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Afrika

WM 2010 - Stadiondächer Made in Germany

Ob es um das Tennismekka Wimbledon, das Berliner Olympiastadion oder um die neuen Fußball-WM-Stadien in Johannesburg oder Kapstadt geht: Die Firma Hightex aus Bayern ist weltweit führend beim Bau von Stadiondächern.

Soccer City Johannesburg: Zwei Drittel des Dachs sind fertig Foto: U. Reimann

Soccer City Johannesburg: Zwei Drittel des Dachs sind fertig

Streikende Bauarbeiter und stürmische Winde haben beim Ausbau des größten WM-Stadions in Johannesburg den Organisatoren für die Fußball-Weltmeisterschaft immer mal wieder die Sorgenfalten auf die Stirn getrieben, doch mittlerweile ist "Soccer City" im Zeitplan. Im Herbst soll das größte WM-Stadion mit einem Fassungsvermögen von 94.000 Zuschauern offiziell der FIFA übergeben werden. Auch Michael Wolf und Jörg Schwerdtfeger aus Bayern werden dann ihren Job getan haben. Sie überdachen das Johannesburger Stadion.

Die Firma Hightex mit Sitz im bayrischen Rimsting am Chiemsee ist seit über 20 Jahren weltweit eine der führenden Adressen, wenn es darum geht, Stadiondächer zu bauen. Von der Ingenieurleistung über die Fertigung, Produktion und Steuerung eines Dachprojektes kontrolliert Hightex sämtliche Abläufe. Und dieses Konzept hat sich in der Branche herumgesprochen: Ob das WM-Stadion 2002 im südkoreanischen Pusan, das Berliner Olympiastadion oder der neue Regenschirm über dem Tennis-Mekka in Wimbledon: Die Dächer dieser Sportarenen sind allesamt in Bayern konzipiert worden.

Von Krefeld nach Thailand

Beim Zuschnitt der Dachfelder vor Soccer City Foto: U. Reimann

Beim Zuschnitt der Dachfelder vor Soccer City

Das Material wird in Deutschland von einem namhaften Gewebehersteller produziert. Die Firma Verseidag aus Krefeld liefert das hochwertige Glasfasergewebe nach Thailand, dort werden die Membranen in einer großen Schneiderei zu einem Stück Dachfläche verarbeitet. Ein Feld hat eine Größe von ca. 400 bis 500 Quadratmeter. In Thailand werden die Dachfelder zusammengesetzt, thermisch verschweißt und anschließend gefaltet, gepackt und mit Containern nach Südafrika geschickt. Sechzig dieser Dachfelder werden auf einer Gesamtfläche von 30.000 Quadratmeter mit so genannten Überdeckstreifen zu einem Dach verschlossen, die Teflonbeschichtung der Glasfasermembranen sorgt dafür, dass das Stadiondach absolut wasserdicht ist.

Jörg Schwerdtfeger ist seit September 2008 in Johannesburg. Der gelernte Betriebsschlosser hat schon in der Formel Eins für Brabham gearbeitet, mit seiner Frau und den beiden Söhnen in Dubai gelebt und dort die spektakuläre, 15.000 Quadratmeter große lichtdurchlässige Fassade des 7-Sterne-Hotels Burj Al Arab gebaut. Schwerdtfeger ist ein Weltenbummler in Sachen Dachbau, der sich trotz aller Vorbehalte in Südafrika wohl fühlt: "Ich habe noch nichts gemerkt von gefährlichen Situationen. Hier in Südafrika hat man sich anfangs schon Gedanken gemacht, aber eigentlich ist es sicher in Johannesburg", sagt Schwerdtfeger.

Hightech boomt trotz Krise

Montierte Dachfelder und die Außenfassade von Soccer City Foto: U. Reimann

Montierte Dachfelder und die Außenfassade von Soccer City

350 Millionen Euro kostet im internationalen Durchschnitt ein neues Stadion, davon entfallen in Johannesburg inklusive des Stahlbaus rund 80 Millionen Euro auf das Stadiondach. Eine - auch in der Wirtschaftskrise – stabile Hightech-Industrie, die weiter boomt. Und deshalb geht es für Jörg Schwerdtfeger nach Fertigstellung des Dachs in Johannesburg gleich weiter nach Kapstadt. Dort baut Hightex die Fassade des neuen Stadions. Die ist aus dem gleichen Material wie das Dach in Johannesburg, nur silbern eingefärbt.

Auf den Ortswechsel an den Atlantischen Ozean freut sich Jörg Schwerdtfeger schon - auch wenn er einschränkt: "Wir werden es da unten nicht so einfach haben. In Kapstadt ist es oft stürmisch, und wir montieren im afrikanischen Winter. Das wird die Sache schon schwieriger machen", sorgt sich der Projektleiter um den Baufortschritt. Doch Schwerdtfeger ist fest davon überzeugt, dass die Fertigstellung der WM-Stadien nicht für Probleme sorgen wird.

Das eigene Werk im TV

Michael Wolf, Projektleiter Hightex Foto: U. Reimann

Michael Wolf, Projektleiter Hightex

Ganz im Gegenteil: Am 11. Juni 2010, dem Tag des Eröffnungsspiels im Johannesburger Soccer City Stadion, wird Jörg Schwerdtfeger auf der nächsten Baustelle in Thailand arbeiten und das Ergebnis seiner Arbeit aus der Ferne begutachten: "Wir sind schon stolz auf unsere Arbeit. Wenn wir dann in einem anderen Land auf dem nächsten Stadiondach sind, schauen wir uns das im Fernsehen an. Wir rufen sogar unsere Familien zuhause an und sagen ‚eh, das haben wir gebaut‘. Wir setzen eben immer die Krone aufs Stadion".

Autor: Ulrich Reimann, Johannesburg

Redaktion: Rolf Wenkel

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