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Wissen & Umwelt

Wo Forscher und Firmen zusammen finden

Auf der weltgrößten Industriemesse in Hannover tummelten sich Forscher zahlreicher Institute und Universitäten. Denn die industrienahe Forschung ist ein milliardenschwerer Markt. Im Mittelpunkt: Elektroautos und Roboter.

Organische Leuchtdioden (OLED) (Foto: TU-Dresden)

Organische Leuchtdioden (OLED) gelten als Licht der Zukunft.

Es gab unendlich viel zu entdecken in Messehalle 2 in Hannover. Klimafreundlichen Zement zum Beispiel, der weniger energieintensiv hergestellt wird oder ein spezielles Parkett, das die beim Darübergehen entstehende Bewegungsenergie nutzt und damit Strom erzeugt. Organische Leuchtdioden, sogenannte OLEDs, sind ebenfalls ein großes Thema. Sie sollen in drei Jahren die bisher verwendeten LEDs, also anorganische Leuchtdioden, ablösen und eine Menge Energie sparen helfen.

Eine Besonderheit der Messe des Jahres 2010: Elektromobilität. Batterien, Ladegeräte, neue Antriebe für Autos: An all diesen Dingen wird intensiv geforscht, zum Beispiel an über 30 Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft. Man könnte fast den Eindruck haben, Fraunhofer wird zum Automobilhersteller. Natürlich nicht, sagt Martin März vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Systeme. "Unser Ziel ist es, ein starker Forschungs- und Entwicklungspartner für die deutsche Automobilindustrie zu werden." Man sehe sich einem sehr starken Wettbewerb vor allem aus Fernost ausgesetzt. "Und wenn wir hier in Europa nicht aufpassen, dann werden wir überholt."

Roter Elektro-Sportwagen am Stand von Fraunhofer (Foto: DW/Böhme)

Ein Hingucker: E-Car am Stand von Fraunhofer

Damit dies nicht passiert, bündeln alle beteiligten Fraunhofer-Institute ihre Kräfte in einem Zusammenschluss "Elektromobilität". Gefördert wird das Ganze vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 44 Millionen Euro. Der Prototyp des E-Autos "Marke Fraunhofer" erregt zumindest in Hannover eine Menge Aufsehen.

Schneller Roboter erkennt Stolperfallen

Genau wie Lola. "Lola rennt" – so heißt ein erfolgreicher deutscher Kinofilm. Die Lola am Stand der Technischen Universität München rennt allerdings noch nicht, sie schreitet. Das aber schon sehr elegant und sie weicht dabei auch Hindernissen aus. Der humanoide Roboter ist der Star in Halle 2. Einer ihrer Väter ist Professor Heinz Ulbrich, Chef des Lehrstuhls für Angewandte Mechanik: "Was wir hier haben, ist ein hochkomplexes mechatronisches System vom Feinsten." Immerhin müssten 25 Stellsysteme aufeinander abgestimmt und geregelt und das in Echtzeit. Das sei eine Riesen-Herausforderung. Ihm und seinem Team geht es zwar um industrienahe Forschung, "aber das ist zu allererst ein Eye-Catcher".

In zwei bis drei Jahren soll Lola richtig schnell laufen – mit bis zu zehn Stundenkilometern.

Humanoider Roboter auf der Hannover Messe (Foto: DW/Böhme)

Das ist Lola. Lola läuft.

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Von der Natur lernen

Ein weiteres spannendes Forschungsfeld, das auf der Hannover Messe präsentiert wird, ist die Bionik. Wissenschaftler kopieren für Technisches die Natur. So entwickeln Forscher der Universität Kiel eine Klebefolie, die von den Füßen männlicher Blattkäfer inspiriert ist. Sie kommt ohne Klebstoff aus, und lässt im Experiment eine kleine Maschine an einer senkrechten Glaswand hinaufklettern. Ein riesiges Reservoir sieht Philipp Bußhardt vom Zoologischen Institut der Uni Kiel: "Es gibt sehr, sehr viele Ideen, weil die Natur natürlich Millionen von Jahren Zeit hatte, Sachen zu entwickeln, die möglichst energiesparend und ressourcenschonend sind."

Allerdings sei sehr viel Grundlagenforschung nötig. Er und seine Mitstreiter haben einen Industriepartner gefunden, der Klebebänder und Klettverschlüsse herstellt. "Die stellen uns Prototypen von den Klebefolien her, die nach dem Vorbild des Käfers entwickelt wurden und die wir dann testen, ob die mit ihrem biologischen Vorbild einigermaßen mithalten können – und ob sich daraus ein Produkt entwickeln könnte."

Auch an Deutschlands größtem Textilforschungszentrum, dem ITV Denkendorf, hat man sich den Käfer zum Vorbild genommen. Ein Schwärzkäfer nämlich gewinnt das für ihn lebenswichtige Wasser allein aus dem Nebel. Jetzt haben die Wissenschaftler textile Werkstoffe entwickelt, die aus Nebel Trinkwasser filtern können. Die Vision: Riesige Nebelkollektoren in Wüstengegenden aufstellen und die Dörfer dort mit Trinkwasser zu versorgen.

Autor: Henrik Böhme
Redaktion: Judith Hartl