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Fokus Südosteuropa

Wo sind die Frauen?

Weibliche Führungskräfte sind in europäischen Firmen nur selten zu finden. Ganz besonders gilt das für Südosteuropa - egal, ob in Kroatien, Serbien oder der Türkei. Eine Bestandfsaufnahme.

Mann und Frau auf Waage (Foto: Bilderbox)

In Südosteuropa mangelt es an Frauen in Top-Positionen

Generell sind Frauen in Südosteuropa noch seltener in leitenden Positionen zu finden als im europäischen Vergleich. In Kroatien schaffen sie es nur in einigen großen, multi-nationalen Unternehmen, und dort auch nur in den Kommunikations- oder PR-Abteilungen. Allerdings sind das in der Regel Positionen ohne reale Entscheidungsgewalt. İn den Bereichen Technik und Produktion sind Frauen in leitenden Stellen dagegen kaum vertreten. Der Grund dafür ist, dass nur wenige Frauen technische Fakultäten besuchen und somit auch die Zahl der weiblichen Fachkräfte gering ist. Genaue Informationen über die Macht der Frauen im Management und die Tragweite ihrer Entscheidungkraft liegen jedoch nicht vor. Nicht einmal die staatliche Gleichstellungsbeauftragte Gordana Lukac Koritnik verfügt über genaue Angaben. Dies soll sich nach Angaben des Büros von Lukac Koritnik jedoch bald ändern.

Niedriger Frauenanteil in Konzernen

Porträt von Alida Perkov, Chefin des BPW (Foto: DW)

Alida Perkov sieht Fortschritte

Die Lage der Frauen verbessere sich indes stetig, gerade bei den Unternehmerinnen kleinerer Firmen, sagt Alida Perkov von der kroatischen Niederlassung von "Business and Professional Women" (BPW), eines der größten weltweiten Netzwerke für Unternehmerinnen und berufstätige Frauen. İm Jahre 2002 beschäftigten rund 8.000 Unternehmerinnen 54.000 Mitarbeiter. "2007 sind es dreimal so viele, und die Zahl der von ihnen Beschäftigten hat sich verdoppelt", so die Vorsitzende von BPW Kroatien gegenüber DW-WORLD.DE. Allerdings entfiel nur ein Viertel aller Unternehmens-Neugründungen auf Frauen. Statistische Angaben über den Anteil an Männern und Frauen unter der Gesamtzahl von Unternehmern in Kroatien liegen jedoch nicht vor, Schätzungen zufolge gibt es doppelt so viele männliche Unternehmer. Der Anteil von Frauen in Aufsichtsräten liegt bei 19 Prozent. Die Schere klafft laut Perkov bei Führungspositionen in Großkonzernen noch stärker auseinander. Dort gebe es einen Frauenanteil von nur sechs Prozent. Perkov zufolge zeichnet sich eine Regel ab: je größer ein Unternehmen, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass es von einer Frau geführt wird.

Mehr Unternehmerinnen gewünscht

In Serbien dagegen gebe es in der privaten Wirtschaft ausreichend Frauen in Führungspositionen, so die dortige Gleichstellungsbeauftragte Snezana Lakicevic Stojacic. Einige statistische Daten seien bemerkenswert: so seien etwa 53 Prozent der akademischen Fachkräfte Frauen, bei den nicht-akademischen Fachkräften und Technikern stellten sie sogar einen Anteil von 59 Prozent. İn der Politik und im öffentlichen Dienst sei dagegen nur ein Viertel der Beschäftigten weiblich. Aus diesen Zahlen gehe hervor, so Lakicevic Stojacic, dass sich Frauen in Bewerbungsverfahren, in denen Wissen, Können und Qualität abgefragt werde, klar durchsetzten. Heute nähmen Frauen in Führungsposition Stellen ein, die bis vor kurzem noch für Männer reserviert waren. Sie seien nun auch in Spitzenpositionen bei Großunternehmen und Banken vertreten. Snezana Lakicevic zufolge gebe es allerdings in Serbien zu wenige Unternehmerinnen. Da kämen auf 100 Männer nur 50 Frauen.

Diskrepanz in der Türkei

Eine Geschäftsfrau telefoniert, während sie am Computer arbeitet (Foto: dpa/Bildfunk)

Die Türkei glänzt mit vielen Geschäftsführerinnen

Auch in der Türkei sind Frauen in Politik und Wirtschaft unterrepräsentiert. Nach dem "Gender Gap Report 2010" des Weltwirtschaftsforums liegt die Beschäftigungsquote der Frauen in der privaten Wirtschaft bei gerade einmal 26 Prozent. Erfreulich für die Türkei ist nach diesem Bericht, dass die Quote der Frauen in Top-Positionen bei etwa zwölf Prozent liegt. Damit liegt die Türkei hinter Finnland weltweit auf Platz 2 in einer Untersuchung, die 3.400 Unternehmen aus 30 OECD-Staaten sowie China, Indien und Russland umfasst.

Wegen ihrer niedrigen Beschäftigungsquote für Frauen wird die Türkei auch in den Fortschrittsberichten der EU kritisiert. Denn die EU hat sich mit der sogenannten Lissabonner Strategie vorgenommen, in den Mitgliedsländern und für Aspiranten wie die Türkei die Beschäftigungsquote der Frauen auf 60 Prozent zu erhöhen. Das Ziel liegt für die Türkei also noch in weiter Ferne. Ein Grund dafür ist, dass Frauen früher überwiegend in der Landwirtschaft tätig waren, die Beschäftigung in der Landwirtschaft aber insgesamt zurückgeht. Da momentan die Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen begrenzt, die Arbeitsbedingungen hart und die Löhne niedrig sind, scheint das Arbeitsleben für viele Frauen nicht so attraktiv, so die Begründung von Experten.

Autoren: B. Özay, S. Bogdanic, I. Petrovic
Redaktion: Mirjana Dikic

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