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Wirtschaft

Wo Weihnachten zu Hause ist

Käthe Wohlfahrt verkauft das ganze Jahr über traditionelle deutsche Weihnachtsdekorationen. Das Erfolgsgeheimnis liegt nicht allein im "Weihnachtsdorf", einem nachgebildeten verschneiten Markt, aufgebaut im Bürgerhaus.

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In Rothenburg ob der Tauber ist das ganze Jahr Weihnachten

Ein kleiner Schneemann aus Eschenholz, von Tannen umgeben, dreht sich zu der Melodie einer Spieldose. Unzählige bunt bemalte und liebevoll geschnitzte Spieldosen stehen im Weihnachtsdorf der Käthe Wohlfahrt. Auf einer drehen sich sogar die Heilige Familie mit den Heiligen Drei Königen unter Palmen. "Christi Geburt" heißt sie - und könnte Geschichten erzählen, wenn, ja wenn sie das Original wäre. Doch das befindet sich im Familienbesitz, denn mit einer Weihnachtsspieldose hat alles angefangen.

Wie alles anfing

Es war eine amerikanische Offiziersfamilie, die zusammen mit den Wohlfahrts 1963 Weihnachten feierte. Sie waren fasziniert von einer Weihnachtsspieldose aus dem Erzgebirge. Ein Erinnerungsstück der Familie Wohlfahrt an ihre sächsische Heimat, die sie 1956, noch vor dem Mauerbau, verlassen hatte.

Die Spieldose wäre genau das richtige Geschenk für die Freunde gewesen, dachten sich die Wohlfahrts. Doch alle Geschäfte hatten ihre Weihnachtsware bereits weggepackt. Erst im Frühjahr wurde ein Großhändler gefunden, der noch Spieldosen auf Lager hatte. Nur mussten die Wohlfahrts mindestens zehn Stück abnehmen. Wohlfahrts griffen zu. Eine der Spieldosen schenkten sie der amerikanischen Familie, die restlichen verkauften sie an in Deutschland stationierte US-Soldaten.

So war die Idee, ganzjährig Weihnachtsartikel zu verkaufen, geboren. Auf eigene spärlich ausgestattete Ausstellungsräume folgten bald schon die ersten Fachgeschäfte. Das weibliche Familienoberhaupt gab den Namen: Käthe Wohlfahrts Christkindlmarkt.

Kunden aus aller Welt

Ob Christkindlmarkt oder Weihnachtsdorf, wer glaubt das frostige Freunde aus Holz oder himmlische Accessoires für ein harmonisches Engelspiel nur in den Wintermonaten in Deutschland Liebhaber finden - der irrt! Es geht schon im Frühjahr los: Da kommen viele Japaner gefolgt von Amerikanern und auch Schweizern. In den Wintermonaten kommen Menschen aus ganz Europa, erzählt Felicitas Höptner, sie ist für die Öffentlichkeitsarbeit bei Wohlfahrts zuständig. Die Figuren der Käthe Wohlfahrt ziehen aber auch selber in die Welt, beispielsweise auf den Weihnachtsmarkt in Florenz, Osaka oder Sapporo - obwohl Japaner Weihnachten, wie sie Deutsche feiern, kaum kennen.

Deutsche Qualitätsware

Allerdings haben die Produkte aus dem Erzgebirge ihren Preis. Bei Käthe Wohlfahrt gibt es keine Billigware. Qualität kostet, so Felicitas Höptner. Die Produkte würden in der eigenen Werkstatt entwickelt und von deutschen Firmen hergestellt. Die Verarbeitung müsse erstklassig sein und das würde kontrolliert. "Sollte doch einmal was nicht in Ordnung sein, bieten wir einen Reparaturservice an." Qualität hieße aber auch: "dass eben die Malerei genau da sitzt, wo sie sitzen soll und nicht wie bei vielen fernöstlichen Waren, dass einfach mal die Augenbrauen einen halben Millimeter über der Augenbraue gemalt sind."

Hohe Preise für limitierte Waren

15 Euro das Weihnachtsmädchen mit Laterne - handgeschnitzt und bemalt, der Weihnachtsmann mit Früchten aus Kunstharz kostet rund 100 Euro. In der limitierten Abteilung steigen die Preise. Sammler und Liebhaber zahlen solche Preise.

Limitiert ist auch ein weiteres kleines Kunstwerk von Käthe Wohlfahrt: eine Spieluhr. Diese Spieldose wurde 1996 anlässlich einer Spendenaktion zugunsten des Weltkinderhilfswerks UNICEF in der Werkstatt von Käthe Wohlfahrt geschaffen. In diesem Jahr wurde eine limitierte Auflage von weltweit nur 60 Exemplaren neu aufgelegt. "Kinder der Welt" heißt sie, und zeigt Kinder aller Kontinente unter einer sich drehenden Weltkugel. Eine kleine weiße Taube, das Symbol für Frieden, schwebt über ihren Köpfen.

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