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Nigeria

Wo bleibt der Aufschrei für die Opfer in Nigeria?

Frankreich, Syrien, Somalia, Nigeria: Angriffe von Extremisten terrorisieren die Menschen in vielen Ländern der Welt. Doch messen wir deren Opfer und die Konsequenzen mit dem gleichen Maß?

Nur wenige Wochen vor den jüngsten Angriffen der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram reiste der deutsche CDU-Abgeordnete Frank Heinrich durch Nigeria. Dort sprach er mit Christen, mit Muslimen, traf sich mit Politikern sowie mit Angehörigen der entführten Mädchen von Chibok. Sein Besuch im Land habe ihn nachhaltig geprägt, sagt Heinrich. "Ich dachte, ich hätte viel gesehen, viel gehört. Aber es hat mich sehr schockiert zu sehen, wie das Thema Terror [in Deutschland] zwar aus dem Irak bekannt ist, aus Nigeria aber nur bedingt."

Heinrich ist Mitglied im Ausschuss für humanitäre Hilfe und Menschenrechte des deutschen Bundestags. Ebenso gehört er der Deutschen Afrika Stiftung an. In Nigeria habe er Dörfer gesehen, die nach Anschlägen verwaist sind. Und obwohl die Massaker in der Stadt Baga (03.01.2015) vor zwei Wochen die schwersten seit Monaten gewesen sein sollen, kommen solche Anschläge in den deutschen Nachrichten kaum vor. Das Massaker in Baga "ist hinter den Anschlägen in Paris verloren gegangen", erklärt Heinrich. Afrika interessiere hier einfach nicht genug, bedauert Heinrich.

Messen mit zweierlei Maß?

Der Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo in Paris (07.01.2015) hat zu einer Flut von Solidaritätsbekundungen aus der ganzen Welt geführt. Es folgten Protestmärsche, die Millionen von Menschen auf die Straße trieben; öffentliche Schweigeminuten.

Trauermarsch in Paris 11.1.2015
Foto: REUTERS/Charles Platiau

Über eine Million Menschen demonstrierten in Paris nach der Attacke auf das Satiremagazin Charlie Hebdo

Keine zwei Tage später starben Schätzungen zufolge bis zu 2000 Menschen bei einem Angriff der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. Doch der große internationale Aufschrei blieb aus.

"Heimtückische, skrupellose Attacken"

Zwar verurteilte der UN-Menschenrechtskommissar Prinz Said Raad al-Hussein die jüngsten Angriffe. Es handle sich um "heimtückische, skrupellose Attacken gegen Zivilisten" im Widerspruch zu internationalem Recht. Und der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, schloss in seiner Gedenk-Rede für die Opfer der Anschläge auf Charlie Hebdo auch Worte für die Angehörigen des Terrors in Nigeria ein.

Eine Unterstützerin der BringBackOurGirls-Kampagne spricht mit einem Mädchen, das entkommen konnte (Foto: PIUS UTOMI EKPEI/AFP/Getty Images)

Eine Unterstützerin der BringBackOurGirls-Kampagne spricht mit einem Mädchen, das entkommen konnte

"Gemeinsam müssen wir dafür kämpfen, dass wir uns niemals vom Hass der Terroristen anstecken lassen", sagte Schulz. Die Freiheit aller, in Europa und auf der ganzen Welt, müsse verteidigt werden. "Deshalb gedenken wir heute auch der zahlreichen Opfer der Fanatiker von Boko Haram in Nigeria." In den letzten Jahren hätte man beobachten können, dass der Terror mit dem Zerfall Somalias begonnen habe, mit Angriffen in Kenia und sich weiter nach Westafrika verlagert habe in Richtung Nigeria, so Schulz. Terror sei ein weltweites Phänomen und zunehmend auch ein afrikanisches Problem.

Der Westen habe einen verstellten Blick, meint Bundestagsabgeordneter Frank Heinrich. "Wir schielen. Wir sind als Öffentlichkeit, oft auch als Politiker schizophren, indem wir das eine hoch achten - die 20 Menschenleben aus Paris. Und auf der anderen Seite die gleiche Wertigkeit nicht den 2000 Menschen aus Nigeria beimessen." Mensch sei offensichtlich nicht Mensch gleich Mensch. "Das kriege ich gar nicht in Worte gefasst, wie mich das aufregt."

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