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Wo man so lebt

Wohnorte gibt es, die gibt es nicht: Schlauberg zum Beispiel oder Wolkenkuckucksheim. Und auch wer im siebten Himmel schwebt, hält sich da meist nur kurz auf, ohne Aussicht auf einen dauerhaften Wohnsitz.

Wer lebt "wie Gott in Frankreich", der lebt ganz oben, fast wie im siebten Himmel – ohne Sorgen, herrlich und in Freuden. Ursprünglich gemeint ist damit die französische Geistlichkeit des Mittelalters, der es außerordentlich gut ging. Ähnlich zufrieden darf sein, wer wie die Made im Speck lebt. Zumindest ist er satt. Und faul.

Wohin kommt man schon mit Bewegung? Man kommt vom Regen in die Traufe, also dorthin, wo es schlimmer ist als vorher. Ein weiterer Schritt vorwärts und schon ist man in Teufels Küche, sprich: in allerhöchsten Schwierigkeiten. Dann ist man da, wo man nie hinwollte, ganz unten.

Lieber Schlauberg als Dummsdorf

Es gibt Orte, die gibt es gar nicht. Sie wurden erfunden ausschließlich zu einem Zweck: um Mitmenschen zu charakterisieren. Über wen man sagt "der stammt nicht aus Schenkendorf, der stammt aus Greifswald", den nennt man auch einen Schnorrer. Und weist ihn gern zurecht mit dem Satz "Hier ist nicht Kostnix"! Und was ist wohl von einem zu halten, von dem es heißt, er komme aus "Dummsdorf"? Dummsdorf gibt es nicht, so wenig wie Drückeberg oder Schlauberg.

Wohl aber gibt es Schlauberger und Drückeberger. Die Bezeichnung "Drückeberger" entstand um 1880, populär wurde sie dann zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Sie bezeichnet Männer, die sich vor dem Militärdienst "drücken" wollten, ihn nicht ableisten wollten. In anderen Sprachen sind "sprechende" Ortsnamen seltener. Ja, die Deutschen sind halt Schlauberger, sie wissen a) alles und b) besser.

Wo wird der Most geholt?

Oder um es auf Schwäbisch zu sagen: Sie wissen, "wo der Bartel den Most holt". Woher dieser Ausdruck kommt? Ein Schlauberger würde vielleicht sagen: "Der 24. August ist der Namenstag des Heiligen Bartholomäus. Der spielt im Bauern- und Winzerleben eine große Rolle." "Ach ja", würde ein anderer Schlauberger entgegnen, "seit wann wird Traubenmost schon am 24. August gemacht? Höchstens Obstmost!" Darauf könnte der erste antworten: "Gerade das spricht ja für die Pfiffigkeit dieses Bartels!" Worauf der zweite sich möglicherweise schmollend zurückzieht.

Wohin? In den Schmollwinkel. Das ist eine ruhige Ecke, in der man seinen Frust ausleben kann. Unweit davon liegt beziehungsweise läge, wenn es das denn gäbe, das Örtchen Krähwinkel, ein fiktives Provinznest mit engstirnigen, provinziellen Einwohnern.

Die Welt ist ein Dorf

Es fielen die Begriffe "Örtchen" und "Provinznest" – Bezeichnungen, die Langeweile und Enge ausdrücken. Ein Ort mit einem solchen Flair ist ein "Kaff". Das Wort entstammt der Gaunersprache des 19. Jahrhunderts, ist von seinen Wurzeln her hebräisch: "käfär". Und das heißt – ganz wertneutral – "Dorf". Wussten Sie das? Ich, ehrlich gesagt, nicht.

Solch entstehungsgeschichtliche Details sind für mich "böhmische Dörfer", sind mir unbekannt, ja unverständlich. Genau so unverständlich wie einst den auf böhmischem Gebiet lebenden Deutschen die tschechischen Ortsnamen unverständlich waren.

Willkommen in Wolkenkuckucksheim

Der antike Komödiendichter Aristophanes bezeichnete einen in den Lüften von Vögeln gegründeten Staat als "Wolkenkuckucksheim", heute das Synonym für eine Sicht auf die Dinge, die völlig wirklichkeitsfremd scheint. Wer im Wolkenkuckucksheim lebt, der steht nicht mit beiden Beinen im Leben. Er kriegt wenig mit vom wahren Leben. Er weiß so viel wie einer aus Dummsdorf. Bloß, dass er hinterm Mond lebt.

Wo aber leben eigentlich die Gelehrten? "Die hochtrabenden Gelehrten … schweben in Wolken", kritisierte Sebastian Franck bereits 1511. Ihr Domizil aber ist nicht das Wolkenkuckucksheim, sondern der Elfenbeinturm. Hier weilen die Gelehrten und sinnen, der Welt entrückt, ganz weit oben. Aber ist ganz oben nicht auch der siebte Himmel? Schon merkwürdig, wo man so lebt …

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