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Sport

WM-Fieber in Syrien

Trotz der hohen Temperaturen und der angespannten politischen Lage im Nahen Osten ist in Syrien das WM-Fieber ausgebrochen. Es ist überall zu spüren - selbst die Schaufenster sind international beflaggt.

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Brasiliens Stürmer-Star Ronaldo begeistert auch die Fans in Nahost

17 Uhr nachmittags syrischer Zeit am Dienstag den 20. Juni 2006: Noch vor wenigen Minuten wimmelte die Innenstadt von Latakia an der syrischen Küste von Menschen. Doch schlagartig herrscht Stille in den Straßen, die Menschen versammeln sich in den Cafés, Restaurants und Häusern. Kaum hat der Schiedsrichter das Spiel Deutschland – Ecuador angepfiffen, schon flattern Deutschlandflaggen im Al Rauda-Café auf dem Scheich-Dhaher-Platz.

"Die Menschen hier sehnen sich nach erfreulichen Ereignissen und Nachrichten, statt immer neuer Schreckensmeldungen von Tod und Zerstörung aus dem Irak und Palästina", erzählt Mohammad, während er an seiner Wasserpfeife zieht, ohne seine Augen vom Bildschirm abzuwenden. Weshalb er das deutsche Team anfeuert, erklärte Fahd folgendermaßen: "Für die Deutschen bin ich von Natur aus. Das gilt für meine ganze Familie. Ich liebe die Deutschen für ihre Gründlichkeit." Sein Freund Said hingegen erinnert an die Haltung des Altbundeskanzlers Gerhard Schröder angesichts des Irakkriegs: "Diese Haltung machte die Deutschen noch beliebter in der arabischen Welt, zudem hat Deutschland keine Kolonialvergangenheit in der Region, wie etwa Großbritannien oder Frankreich." Seine Freundin Hoda führt an, dass die deutsche Politik Syrien gegenüber, die gemäßigter ist als die der USA, Großbritanniens und Frankreichs , "Deutschland in diesen Tagen noch beliebter macht."

Durchmachen bis morgen früh

Wenige Minuten nach Spielbeginn landet das deutsche Team den ersten Treffer. Einige Fans springen vor Freude in die Luft, während die Anfeuerungsschreie überall im Café noch lauter werden. Ein Bild, das sich über die Dauer des gesamten Spiels wiederholt. Spielende. Ergebnis 3:0 für Deutschland gegen Ecuador. Die Straßen füllen sich wieder. Autos hupen. Fußballfans jubeln und singen. Deutschlandflaggen flattern in der Luft. Einige Ladenbesitzer bieten Getränke zu niedrigen Preisen an. Unter anderem auch Fadi, dessen Angebot wohl nur für Deutschlandsfans gilt: "Kunden, die für die deutsche Mannschaft sind, bekommen bei mir Rabatt auf die Getränke. Für alle anderen gilt der normale Preis." Sein Nachbar Samer lud sogar seine Freunde im Café Siwar am Strand zur Feier des Tages zum Essen ein. "Wir werden jetzt zu Abend essen und dann durchmachen bis morgen früh", sagt er, und seine Augen funkeln vor Glück.

Kein Geld – keine WM!

Fadi und Samer gehören zu denen, die das Glück haben, die WM von Zuhause aus am Bildschirm zu verfolgen, da sie die "Smart Card" für 150 Dollar gekauft haben. Viele andere haben dieses Glück jedoch nicht, weil sie nicht über diese Summe verfügen. Dazu zählen beispielsweise die Studenten auf dem Campus der Tischrin-Universität. "Wir sind darauf angewiesen, rauszugehen und vor den Cafés zu stehen, um die Spiele zu sehen, wobei wir nicht immer das Glück haben, etwas zu sehen zu bekommen", sagt Jurastudent Sameer. Ähnlich geht es dem Beamten Abu Sami: "Ich bin ein einfacher Beamter. Der Preis der Karte entspricht einem ganzen Monatsgehalt. Mir bleibt nichts anderes übrig, als ein Lokal zu suchen, in dem ich die Spiele verfolgen kann, die ich auf keinen Fall versäumen möchte, wie etwa das heutige Spiel Deutschland – Ecuador." Manch anderer fragt die Ergebnisse der Spiele per Mobiltelefon ab, wie etwa Ahmad, der auf dem Land lebt und keine Möglichkeit hat, die Spiele live zu verfolgen.

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