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Kultur

Witz und weg

Sie kommen von überall. Sie rufen "Gooood Moorning Vietnaaam" - und verschwinden im Nichts. Zurück bleiben verdutzte Passanten. Ein neuer Trend ist geboren: Flash Mob – denn sie wissen nicht, was es soll.

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Flash Mobs:
Der kleine Wahnsinn zwischendurch

Angefangen hat es wohl in den USA. Da laufen einfach mal Menschen in den New Yorker Central Park, stellen sich auf die Steine, zwitschern wie die Vögel - und sind nach ein paar Minuten wieder ausgeflogen. Verwirrte Parkbesucher fragen sich: Was war das?!

Alles nur Spaß

Das war ein Flash Mob. Wörtlich übersetzbar mit "Blitz-Pöbel" - "Leute, die sich nicht kennen, verabreden sich, machen etwas Ungewöhnliches und nach zehn Minuten sind sie wieder weg", so beschreibt Professor Peter Wippermann, Gründer des Hamburger Trendbüros, das Phänomen. "Den ersten Flash Mob gab es als Happening vor zwei Monaten", sagt er. Und der Trend habe sich in verschiedene Richtungen entwickelt: "Erst war es eine Form von Kunst, dann eine Form von Spaß."

Zwischendurch seien Flash Mobs auch politisch gewesen, erklärt Wippermann: “Das gab es schon während des Irak-Kriegs, als Schüler sich per SMS zu Demos verabredet haben”. Doch Politik und Wirtschaft sind den Flash-Mobbern eigentlich egal, darauf legen sie in ihren Internet-Foren auch Wert. Wippermann sieht "einen Sprung in Richtung Sommer-Friede-Freude-Eierkuchen-Aktion" - sprich: Der einzige Sinn ist der Unsinn.

Verabredung online und geheim

Ob sie sich - alles schon passiert! - als nächstes in Hamburg kollektiv umarmen oder einen Dortmunder Elektronikladen bevölkern, um Bananen zu essen - das geben die Flash-Mobber vorher in wenigen Internet-Foren, per E-Mail oder SMS bekannt. Irgendwer regt eine Aktion an, Details gibt’s oft erst kurz, bevor es losgeht. Denn eigentlich sollen nur ein paar Eingeweihte Wind davon bekommen. Die Medien schon mal gar nicht. "Es entsteht eine Art Katz-und-Maus-Spiel", erklärt der Trendexperte. "Man kann eben nicht lange Underground-Sachen machen in einer Mediengesellschaft."

Für Wippermann sind die Aktionen zwar harmlos, "auch wenn die Polizei in den USA und Großbritannien sagt, wir beobachten das. Es wird gerade wegen Terrorismus sensibler gesehen." Doch der Trendforscher findet die Zack-und-weg-Aktionen durchaus bemerkenswert. "Die Informationsstrukturen haben sich verändert. Mit den Medien wie Handy und Internet kann der Einzelne große Mengen mobilisieren - dafür brauchte man früher eine Partei, ein Organisationskomitee oder einen Studentenausschuss." Heute dagegen gibt’s nur eine Voraussetzung, "egal ob New York oder Wanne-Eickel": Mobil muss man sein und online. "Man muss angeschlossen sein, sonst ist man ausgeschlossen”, sagt Wippermann.

Ohne Schuh in Sao Paulo

Keiner weiß, warum; keiner weiß, was es soll - und alle machen mit. In London drängelten sich 300 Menschen in ein Möbelgeschäft, riefen "Wow, was für ein Sofa!" und waren schon wieder weg. Und im brasilianischen Sao Paulo überquerten etwa 100 Teilnehmer die Avenida Paulista im Stadtzentrum, zogen einen Schuh aus und klopften damit auf den Zebrastreifen. "Flash Mob ist eine Erfolgsgeschichte", sagt Wippermann. Nicht nur für abgedrehte Jung-Verrückte, sondern für alle. "Auch für ältere Menschen, die ihren Humor behalten haben." Der Professor für Kommunikationsdesign rechnet aber vorerst nicht damit, dass Firmen die Blitz-Blödeleien kommerziell ausbeuten.

Allerdings, wenn die Deutschen fürs Trend-Erfinden zuständig wären - dann hätte es Flash-Mobbing wohl nie gegeben, glaubt Wippermann. "Bei uns wird Sinnlosigkeit nämlich immer abfällig gesehen. In Deutschland geht sowas nur, wenn es aus Amerika kommt."

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