich nicht arbeiten muss, wo man sich erholen kann, ausspannen kann, ja, wirklich erholen kann von der Arbeit der Woche, um wieder auch neue Kräfte aufzutanken, um dann letztendlich in der neuen Woche wieder, ja, mit voller Kraft durchzustarten."

Sprecher:
Der bildhafte Ausdruck in erster Linie bedeutet so viel wie "wichtig". Mit "Linie" kann man auch den Umfang seines Körpers meinen. Wenn jemand auf seine Linie achtet, versucht er, nicht dicker zu werden. Zugtiere wurden früher vor die Kutsche gespannt. Nach dem Ausritt nahm man ihnen das so genannte Geschirr wieder ab. Sie wurden ausgespannt, so dass sie sich wieder frei bewegen konnten. Wer ausspannen will, sucht Erholung. Auch das Wort "tanken" kann im übertragenen Sinne gebraucht werden. Wenn jemand tüchtig einen getankt hat, meint man damit umgangssprachlich, dass er zu viel getrunken hat. Wie ein Fahrzeug Kraftstoff braucht, um sich fortbewegen zu können, so ist es auch mit den Menschen: Wer viel gearbeitet hat, muss Kräfte auftanken, um anschließend wieder mit neuer Energie an die Arbeit gehen zu können. Auch der Ausdruck mit voller Kraft durchstarten ist dem Kraftstoffmotor entliehen. Wenn ein Fahrzeug schnell auf Höchstleistung gebracht werden soll, wird das Gaspedal bis zum Anschlag durchgedrückt. Wenn Dag-Sven Dieckmann zu Wochenbeginn mit voller Kraft durchstartet, geht er voller Energie an die Arbeit.

Sprecherin:
Der Samstag hat einen grundsätzlich anderen Charakter als der Sonntag. Während man an Samstagen noch viel zu erledigen hat, zum Beispiel einkaufen geht, sind am Sonntag in der Regel alle Geschäfte geschlossen. Auf den Straßen ist es hörbar ruhiger. Der Sonntag gehört häufig der Familie. Man nimmt sich Zeit füreinander, geht am späten Vormittag zum Beispiel gemeinsam "brunchen". Die Romanfigur des Herrn Lehman – der in Berlin in einer Kneipe arbeitet – hasst diese Sonntagsausflügler. Die meisten Sonntage verbringt er alleine.

Zitat:
"Der Frühstücker, dachte er zerstört [...], ist ja der Feind an sich, und es ist sonntags immer Frühstückszeit, dachte er, jedenfalls bis 17 Uhr. [...] Es sollte Pflicht und moralischer Anspruch der Besitzer [...] von Restaurants sein [...], diese Restaurants [...] von den Frühstückern als solchen fernzuhalten, denn das sind die allerunerträglichsten Menschen überhaupt." (Aus: Sven Regener, "Herr Lehmann")

Sprecherin:
Dann wiederum gibt es Menschen, die an Sonntagen nicht gerne frühstücken gehen, sondern in ihr eigenes Wochenendhaus fahren. Philipp-Karl Brünner ist Rentner und wohnte, so lange er arbeiten musste, im vierten Stockwerk eines Hochhauses. Jetzt hat er seine Wohnung gekündigt und ist komplett in sein Wochenendhaus gezogen.

Philip-Karl Brünner:
"Wenn man sich das so überlegt, man ist das ganze Jahr praktisch hier, und man hat zuhause noch 'ne Wohnung, da schmeißt man das Geld zum Fenster raus. Es sei denn, man ist nur übers Wochenende hier, dann geht's noch. Aber wenn man praktisch 'n halbes Jahr oder ein dreiviertel Jahr überwiegend hier ist, da kommt 'ne ganze Menge zusammen, die man sich sparen kann, wenn man Rentner ist."

Sprecher:
Wer sein Geld mit vollen Händen zum Fenster hinauswirft, gibt es leichtfertig aus, ist verschwenderisch.

Dag-Sven Dieckmann:
"Häufig ist es dann so eben, dass der Samstag doch noch mit Einkäufen beschäftigt ist und der Sonntag dann wirklich also der einzige Tag ist, wo man sich ausruhen kann, wo man entspannen kann, irgendwas mit Freunden unternehmen kann. Das wär' natürlich schön, wenn man davon mehr Tage hätte. Ist schon sehr groß die Tendenz, am Wochenende einfach mal gar nichts zu machen, sich wirklich einfach auszuruhen. Und dann ist es wirklich 'n Überwinden des eigenen Schweinehundes, dann trotzdem mal joggen zu gehen oder wirklich Sport zu machen."

Sprecher:
Der innere Schweinehund – das ist die eigene innere Schwäche, meistens die Faulheit. Man kann aber seinen inneren Schweinehund auch bekämpfen. Dann versucht man etwas zu erreichen, das eigentlich gegen die eigene Natur oder Veranlagung geht. Der Ausdruck Schweinehund ist vulgär und bezeichnet einen niederträchtigen Menschen. Beide Tierarten dienen auch einzeln als Schimpfwörter. Als Schwein bezeichnet man einen schlechten, hinterhältigen Menschen. Die Bezeichnung Hund stand früher für die Menschen des untersten sozialen Standes, die ein Hundeleben führten. Es gibt aber auch positive Redewendungen, zum Beispiel Schwein haben für "Glück haben". Diese Redensart rührt nämlich daher, dass bei Schützenfesten und Wettrennen der alten Zeit der Schlechteste als ironischen Trostpreis eine Sau erhielt.

Sprecherin:
Der Sonnabend, oder Samstag, ist eigentlich der schönste Tag in der Woche, weil man den Sonntag noch vor sich hat. Ist aber erst einmal Sonntag, möchte man alles auf einmal machen: lange schlafen, womöglich noch in die Kirche gehen, brunchen, mit der Familie ins Grüne fahren, Freunde treffen, Sport treiben oder sich schon wieder auf die kommende Woche vorbereiten. Kein Wunder, dass sich fast alle wünschen: an einem Montag müsste noch mal Sonntag sein.


Fragen zum Text:

Verreist jemand mit der ganzen Familie, so fährt er mit Kind und ...?

1. Flegel
2. Kegel
3. Segel

Welche der folgenden Aussagen ist richtig?
1. In Deutschland wird sonntags grundsätzlich nicht gearbeitet.
2. Der Sonntag ist in Deutschland ein normaler Werktag.
3. Die meisten Menschen haben sonntags frei.

Was wichtig ist, das ...?
1. spielt eine Rolle
2. gibt es in Hülle und Fülle
3. ist einem wurscht


Arbeitsauftrag:
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