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Deutschland

Wo Deutschland den Klimawandel schon spürt

Der Klimawandel macht sich in Deutschland bemerkbar. Auf heiß-trockene Frühjahre und Sommer folgen oft milde Winter. Landwirtschaft, Natur und Allergiker spüren schon heute die Folgen.

Eine Grünpflanze auf einem Acker (Foto: AP)

Pflanzen und Tiere sind durch den Klimawandel bedroht

Anstelle von Weizen und Roggen sieht man auf deutschen Feldern immer öfter Hirse und Sudangras. Diese sind an hohe Temperaturen und seltene Niederschläge angepasst, im Gegensatz zu den meisten heimischen Getreidearten. Auch wenige robuste heimische Getreidesorten wie Mais können dank der steigenden Temperaturen sogar in Höhenlagen angebaut werden.

Fluch und Segen für die Landwirtschaft

Das gilt nicht für andere heimische Getreide, wie Weizen und Roggen. Was genau macht diesen Sorten zu schaffen? Die Lichtmenge, welche das Wachstum der Pflanzen anregt, bleibt gleich. Da es jedoch immer wärmer wird und die Temperaturen zudem schwanken, wird die weitere Entwicklung stark gestört. "In der empfindlichen Keimphase im Frühsommer zerstört Hitze einen Großteil der Körnerfrüchte", erzählt Werner Buchner von der Landwirtschaftskammer des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen.

Eine durch Frost erfrorene Apfelblüte (Foto dpa)

Häufig zerstört Spätfrost im Mai Blütenknospen

Das Sorgenkind der Obstbauern ist der Apfel. Die Apfelblüte wird durch die höheren Temperaturen immer früher ausgelöst, da aber der Spätfrost häufiger schon im Mai einsetzt, zerstört dieser die Blüten - noch bevor sich die Knospen bilden. Milde Winter bereiten den Bauern auch Kopfzerbrechen, weil mehr Schädlinge, wie etwa Blattläuse, überleben.

Gefährdung der Artenvielfalt

Auch in der freien Natur sind Pflanzen und Tiere in ihren derzeitigen Lebensräumen gefährdet. "Feuchtgebiete trocknen aus und eine Vielzahl der dort lebenden Arten sind vom Aussterben bedroht", sagt Magnus Wessel vom Naturschutzbund Deutschland und nennt zum Beispiel die Sumpfdotterblume. Auch Küsten- und Gebirgsregionen, die viele Arten beheimaten, verändern sich. Pflanzen und Tiere können ihre Lebensräume wechseln, aber ihre Anpassung an neue Umgebungen ist langwieriger, als das Tempo des Klimawandels es zulässt.

Die wenigen Gewinner des Klimawandels in der Tier- und Pflanzenwelt sind an Wetterextreme angepasste Arten. Die Walnuss, die von den Römern nach Deutschland gebracht wurde, breitet sich weiter aus. Fremdländische Pflanzen wie die Herkulesstaude konnten sich in den vergangenen Jahren über den Gartenzaun hinaus rasch in der Natur ausbreiten. Wie viele fremde Arten verdrängt sie seltene einheimische Pflanzen. Tiere aus dem Mittelmeerraum, etwa die Feuerlibelle und die Gottesanbeterin fühlen sich heute in Deutschland wohl.

Starker Pollenflug belastet Allergiker

Eine Frau putzt sich die Nase (Foto: Bilderbox)

Durch den Klimawandel fliegen mehr Pollen und belasten Allergiker

Die Veränderungen des Klimas und der Natur spüren die Deutschen auch am eigenen Körper. Besonders belastet sind herz- und kreislaufschwache Personen, außerdem leiden immer mehr Menschen an Pollenallergien. Die Konzentration verschiedener Pollen ist höher. Außerdem startet der Pollenflug zum Teil früher und dauert länger, Allergiker sind stärker belastet. Je höher die Konzentration an Pollen ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit allergisch auf diese zu reagieren. Zu diesem Ergebnis kommt das Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes.

Klimaszenarien und Wahrnehmung des Wandels

Klimaforscher errechnen unterschiedliche Klimaszenarien. Ihre Modelle zeigen, wie verschiedene CO2-Ausstoßraten zu unterschiedlichen Temperaturentwicklungen führen könnten. Bis zum Jahr 2100 werden, den Modellen zufolge, die Durchschnittstemperaturen zwischen einem und drei Grad Celsius gestiegen sein. In einem kürzeren Zeitrahmen sind die Veränderungen entsprechend geringer. Sie werden aktuell auch zu positiv wahrgenommen. "Deutschland steht im Moment für viele auf der Gewinnerseite des Klimawandels, weil einzelne Bereiche stark von diesem profitieren", sagt Professor Manfred Stock vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und nennt hier den Weinanbau als Beispiel. Die Bereiche Landwirtschaft, Naturschutz und Gesundheit zeigen jedoch, wie deutlich auch negative Auswirkungen derzeit schon sind.

Autorin: Lena Retterath

Redaktion: Pia Gram

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