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Fokus Osteuropa

Wladimir Putin droht: "Europa im Visier"

Der russische Präsident Wladimir Putin hat den Ton im Streit um das geplante US-Raketenabwehrsystem in Osteuropa nochmals verschärft. Er droht mit "Vergeltung", sollten die USA an ihrem Rüstungsvorhaben festhalten.

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Wladimir Putin sieht strategisches Gleichgewicht gestört

Russische Raketen könnten "auf neue Ziele in Europa" gerichtet werden, deutete Wladimir Putin in einem Interview mit ausländischen Journalisten am 4. Juni an. Das geplante System wäre ein integraler Bestandteil des US-Atomwaffenarsenals in Europa, so der russische Präsident. Das strategische Gleichgewicht würde dadurch gestört und Russland, so Putin, müsste auf die Bedrohung reagieren.

Er hoffe jedoch, dass die US-Regierung ihre Pläne noch ändere. "Wenn das nicht geschieht, weisen wir die Verantwortung für unsere Vergeltungsschritte zurück, denn wir sind nicht die Initiatoren des neuen Wettrüstens, das ohne Zweifel in Europa brodelt", machte Putin deutlich. Weder der Iran noch Nordkorea verfügten über die Raketen, vor denen das System angeblich schützen solle, erklärte Putin den Medienvertretern.

Teheran: Keine Bedrohung durch iranische Raketen

Der Iran ließ unterdessen wissen, die amerikanische Behauptung, man müsse Europa vor iranischen Raketen schützen, sei "der Witz des Jahres". "Die iranischen Raketen können auf Grund ihrer Reichweite gar nicht bis nach Europa fliegen", sagte der oberste Sicherheitsbeauftragte der Teheraner Regierung, Ali Laridschani, der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA. Westliche Beobachter gehen allerdings davon aus, dass der Iran an einer Schahab-4-Rakete mit einer Reichweite von 2000 bis 3000 Kilometern arbeitet. Teheran hat entsprechende Berichte aber nie bestätigt. Europa sei der wichtigste Handelspartner des Irans, betonte Laridschani. Es sei daher unlogisch, von einer Bedrohung durch iranische Raketen auszugehen.

NATO kritisiert Putins Äußerungen

Der britische Premierminister Tony Blair nannte Putins jüngste Äußerungen beunruhigend. Ganz Europa sei besorgt über Russlands Verhalten und werde diese Sorge auch zum Ausdruck bringen, erklärte Blairs Sprecher. Großbritannien strebe eine "konstruktive Beziehung" zu Russland an, deren Funktionieren aber ebenso von Moskau abhänge wie von London. Die NATO hat die Worte Putins über ein neues Wettrüsten in Europa als "nicht hilfreich und nicht erwünscht" bezeichnet. "Meines Wissens ist Russland das einzige Land, das darüber spekuliert, Raketen auf Europa zu richten", sagte der Sprecher des Militärbündnisses, James Appathurai, in Brüssel.

DW-WORLD.DE, 4.6.2007, Fokus Ost-Südost