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Wissen & Umwelt

Wo Syriens Senfgas zu Salz wird

Die syrischen Bestände zur Produktion von Chemiewaffen sind vollständig vernichtet. Ein Teil der giftigen Überreste kommt nun nach Norddeutschland. In Munster gibt es eine Spezialanlage zur Zerstörung solcher Stoffe.

Am Ende ging es schneller als erwartet. Rund 600 Tonnen Chemikalien zur Herstellung des Giftgases Sarin sowie Senfgas wurden in nur einem Jahr auf dem US-Spezialschiff "Cape Ray" für den Einsatz unbrauchbar gemacht. Deutschland hat sich gemeinsam mit Finnland bereit erklärt, die zum Teil noch giftigen Reststoffe nun in einer Spezialanlage so weit unschädlich zu machen, dass sie entsorgt werden können.

Diese Spezialanlage befindet sich im norddeutschen Munster. Dort, am Standort der "Gesellschaft zur Entsorgung von chemischen Kampfstoffen und Rüstungsaltlasten" (

GEKA

), werden seit Jahrzehnten Kampfstoffe, aber auch Tonnen konventioneller Munition in besonderen Verbrennungsöfen vernichtet. Die gefährlichen Überreste stammen oft noch aus dem Ersten oder Zweiten Weltkrieg und wurden danach vergraben oder vor der deutschen Küste einfach im Meer versenkt.

Verteidigungsministerium für GEKA verantwortlich

Das Firmengelände in Munster ist Teil eines rund 167,5 Quadratkilometer (das entspricht mehr als 23.400 Fußballfeldern) großen militärischen Übungsplatzes, der etwa auf halber Strecke zwischen den Städten Hamburg und Hannover liegt. Die GEKA, die dem deutschen Staat gehört und dem Verteidigungsministerium unterstellt ist, ist die einzige Anlage in Deutschland, die Chemiewaffen beseitigen darf.

Angesichts dieser Vorgaben verwundert es nicht, dass die Bundesregierung die Mithilfe der GEKA bei der Vernichtung der

syrischen Kampfstoffe

anbot. Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) nahm das Angebot an. Die GEKA soll nun das Abwasser aus dem Vernichtungsprozess unschädlich machen, das in der sogenannten

Hydrolyse-Anlage

auf dem US-Spezialschiff "Cape Ray" im Mittelmeerangefallen ist.

Wie giftiger Industrieabfall

GEKA Munster Entsorgung chemi­scher Kampfstoffe und Munition Foto: DW/Alexander Drechsel

Durch einen Schlauch in der Wand soll das Hydrolysat in den Ofen gesprüht werden.

"Das Abwasser, das aus der Hydrolyse des Senfgases stammt, würde ich mit giftigem Industrieabfall gleichsetzen", sagte der belgische Chemiewaffen-Experte Jean Pascal Zanders der Deutschen Welle. Theoretisch könne das Hydrolysat auch in herkömmlichen Verbrennungsanlagen beseitigt werden.

Zanders hält es trotzdem für sinnvoll, die Flüssigkeit von Südeuropa nach Nordeuropa und insbesondere nach Deutschland zu bringen. Denn theoretisch könnte das im Hydrolysat enthaltene Thiodiglycol wieder zur Herstellung von Senfgas genutzt werden. Auch wenn die Wiederverwertung dieser Chemikalie, um erneut Kampfstoffe zu gewinnen, extrem schwierig wäre. Deutschland aber sei über den Verdacht, Chemiewaffen produzieren zu wollen, absolut erhaben, so Zanders.

Der Experte sieht noch weitere Pluspunkte. Neben der Erfahrung und dem Fachwissen bei der GEKA sei der Standort Munster ein Vorteil: "Die Gegend ist relativ abgelegen. Und die Gemeinden, die nahe an Munster liegen, können mit der Arbeit dort umgehen", ist Zanders überzeugt.

Entsorgung kein echtes Problem

GEKA Munster Entsorgung chemi­scher Kampfstoffe und Munition Foto: DW/Alexander Drechsel

Die Steuerzentrale überwacht die Brennöfen.

Schon als erstmals bekannt wurde, dass die syrischen Reststoffe in Munster entsorgt werden sollen, sahen die Verantwortlichen bei der GEKA den 370 Tonnen Hydrolysat - abgefüllt in 12 bis 15 Tanks - gelassen entgegen. "Wir arbeiten schon viele Jahre an der Beseitigung von Chemiewaffen und sind auch darauf vorbereitet", sagte Andreas Krüger, technischer Geschäftsführer bei der GEKA, der Deutschen Welle. Für den Auftrag musste wegen der großen Menge flüssigen Abfalls eine zusätzliche Zuführung installiert werden, denn eigentlich war die Anlage darauf nicht ausgelegt. "Aber auch das war kein großes technisches Problem", so Krüger.

Am Ende der Vernichtung bleiben vom Senfgas nur Wasserdampf und einige Salze. "Das sind Salze aus dem Prozess selber, in diesem Fall Natriumchlorid - also Kochsalz - aus der Neutralisation. Und es sind Salze, die aus der Rauchgaswäsche kommen. Das heißt, wenn die Verbrennungsgase gereinigt werden, so fallen auch dort Salze an", erläutert Krüger. "Diese Salze werden bei uns routinemäßig, also unabhängig vom Auftrag, deponiert. Sie werden in Fässer abgefüllt und dann in eine Langzeitdeponie verbracht."

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