1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fußball

WM-Ticketverkauf über den Ladentisch

Südafrikas Fußballfans werden ab diesem Donnerstag (15.04.2010) in der letzten Verkaufsphase 500.000 WM-Eintrittskarten angeboten. Nur das Finale ist schon ausverkauft.

Mann, der mit einem Klettergurt vom Dach des WM-Stadions von Durban abgeseilt wurde, hält eine südafrikanische Flagge. Foto: AP

Stadien sollen voll werden

Muster eines WM-Tickets von der FIFA zur Veröffentlichung freigegeben

Muster eines WM-Tickets

Elf WM-Ticketcenter und 18 Filialen einer großen Einkaufskette in den neun Spielorten, dazu landesweit 600 Zweigstellen einer großen Bank und eine landesweite Telefon-Hotline: Die FIFA startet mit dem Last-Minute-Verkauf der Eintrittskarten eine Offensive, auf die die Südafrikaner seit über einem Jahr gewartet haben. 2,2 von insgesamt drei Millionen Karten sind verkauft. Jetzt kommen noch einmal über 500.000 Karten für 63 WM-Spiele auf den Markt, nur das Finale ist bereits ausverkauft.

Es reichen der Personalausweis sowie die Bezahlung der Karten in bar oder mit einer Kreditkarte, dann kann man die gelben Tickets gleich mitnehmen. Einziger Haken: Wer in einer der Banken bezahlt, bekommt nur die Quittung und muss die Karten dann im Ticketcenter oder einer der Filialen der Einkaufskette abholen. Und wer nicht in einem WM-Spielort wohnt, muss längere Anfahrten in Kauf nehmen, um seine Karten abzuholen.

FIFA gibt nach

OK-Chef Jordaan mit WM-Maskottchen Zakumi. Foto: DW/Arnulf Boettcher

OK-Chef Jordaan mit WM-Maskottchen Zakumi

Die Kritik der südafrikanischen WM-Gastgeber hatte den Weltfußballverband FIFA einlenken lassen. Noch zum Vorverkaufsstart vor einem Jahr hatte der Chef des WM-Organisationskomitees, Danny Jordaan, betont, dass sich seine Landsleute an den Kauf der Eintrittskarten über das Internet und in den Zweigstellen einer großen südafrikanischen Bank gewöhnen würden. Die FIFA schloss damals kategorisch aus, dass Tickets über den Ladentisch verkauft würden. Mittlerweile jedoch haben Sponsoren und nationale Fußballverbände aus aller Welt Tickets zurückgegeben. Das Interesse, die WM live in Südafrika zu erleben, ist hinter den Erwartungen der FIFA zurückgeblieben. Spiele wie Paraguay gegen Neuseeland und Algerien gegen Slowenien in Polokwane oder Honduras gegen Chile in Nelspruit in halbleeren Stadien, das kann nicht im Interesse der WM-Organisatoren sein, die die afrikanische Fußballbegeisterung seit Jahren als Motor für eine erfolgreiche WM hervorheben.

Karten wie gewohnt kaufen

Auch Ace Khuse, ehemaliger Fußballprofi und jetzt als Co-Trainer beim südafrikanischen Topverein Kaizer Chiefs aus Soweto unter Vertrag, kritisiert den bisherigen Vorverkauf. Im Internet buchen und mit einer Kreditkarte zahlen, das kennen die meisten Südafrikaner nicht: "Bei uns ist das Internet kaum verbreitet, wir haben die Computer dafür nicht. Jetzt kriegen wir die Gelegenheit, Karten so zu kaufen, wie wir es gewohnt sind. Das ist für uns Südafrikaner eine große Sache", glaubt Khuse an einen Run auf die Tickets.

Carl Bauerrichter, deutscher Torhüter der zweiten Mannschaft von Ajax Cape Town Copyright: DW/Ulrich Reimann

Carl Bauerrichter hat schon WM-Karten

Carl Bauerrichter hat mit seinen Mannschaftskameraden ähnliche Diskussionen gehabt. Der Deutsche, der in Südafrika geboren ist und in Kapstadt die deutsche Schule besucht hat, spielt als Torhüter in der zweiten Mannschaft von Ajax Cape Town. Der 21jährige hat sich seit Monaten die Beschwerden der Vereinskollegen anhören müssen: "Wir haben noch keine Tickets, weil es unmöglich ist, ohne Kreditkarte oder ohne Computer Karten zu kaufen. Hoffentlich werden wir auch Karten in einer Vorverkaufsstelle kaufen können." Carl Bauerrichter hat zwar mit seinem Vater im Internet einige WM-Tickets gekauft, gibt aber zu: "Das war schon für uns ziemlich schwer und eine lange Prozedur. Ich hoffe, dass wir jetzt mit dem viel einfacheren Verfahren alle Stadien voll kriegen."

Gesponserte Karten

Ace Khuse, Co-Trainer des Proficlubs Kaizer Chiefs aus Soweto Copyright: DW/Ulrich Reimann

Ace Khuse will Topteams sehen

Wenn OK-Chef Danny Jordaan in Johannesburg symbolisch die ersten Eintrittskarten verkaufen wird, können sich die Südafrikaner auf Karten der Kategorie 4 freuen. Von Sponsoren bezahlt, gibt die FIFA 120.000 Tickets zum Preis von umgerechnet 14 Euro nur an die Fans ab, die einen Wohnsitz in Südafrika nachweisen können. Ein Geschenk an die Fußballanhänger, die sich bei einem monatlichen Durchschnittsverdienst von 200 Euro die regulären teuren WM-Karten gar nicht leisten können.

Die FIFA hofft auf lange Schlangen an den Vorverkaufsstellen, von Weißen, deren favorisierte Sportart eigentlich mit Abstand Rugby ist, und schwarzen Fans, die Fußball über alles lieben und oft wie eine Religion leben. Ace Khuse wird auf jeden Fall beim Start des Vorverkaufs dabei sein. "Ich werde mich auch im Ticket-Center anstellen. Ich will Deutschland, Brasilien und Spanien sehen und sechs Karten für mich und meine Familie kaufen". Khuse hofft, die Wunschtickets bald in seiner Hand halten zu können.

Autor: Ulrich Reimann
Redaktion: Stefan Nestler

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema