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Politik

Wo die (Pleite-)Geier kreisen

In den USA geht der Pleitegeier um: United Airlines, die Stadt New York und jetzt die Golden Gate Brücke in San Francisco - allen geht das Geld aus, berichtet DWTV-Korrespondent Eckhard Tollkühn.

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Es geht ihr finanziell gar nicht gut, der altehrwürdigen Hängebrücke über das Goldene Tor. Im September sah sich der Betreiber gezwungen, den Brückenzoll von 3 auf 5 Dollar zu erhöhen. Trotz des heftigen Aufschlags rutschte das staatliche Unternehmen weiter in die roten Zahlen. Als nächstes wurden Pendlerbusrouten und die Fährverbindungen der Verkehrsbetriebe drastisch gekürzt.

Aber noch immer stehen sie mit Hunderten von Dollar in der Kreide. Schuld sind einmal die schlechte Wirtschaftslage und die kostspieligen Sicherheitsmaßnahmen, die nach dem 11. September 2001 eingeführt wurden, um die Brücke vor Terrorangriffen zu schützen.

Jetzt bittet man um milde Gaben. Im Frühjahr, wenn die Touristen wiederkommen, sollen am Fußweg der 65 Jahre alten Brücke Sammelbüchsen aufgestellt werden. Dollar, Yen und Euro sind willkommen. Nicht alle glauben allerdings, dass die Lösung im Mitleid der Öffentlichkeit zu suchen ist. Mr. Blue, ein Vorstandsmitglied der Verkehrsbetriebe: "Das ist wie Heftpflaster auf ein Krebsgeschwür drücken."

Mr. Blue will nicht betteln, sondern Gebühren verlangen, auch von Fußgängern und Radfahrern. Dieser Vorschlag brachte ihm den Zorn der in San Francisco äußerst starken Radfahrerlobby ein, mit dem Ergebnis, dass diese Lösung nicht mehr zur Debatte steht. Es sei ein Trauerspiel, dass es soweit gekommen ist, schimpft Mr. Blue: "Es geht hier schließlich nicht um irgendeine Brücke, sondern um die berühmteste Brücke der Welt."

Es stimmt, die knapp 16 Millionen Touristen, die jährlich San Francisco besuchen, betrachten die Golden Gate Bridge als eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Würde jeder Tourist 10 Dollar spenden, wäre man aus dem Schneider. Denn 160 Millionen Dollar braucht man, um die notwendigen Instandhaltungsarbeiten an den Trageseilen und ein Projekt zur Verstärkung der seismischen Sicherheit zu vollenden. Aber soweit wird die Liebe der Touristen zu dem roten Wahrzeichen wohl nicht gehen.

Die Probleme der Verkehrsbetriebe am Goldenen Tor sind kein Einzelfall. Überall in den Vereinigten Staaten stehen sie vor einer schweren Krise. Anders als in Deutschland werden sie nicht bezuschusst. Selbst als Einrichtungen der öffentlichen Hand müssen Verkehrsbetriebe in den USA schwarze Zahlen schreiben. Wenn das nicht der Fall ist, werden die Leistungen gekürzt und Angestellte entlassen, bis die Zahlen wieder stimmen.