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Politik

Wo Friedensmissionen siegten, wo sie versagten

Seit Jahren sollen internationale Einheiten für Frieden in der Welt sorgen. Doch Friedensmissionen sind meistens sehr heikel. Manchmal sind sie erfolgreich aber in vielen Fällen auch zum Scheitern verurteilt.

Blauhelm trägt eine UNO-Flagge Quelle:AP

Ein Blauhelmsoldat bei seinem Einsatz

Der Bürgerkrieg in Bosnien und Herzegowina erschüttert Europa

Anfang der 1990er-Jahre marschierten 60.000 NATO-Soldaten in Bosnien und Herzegowina ein, um die Menschen dort auf dem langen Weg zum Frieden zu begleiten. Seit Ende des ersten Weltkrieges war das Land Teil des Vielvölkerstaates Jugoslawien. Als dieser zerfiel, entbrannten auf dem Balkan ethnisch motivierte Bürgerkriege; der längste davon in Bosnien und Herzegowina. Dreieinhalb Jahre lang bekämpften sich orthodoxe Serben, katholische Kroaten und muslimische Bosniaken. Durch “ethnische Säuberungen” versuchten die einzelnen Volksgruppen ihre Gebietsansprüche durchzusetzen.

Einen traurigen Höhepunkt der Auseinandersetzungen bildete das Massaker in der UN-Schutzzone Srebrenica im Juli 1995, bei dem 8000 Muslime durch bosnische Serben erschossen wurden.

Das Friedensabkommen von Dayton beendet den Schrecken

Trotz dieses herben Rückschlags erreichte die NATO durch starke Luftangriffe am 14. Dezember 1995 die Unterzeichnung des Dayton-Friedensabkommens. Eine 60.000 Mann starke multinationale Friedenstruppe der NATO überwachte fortan die Umsetzung des Vertrags. Neben der Entwaffnung der Bevölkerung, der Reformierung von Polizei und staatlichen Behörden, gehört auch der Kampf gegen das organisierte Verbrechen zu den Aufgaben der Friedenstruppen.

Immer weniger Soldaten werden für die Mission benötigt

Im Dezember 2004 übernahm die Europäische Union das Kommando über die Friedenstruppen, die inzwischen nur noch 6000 Soldaten umfassen. “Die Situation in Bosnien-Herzegowina stabilisiert sich zusehends. Seit 2001 gab es keine größeren Ausbrüche politisch motivierter Gewalt mehr. Die Furcht vor einem neuen Krieg im Fall eines Abzugs der Truppen hat abgenommen”, so Thorsten Gromes von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, “Ob man aber einen sich selbst tragenden Frieden geschaffen hat, kann niemand sagen, solange die Friedensmission noch andauert.”

„Am Ende überlebte nur eine Frau“ – Die gescheiterte Friedensmission in Ruanda

Ruanda gehört nicht nur zu den ärmsten Ländern der Welt, sondern auch zu den dunkelsten Kapiteln der Internationalen Gemeinschaft. Noch heute wirft der Völkermord von 1994 in dem kleinen afrikanischen Land dunkle Schatten auf die UN. Die Situation zwischen den beiden Volksgruppen in Ruanda war schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts angespannt. In den 1990er-Jahren entbrannte schließlich ein offener Bürgerkrieg zwischen der Hutu-Mehrheit und der Tutsi-Minderheit.

Der größte Völkermord nach dem Zweiten Weltkrieg

Als am 6. April 1994 das Flugzeug des Präsidenten Juvénal Habyarimana über der Hauptstadt Kigali abgeschossen wurde, eskalierte die Situation. Von Milizen aufgehetzt begann der größte Völkermord nach dem Zweiten Weltkrieg. "Von den 16 Mitgliedern unseres Partnerschaftskomitees in der Gemeinde Bwakira überlebte am Ende nur eine Frau”, erinnert sich Karl Heil, Vorsitzender des Ruanda-Komitees in Bad Kreuznach. In nur 100 Tagen ermordeten Hutu-Milizen etwa 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu. Trotz mehrfacher Aufforderung durch General Roméo Dallaire, Kommandeur der 2500 Blauhelme in Ruanda, unternahmen die Vereinten Nationen nichts, um dem Töten ein Ende zu setzen. Kofi Annan, damals noch Leiter der Abteilung für Friedensmissionen und später UN-Generalsekretär, ordnete stattdessen den Rückzug der Truppen bis auf 270 Soldaten an. "Eine der schlimmsten Fehleinschätzungen der Vereinten Nationen", wird Annan später im Jahresbericht 2000 zugeben.

"Keine Familie, die nicht betroffen war"

Der von Exil-Tutsi geleiteten Ruandischen Patriotischen Front (RPF) gelang es im Juli 1994 schließlich, dem Völkermord ein Ende zu setzten. "Die Internationale Gemeinschaft hat nichts unternommen, um das systematische Abschlachten von Männern, Frauen und Kindern zu beenden. Dieses Versagen hat tiefe Wunden in der Ruandischen Bevölkerung und in ihrer Beziehung zur UN hinterlassen", heißt es im 1999 erschienen Untersuchungsbericht. Eine Tatsache, die auch Karl Heil vom Ruanda-Komitee bestätigen kann: "Es gibt keine Familie, die nicht 1994 betroffen wurde und es hat mehrere Besuche, einige Jahre und viel Vertrauen gebraucht, bis mir Einzelheiten erzählt wurden."

DW-WORLD.DE gibt einen Überblick über Akteure von Friedenmissionen sowie Probleme und Herausforderungen, die sich durch die "neuen" Kriege ergeben.

Julia Abb, Studiengang Online-Journalismus, Hochschule Darmstadt

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