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Wissen & Umwelt

Wissenschaftler vs. Trump: "Die Sorgen sind berechtigt"

Viele US-Wissenschaftler fürchten, dass ihre Arbeit unter Präsident Trump komplizierter werden könnte - auch in der internationalen Zusammenarbeit. Deutsche Forscher scheinen das ähnlich zu sehen.

Wissenschaftler in den USA haben es schwer unter US-Präsident Donald Trump. Dass es Probleme geben könnte, hatte sich schon vor seinem Amtsantritt abgezeichnet. Seitdem ist es nicht einfacher geworden. Nur wenige Stunden nach seinem Amtsantritt im Januar verschwanden von der Website des Weißen Hauses Info-Seiten zum Klimawandel. Und keine Woche später sorgten erste Anweisungen für Behörden und Wissenschaftsinstitutionen für noch mehr Unruhe.

Das bereitet zahlreichen Wissenschaftlern Sorgen - nicht nur in den USA. Auch deutsche Forscher machen sich Gedanken über ihre Zukunft und die Zusammenarbeit im Wissenschaftsbereich. Einige haben schon jetzt klare Vorstellungen, wie sie Trump künftig begegnen wollen. Die DW hat sich genauer umgehört.

Deutschland Prof. Georg Teutsch (UFZ/André Künzelmann)

Georg Teutsch will mehr Wissenschaftler aus den USA rekrutieren.

Auswirkungen auf internationale Forschung

Die Sorgen der Wissenschaftler in den USA sind berechtigt, findet Georg Teutsch. Der Geohydrologe und wissenschaftliche Geschäftsführer des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung sieht eindeutige Signale: "Angefangen von der Ernennung eines neuen Chefs für die Umweltbehörde EPA, der nicht gerade ein Freund dieser Institution ist." Gemeint ist der Anwalt Scott Pruitt, ein in Klimawandel-Leugner, der die EPA zuvor jahrelang mit Klagen überzogen hatte.

Die Situation könne sich auch auf Kooperationsprojekte und die Arbeit der Wissenschaftler erheblich auswirken. Zum einen könnte es weniger Förderung für Projekte geben, in denen es um den Klimawandel geht. Zum anderen stehe die Frage im Raum, wie mit den Ergebnissen solcher Studien künftig umgegangen wird. Aus Sorge vor Daten-Raub hatten Klimaforscher in den USA bereits im Dezember damit begonnen, wissenschaftliche Daten auf externen Servern zu sichern, auf die staatliche Behörden keinen Zugriff haben. 

DLR NASA Kooperation (NASA)

Soll bestehen bleiben: Das Abkommen zur bilateralen Kooperation zwischen ESA und NASA. Links unterschreibt Johann-Dietrich Wörner.

Offener Datenaustausch als Richtlinie

ESA-Generaldirektor Jan Wörner sieht in seinem Bereich bisher noch keine Anzeichen, dass sich an der Kooperation zwischen der Europäische Weltraumorganisation und der NASA etwas ändern könnte. "Wir sind mit der NASA weiterhin eng im Kontakt", sagt er. Mit dem Übergangsteam, das seit der Wahl und bis zur Amtseinführung dort eingesetzt war, habe er bereits persönlichen Kontakt gehabt. Diese Menschen sind jetzt zum Teil noch immer in der NASA. Er hofft, dass die stabile Situation erhalten bleiben kann: "Die ESA hat eine klare Politik: Eine 'free and open data policy'." Dass auch die NASA Angst vor Restriktionen hat zeigt, dass auch sie sich, wie andere staatliche Wissenschafts- und Umweltorganisationen alternative Twitter-Accounts bespielen.

Thomas Reiter 2011 (dapd)

Thomas Reiter will offen kommunizieren, auch über Weltraumforschung.

Die Rolle als Vermittler behalten

"Selbst in den Hoch-Zeiten des Kalten Krieges hat auf wissenschaftlicher Ebene ein reger Austausch zwischen den beiden Blöcken stattgefunden", sagt Thomas Reiter, Direktor für bemannte und robotische Raumfahrt der ESA.

Und nicht nur zwischen Ost und West, auch mit China habe in schwierigen Zeiten immer ein Austausch stattgefunden - nicht nur von wissenschaftlichen Daten. Das Offenhalten von Kommunikationskanälen zwischen verschiedenen Ländern leiste einen Beitrag zur Völkerverständigung. "Allein vor dem Hintergrund wäre es natürlich absolut fatal, wenn es heute tatsächlich zu Einschränkungen von amerikanischer Seite aus käme", betont Reiter.

Deutsche Forscher sieht er auch als Vermittler zwischen West und Ost. "Wir haben in der Vergangenheit in Raumfahrtmissionen wie dem ISS-Programm und Exomars oft diese Rolle gespielt. Und ich glaube, das können und möchten wir auch weiter wahrnehmen", sagt er.

Proteste für die Wissenschaftsfreiheit

Dass sie so schnell in den Fokus der neuen US-Regierung geraten sind, hat die Wissenschaftler überrascht. Doch die Reaktion darauf erfolgte recht schnell: Über Twitter rufen sie zu Solidarität und Widerstand auf und am 22. April, am Tag der Erde soll es in Washington und mehreren US- und europäischen Städten einen"March For Science" geben. 

Anlass war unter anderem eine Ankündigung, dass Mitarbeter der mächtigen, bislang strengen Umweltschutzbehörde EPA in Zukunft nur nach Rücksprache mit der Regierung öffentliche Stellungnahmen und Pressemitteilungen abgeben dürfen. Im Gespräch war auch die Verbannung der Klimawandel-Seiten von der EPA-Homepage. Darauf werden seit Ende Januar keine neuen Inhalte mehr gestellt.

Bildungsministerin Johanna Wanka forderte Mitte Februar in Berlin, dass "deutsche Interessen auf jeden Fall gewahrt bleiben" müssten bei der Forschungskooperation mit den USA. Es sei wichtig festzulegen, wer Zugriff auf Rohdaten bei Forschungsprojekten habe, erklärte sie.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), eine der weltweit größten Förderorganisationen für Studierende und Wissenschaftler, verlangt ebenfalls ein weltoffenes Klima in den USA. DAAD-Präsidentin Margret Wintermantel sagte, sie sei darüber "erschrocken, denn man hätte viele seiner (Trumps) Äußerungen gerade aus den USA nicht für möglich gehalten." Trotzdem bleibe es dabei, dass die amerikanischen Spitzenuniversitäten weiterhin hoch attraktiv für deutsche Nachwuchswissenschaftler und Studierende seien.

Georg Teutsch vom Helmholtz Zentrum sagte der DW: "Ich mache keinen Hehl daraus: Die Rekrutierung besonders talentierter amerikanischer oder auch europäischer Wissenschaftler in den USA ist durchaus etwas, was wir uns im Augenblick sehr viel näher anschauen und auch aktiv angehen werden." Wissenschaftler mit europäischen Wurzeln würden ernsthaft überlegen, nach Europa zurückzukehren. Gerade im Umweltbereich seien die Leute sehr besorgt.

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