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Kultur

Wissenschaft in Wartestellung

Wenn der Bundestag am Mittwoch (30.01.2002) über den Import humaner embryonaler Stammzellen (ES) entscheidet, steht die Wissenschaft bereits in den Startlöchern.

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Universität Bonn, Neuropathologisches Institut
Der Neurowissenschaftler Oliver Brüstle hatte im Sommer 2000 die Debatte über den Import humaner embryonaler Stammzellen ausgelöst, als er bei der DFG für ein Projekt mit ES-Zellen Fördergelder beantragte. Brüstle will aus den Zellen Ersatzgewebe für die Behandlung von Gehirn- und Nervenkrankheiten herstellen. Dabei erhofft er sich bessere Therapiemöglichkeiten bei Schlaganfällen und Nervenkrankheiten - wie etwa der Parkinsonschen Krankheit oder Multipler Sklerose. Die Stammzellen soll das Gentechnologie-Institut der Universität Haifa liefern. Die DFG will ihre bereits drei Mal verschobene Entscheidung über den Antrag Brüstles am Donnerstag (31.01.2002) treffen.

Medizinische Hochschule Hannover
Der Molekularbiologe Ulrich Martin möchte herausfinden, von welchen Faktoren und Stoffen das Überleben menschlicher embryonaler Stammzellen in fremdem Gewebe abhängt. Die Zellen lassen sich nach Angaben des Forschers, der mit der Universität Jerusalem zusammenarbeitet, bisher nur in Mäusezellen kultivieren. Dabei bestehe allerdings die Gefahr, dass die Mäusezellen die menschlichen Zellen mit Viren infizieren und so wissenschaftlich unbrauchbar machen. Martin plant außerdem, Herzmuskelzellen herzustellen. Der Molekularbiologe hat einen Förderantrag bei der DFG gestellt, der allerdings noch nicht zur Entscheidung ansteht.

Ludwig-Maximilians-Universität München
Der Herzspezialist Wolfgang-Michael Franz möchte ebenfalls aus embryonalen Stammzellen Herzmuskelzellen für Transplantationen gewinnen. Forschungsmaterial liegt ihm bereits vor: Im Frühjahr vergangenen Jahres hatte ihm die US-amerikanische Firma WiCell embryonale Stammzellen an seinen damaligen Arbeitsplatz an die Medizinische Universität Lübeck geliefert. Auch Franz hat inzwischen einen Förderantrag bei der DFG gestellt.

Universität Köln
Auch der Neurophysiologe Jürgen Hescheler will humane embryonale Stammzellen zu Herzzellen weiterentwickeln und somit Ersatzgewebe für Transplantationen gewinnen. Forschungsmaterial erhält er ebenfalls von der US-Firma WiCell. Diese hatte im vergangenen Jahr bereits Zellen geliefert, die sich allerdings als zertrümmert und somit als unbrauchbar erwiesen.

Christian-Albrechts-Universität Kiel
Der Biochemiker Stefan Rose-John hatte im vergangenen Sommer Aufsehen erregt, weil er mit einer australischen Firma über den Import humaner embryonaler Stammzellen verhandelte. Rose-John wollte untersuchen, ob mit Hilfe hormonartiger Proteine (Zytokine) das Wachstum dieser Zellen beschleunigt werden kann. Ziel war es, den Einsatz von menschlichen embryonalen Stammzellen in Forschungsvorhaben zu reduzieren. Ob Rose-John bei einem «Ja» des Bundestages allerdings wirklich ein entsprechendes Projekt initiieren wird, ist nach Angaben einer Universitätssprecherin noch offen. (Sandra Tjong, ddp / wga)