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Reise

Wo Mozart seine Ruhe fand

Am 5.12.1791 starb das Musikgenie in Wien und wurde tags darauf in einem anonymen Armengrab verscharrt. Fans aus der ganzen Welt werden zu seinem 225. Todestag nach Wien pilgern, um ihren Mozart zu ehren.

Auf dem berühmten Wiener Zentralfriedhof sind die Großen Österreichs versammelt, darunter die Crème de la Crème der Musiker und Komponisten - bis auf Mozart. Hier liegen prominente Persönlichkeiten begraben von Beethoven, Brahms, Strauss und Schubert über Arnold Schönberg bis hin zu Falco und Udo Jürgens. Der 1874 eröffnete Zentralfriedhof hat ein Wegenetz von insgesamt 450 Kilometern zwischen den 330.000 Grabstätten. Über Europas größten Friedhof führt sogar eine eigene Buslinie.

Juwel der Wiener Friedhöfe

Der Geheimtipp aber ist der "Sankt Marxer", der einzig erhaltene von einst fünf Biedermeierfriedhöfen in Wien. Botaniker empfehlen einen Besuch für April und Mai - befindet sich doch hier die größte Ansammlung von Fliederbüschen in ganz Wien. Für Romantiker aber ist der Besuch ganzjährig ein Erlebnis: wenn der weiße Flieder wieder blüht ebenso wie als schattiges Plätzchen in der städtischen Sommerglut, zur goldenen Herbstzeit wie im nebligen Totenmonat November.

Mozartgrab in Wien (AP)

Hinweisschild zum mutmaßlichen Mozartgrab

Den "Biedermeierfriedhof" zeichnet sicher nicht der tosende Verkehr der meist befahrenen Straße Österreichs aus; die "Südtangente" genannte Stadtautobahn A23 wird (leider) hier vorbeigeführt. Nein, es sind die historischen Grabmäler, von deren einst rund 8000 noch 5600 erhalten sind. Sie verweisen in putzig-anrührender Weise auf die Verstorbenen und ihren bürgerlichen oder adligen Stand im Leben.

Sittenbild der Wiener Gesellschaft

Eine "Gastgebers-Gattin in der Leopoldstadt" ist hier verewigt, ein "bürgerlicher Kanalräumer", eine "Hof Mundwäscherin" oder ein "bürgerlicher Lust- und Ziergärtners-Sohn"; aber auch ein "wirklich geheimer Rath", der derart viele Titel auf sich vereinte, dass der Steinmetz am Ende der Tafel auf ein lakonisches "etc. etc. etc." verfiel. 

BG Friedhöfe (picture-alliance)

Sankt Marxer Friedhof

Seine Existenz verdankt der Friedhof dem aufgeklärten Kaiser Joseph II. (1765-1790). Er verbot aus hygienischen Gründen Beisetzungen innerhalb des Linienwalls, des heutigen "Gürtels", und ordnete die Neuanlage von fünf "communalen" Begräbnisstätten an, damals noch weit außerhalb der Stadt gelegen. Der "Sankt Marxer" ist nach dem Markus-Hospital benannt, das seit dem Mittelalter Kranke pflegte. In 90 Jahren wurden hier ab 1784 rund 15.000 Menschen bestattet - bis der Zentralfriedhof 1874 die Abgelebten der werdenden Millionenstadt aufnahm.

Mozarts trauriges Ende

Vor allem eine ganz bestimmte Beisetzung auf dem Sankt Marxer interessiert Wissenschaftler und Fans bis heute. Schmucklos und kärglich, ohne jeden Pomp war sie: ein erbärmlicher Leichenzug am 6. Dezember 1791 - jenem Tag vor 225 Jahren, nachdem Wolfgang Amadeus Mozart starb. Mozart war nur 35 Jahre alt geworden. Das Genie hatte über seine Verhältnisse gelebt. Als armer Mann starb er nicht, wie oft behauptet wird. Es war eher so, dass das Geld für seinen aufwändigen Lebensstil einfach nicht reichte. Nur wenige Begleiter brachten ihn bei Regen und Schnee bis zum Stubentor am Stadtrand; unter ihnen sollen sein letzter Schüler Franz Xaver Süßmayr und sein ewiger Rivale Antonio Salieri gewesen sein. Von da an weiß nur noch der Totengräber, was geschah.

Möglicher Mozart-Schädel (picture-alliance/dpa)

Möglicher Mozart-Schädel

Mozart landete in einem der Armengräber, die in platzsparenden Schächten mit je vier Leichen nebeneinander belegt wurden. Der Klappsarg wurde entleert und wieder verwandt. Nach zehn Jahren folgte dann ein neuer "Belag". 1801 war also die erste Chance, die Gebeine des nun verehrten Komponisten aus dem Knochen-Allerlei zu bergen. So kam ein Mozart-Schädel auf Umwegen nach Salzburg; seine Echtheit ist bis heute unbestätigt.

BG Friedhöfe (picture-alliance/CHROMORANGE/E. Weingartner)

Monzart letzte Ruhestätte auf dem Friedhof St. Marxer

Die Faszination bleibt

Erst 17 Jahre nach Mozarts Tod versuchte seine Frau Constanze das Grab ihres Mannes zu finden. Weil es weder Kreuze noch Bezeichnungen der Gräber gab, musste sie sich auf höchst unsichere Erinnerungen der Friedhofsangestellten verlassen. Wo Mozart wirklich begraben liegt, bleibt ein Geheimnis.

An der ungefähren, stets umstrittenen Stelle wurde ein Scheingrab mit einem Mozart-Denkmal errichtet - das freilich zu dessen 100. Todestag 1891 auf den Zentralfriedhof gebracht wurde. Ein findiger Wärter schmückte die verödete Fläche schließlich mit Teilen anderer Grabmäler aus. An dem Säulenstumpf legen Besucher bis heute Blumen und Fanpost ab und entzünden Kerzen. Zu seinem Geburts- und Todestag reisen sogar offizielle Delegationen an und legen Kränze ab.

Der St. Marxer Friedhof ist heute nicht mehr in Betrieb. Er wird von der Stadt Wien als Parkanlage geführt und steht heute unter Denkmalschutz. 

is/at (kna)

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