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Krise am Golf

Wo Katar seine Fäden spinnt

Das flächenmäßig kleine Golf-Emirat Katar gilt als eines der reichsten Länder der Welt - vor allem wegen seiner Öl- und Gasvorkommen. Seine Petro-Milliarden hat das Emirat in der ganzen Welt investiert.

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Katar: Deutsche Wirtschaft in Sorge

Katar gilt wegen seines Öl- und Gasreichtums als eines der reichsten Länder der Welt. Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds ist sein "Pro-Kopf-BIP" das höchste der Welt: Das auf jeden Einwohner hochgerechnete Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist danach mit 132.870 Dollar mehr als doppelt so hoch wie das der USA (56.084 Dollar).

Mit seinen Petro-Dollars ist der kleine Wüstenstaat ein gefragter Investor mit Beteiligungen an renommierten deutschen, aber auch an etlichen anderen internationalen Großkonzernen. Die Experten des Instituts SWFI zählen die katarische Dachgesellschaft für diese Beteiligungen, die "Qatar Investment Authority" (QIA), zu den 15 größten Staatsfonds.

Die QIA sieht sich selbst als globalen Investor, der seine Gelder in einer breiten Palette von Vermögensklassen und Branchen in allen Teilen der Welt anlegt. Fachleute sprechen davon, dass der Fonds auf dem gesamten Globus über 330 Milliarden Dollar angelegt hat. Das wäre ungefähr doppelt so viel, wie das Bruttoinlandsprodukt des Emirats. Das schätzt der IWF auf rund 157 Milliarden Dollar.

Konservative Strategien

Seine Investitionsstrategie beschreibt der katarische Fonds mit den Worten: "QIA bemüht sich um langfristig orientierte Rückflüsse aus Investitionen, ohne sich ungebührlichen Risiken auszusetzen". Vorrangiges Ziel sei es, Gelder aus dem Öl- und Gasgeschäft so anzulegen, dass der Staat und künftige Generationen auf lange Sicht profitieren.

Es gehe um nachhaltige Renditen ohne übermäßiges Risiko. Kurzfristige oder taktische Engagements seien nicht Sache des Fonds. Er setzt nach eigenen Angaben auf Flexibilität und langlaufende Entwicklungen.

Weltweite Beteiligungen

QIA selbst hält sich mit detaillierten Angaben über seine weltweiten Beteiligungen zurück. Selbst spricht der Fonds lediglich allgemein von Anteilen an Volkswagen, Barclays, Canary Wharf, der Harrods-Gruppe, Credit Suisse, Heathrow, Glencore, Tiffany & Co und Total. Bei Volkswagen ist die Qatar Holding mit 14,6 Prozent einer der ganz großen Aktionäre.

Bei der Deutschen Bank hielten Katars Ex-Premier Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani und sein Cousin Hamad Bin Khalifa Al-Thani Ende vergangenen Jahres zusammen rund acht Prozent sowie Kaufoptionen im Volumen von rund zwei Prozent. Aktuellere Daten liegen nicht vor.

Bei der Reederei Hapag Lloyd wird die QIA mit 14,4 Prozent Kapitalanteil geführt. Auch Konzerne wie Hochtief, Porsche und die gerade in der Insolvenz steckende Solarworld haben Erfahrungen mit katarischen Aktionären. Dabei haben gerade die deutschen Engagements den Großanlegern aus dem Emirat in den letzten Jahren erhebliche Verluste gebracht.

Katar ist aber in seiner Anlagestrategie noch viel breiter engagiert. Das Emirat legt seine Gelder nach eigenen Angaben in allen möglichen Vermögensarten und Regionen an.

So beteiligt sich das Emirat auf den Immobilienmärkten, kauft Ländereien, Wälder, Anleihen und andere Finanzinstrumente. Und das Land ist weiter aktiv. Erst jüngst hat sich Katar wieder in der Türkei engagiert. Daneben wurden Anteile an der russischen Ölgesellschaft Rosneft erworben. Beim französischen Mischkonzern Lagardere hat Katar gerade seinen Anteil erhöht und prüft offenbar weitere Aufstockungen.

Deutsche Firmen in Katar

Die deutsche Handelskammer führt nach Angaben der katarischen Botschaft in Berlin 64 Firmen aus Deutschland an, die in Katars Hauptstadt Doha einen Sitz haben. Dazu zählten Allianz, Deutsche Bank, BMW, Siemens, Thyssen Krupp und Wintershall. Das Land hat wiederholt sein Interesse bekundet, noch stärker mit Deutschland zu kooperieren.

Laut Statistischem Bundesamt steht Katar auf Platz 52 der Handelspartner der Bundesrepublik. Die Ausfuhren deutscher Firmen nach Katar haben zuletzt deutlich angezogen. 2011 lag das Exportvolumen noch bei einer Milliarde Euro. Dank des damals hohen Öl- und Gaspreises nahm Katar viel Geld ein. Wegen der Fußball-WM 2022 in dem Golf-Staat gibt es zudem einen Investitionsboom: 2017 habe Katar in seinem Haushalt knapp 25 Milliarden Dollar veranschlagt, um Stadien, Straßen, eine U-Bahn und andere Infrastruktur zu bauen.

Die katarische Wirtschaft hat in den letzten Jahren, auch bedingt durch den Ölpreis-Rückgang, beständig an Fahrt verloren und wuchs 2016 nur noch um 2,6 Prozent. Die Wachstumsaussichten werden von Experten für das Land derzeit als eingetrübt bewertet.

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