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25 Jahre Mauerfall

Wo ist die Mauer?

Es gibt sie bemalt, in Fläschchen oder mit Magnet. Die Reste der Berliner Mauer sind auch 25 Jahre nach deren Fall Verkaufsschlager. Und Erinnerungsort. Weltweit stehen Segmente von “The Wall“ sogar in Museen.

Erst kommen die “Mauerspechte“. Am 9. November 1989 fällt die Berliner Mauer, schon wenige Wochen später ist sie zwischen Reichstag und Brandenburger Tor über weite Teile durchlöchert. Berliner wie Touristen pickern sich Bröckchen aus den Betonteilen, die die Stadt 28 Jahre geteilt haben. Fliegende Straßenhändler bieten Mauerstücke an und machen damit Kasse. Danach wird das einstige Bollwerk zum Millionengeschäft - bis heute.

Auf allen Kontinenten stehen Reste der Berliner Mauer, in Museen, als Denkmäler. “Die Mauerreste sind eine Reliquie der Weltgeschichte“, sagt der Historiker Hans-Hermann Hertle vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. “Sie haben einen hohen Symbolwert dafür, dass die Mauer ihren Schrecken verloren hat.“

100 Jahre Willy Brandt Mauerbau Bernauer Straße 1961

August 1961: Arbeiter beim Bau der Mauer an der Bernauer Straße

Die DDR wollte mit dem am 13. August 1961 begonnenen Bau der Mauer ihr wirtschaftliches Ausbluten verhindern. Durch das Nadelöhr Berlin waren bis 1961 rund 1,6 Millionen Ostdeutsche in den Westen gegangen. Im Laufe der Jahre baute die SED-Führung die Sperranlagen immer weiter aus. Trotzdem versuchten Tausende die Flucht. 138 Menschen starben nach aktuellem Forschungstand an dem Grenzwall.

Im boomenden Touristenziel Berlin sind zwar nur wenige originale Mauerabschnitte erhalten, aber die Mauer lebt weiter als Souvenir. Es gibt Mauer-Schlüsselanhänger, Maueraufsteller mit Magnet oder Display, Postkarten mit integrierten Mini-Stückchen, bemalte Mauerreste. In einem Souvenirshop neben dem früheren Grenzübergang Checkpoint Charlie türmt sich direkt neben dem Eingang ein großes Regal, voll mit Mauerfragmenten, hübsch verpackt - von 4,90 Euro an aufwärts, je nach Größe.

In kleinen Stücken oder lieber 33 Kilogramm Mauer?

"Das Interesse an der Mauer ist ungebrochen hoch“, sagt Wieland Giebel, Geschäftsführer des Berlin Story Verlags, der auch Mauer-Souvenirs vertreibt. “Zum einen kann man sich nicht vorstellen, wie die Stadt war, als sie geteilt war.“ Zum anderen zeige der Fall der Mauer den Freiheitswillen der DDR-Bürger. Die Mauerstücke kommen von einem Lieferanten, der Verlag hat sich die Echtheit von der Technischen Universität in Berlin bestätigen lassen. Im Web-Shop ist ein kleines Mauerstück für 6,90 Euro zu haben, ein etwas größeres für 12,90 Euro. Ein großes “Original Mauerbruchstück“ mit einem Gewicht von 33 Kilogramm kostet 699 Euro.

Bildband Die Berliner Mauer in der Welt

Freiheitssymbol: Ein Berliner Mauersegment wurde 2013 Teil einer Kunstinstallation in der albanischen Hauptstadt Tirana

Nicht nur Souvenirhändler haben noch Mauerreste, auch anderswo lagern noch Stücke des Betonwalls. So habe die Stadt Berlin ein Depot mit Mauerresten bei den “Gärten der Welt“ in Berlin-Marzahn, sagt Anna Kaminsky, Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. “Erst vor kurzem haben wir ein großes Mauerstück mit Hilfe unseres Botschafters in Estland nach Tallinn vermittelt.“

Die Mauer als Devisenbringer

Schon kurz nach dem Fall der Mauer kommen Geschäftsleute auf die Idee, mit den Resten Geld zu verdienen. Unternehmer aus dem In- und Ausland bieten der DDR, die vor dem Bankrott steht, viel Geld für Mauerstücke, wie der Historiker Ronny Heidenreich weiß. Die damalige DDR-Führung steigt darauf ein - mit dem einstigen “antifaschistischen Schutzwall“ soll nun Kasse gemacht werden. Mit der Abwicklung wird der Außenhandelsbetrieb Limex beauftragt. Die Erlöse sollen für “humanitäre Zwecke“ verwendet werden und etwa ins Gesundheitssystem fließen, so die offizielle Erklärung.

Mauerfall 1990

Entdeckung beim Mauerabriss 1990: Der Betonwall verlief zwischen Kreuzberg und Mitte auch auf den Straßenbahnschienen

Auch im Westen gründet sich eine Verkaufsagentur. Eine Auktion in Monaco für ausgewählte Mauerreste bringt einen Erlös zwischen 1,8 und 2,2 Millionen D-Mark, der damaligen Währung der Bundesrepublik. Allerdings versickern Gelder aus dem Mauerverkauf auch in dunklen Kanälen, laut Ronny Heidenreich. Parallel beginnt im Frühsommer 1990 der Abriss der rund 155 Kilometer langen Mauer. Mit Hilfe von 65 Kränen, 175 Lastwagen und 13 Planierraupen werden die Sperranlagen beseitigt. Private Firmen überwiegend aus der Bundesrepublik unterstützen die Grenztruppen beim Abriss und kommen im Gegenzug günstig an Bauschutt. So enden große Teile der Mauer als Granulat im Straßenbau. Aber auch findige Geschäftsleute erkennen den Wert der Teile als Souvenirs. Bis heute lagern Reste in großen Lagern.

Für die DDR-Führung lohnte sich das Mauergeschäft am Ende nicht. Die Abrisskosten waren riesig: Heidenreich zufolge lagen sie bei rund 170 Millionen D-Mark. Der Verkauf von Mauerteilen brachte nur einen Bruchteil von wenigen Millionen ein.

Die Berliner Mauer in der Welt

Jim Avignon Künstler Graffiti Berlin

Die East Side Gallery in Berlin bildet heute das größte zusammenhängende Mauerstück weltweit

Weltweit ist die Mauer auch 25 Jahre nach ihrem Fall noch das Symbol für die deutsche Teilung. Es gibt mehr als 140 Denkmäler, in denen Mauerteile verwendet wurden. Sie sind in einer Neuauflage des Buches “Die Berliner Mauer in der Welt“ von Ronny Heidenreich beschrieben. Das größte Mauerensemble außerhalb Berlins steht im “Newseum“, einem Museum in der US-Hauptstadt Washington, daneben ein originaler Grenzwachturm. Die Mauer steht aber auch auf der Danziger Werft, im Imperial War Museum in London, in New York und auf Hawaii, in Buenos Aires und Seoul - und auf dem Mars. Zumindest fast: Auf Vorschlag eines deutschen Geologen trägt dort ein 85 Zentimeter großer Felsbrocken den Namen “Broken Wall“.

Andreas Hoenig (dpa)

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