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Bildung für alle

Wissen ist Macht – Wofür Bildung gut ist

Bildung ist mehr als die Aneignung von Wissen. Bildung ermächtigt Menschen, sich zu entfalten und politisch aktiv zu werden. Das gefällt den Herrschenden nicht immer, meint DW-Chefredakteurin Ute Schaeffer.

Wissen ist Macht – diese Einsicht ist vier Jahrhunderte alt. Der englische Philosoph Francis Bacon legte mit dieser und anderen Thesen die philosophische Grundlage der Aufklärung. Seine These hat nichts von ihrer Aktualität und Bedeutung verloren: Wissen ist Macht, Bildung die elementare Voraussetzung für ökonomische und politische Entwicklung, für Demokratie und soziale Gerechtigkeit – das lässt sich weltweit jeden Tag überprüfen. Zuletzt besonders eindrucksvoll während der arabischen Protest- und Reformbewegung, die sich mit der Jasmin-Revolution in Tunesien vor rund anderthalb Jahren in Bewegung setzte.

Wenn aus Verlierern Sieger werden: die arabische Protestbewegung

Es waren die Gebildeten und der Mittelstand, welche die Proteste in Gang hielten. Die jüngeren vor allem: 20- bis 35-Jährige, Studenten und Akademiker, die von den Regimen um ihre Chancen betrogen worden waren. Von Rabat bis Riad kämpften gerade sie – Mediziner, Ingenieure, Journalisten – für mehr Freiheit, für mehr Beteiligung, für einen fairen Zugang zum Arbeitsmarkt und vor allem für echte Perspektiven. Ein Kampf, der noch lange nicht gewonnen ist, sondern jetzt über Wahlen, demokratische Institutionen gefestigt werden muss.

Eine Wandmalerei zeigt arabische Flaggenläufer mit der 'Flamme der Freiheit': in der Reihenfolge der Revolutionen rennen Tunesien, Ägypten und vorne Libyen mit der Flamme auf sich entgegen streckende Hände zu (Foto: dpa)

Der Kampf um mehr Freiheit in der arabischen Welt ist noch lange nicht gewonnen

Bildung ermächtigt, Bildung sorgt für mehr Beteiligung – das hatten die arabischen Herrscher womöglich unterschätzt. Ohne den entschlossenen Ausbau der Schul- und Hochschulsysteme in den arabischen Ländern in den vergangenen 20 Jahren wäre diese Bewegung wohl nie entstanden. Der Human Development Report weist aus, dass die arabischen Staaten vor zwei Jahrzehnten mit dem konsequenten Ausbau des Zugangs zu Bildung begannen – mit sichtbaren Erfolgen. Auch der tunesische Ex-Präsident Ben Ali war in Sachen Bildung ein Reformer. Eine wachsende Zahl von Menschen genoss eine gute Ausbildung – und hatte doch kaum etwas davon: keine Jobs, keine Chancen, keine Beteiligung. Denn alles das war immer schon verteilt, an immer dieselben Clans. So lag die Arbeitslosigkeit in Tunesien vor den Protesten bei 40 Prozent. Diktatoren wie Ben Ali hätten wohl kaum so konsequent auf Bildung gesetzt, wäre ihnen die emanzipatorische Wirkung, die von ihr ausgeht, von Anfang an so klar gewesen.

Zugang zu Bildung: ein elementares Menschenrecht

Ohne Bildung keine Entwicklung – das hat die Weltgemeinschaft längst anerkannt und daraus ein klares politisches Bekenntnis und eine politische Forderung gemacht. Das zweite Millenniumsziel der Vereinten Nationen verlangt, allen Menschen weltweit eine Grundbildung zu ermöglichen. Fortschritte gibt es, allerdings langsam und regional überaus ungleich. Die Quote der die Grundschule besuchenden Kinder stieg zwischen 1999 und 2009 um nur sieben Prozentpunkte: auf 89 Prozent.

In jüngster Zeit hat sich das Fortschrittstempo sogar verlangsamt. In Afrika und Asien wird das Ziel bis 2015 in vielen Regionen nicht erreicht werden. In den Entwicklungsregionen besuchen nur 87 von 100 Kindern die Grundschulzeit komplett. In vielen armen Ländern verlassen sogar vier von zehn Kindern die Grundschule vor dem Erreichen der letzten Klassenstufe. Kinder auf dem Land und in Krisengebieten haben weniger Bildungschancen. Und gerade Mädchen werden fast überall auf der Welt noch immer benachteiligt. Es gibt noch viel zu tun!

Ein Junge lernt in der Privatschule South Ocean International School' in Qingdao, China den Umgang mit Computern (Foto: )

Bildung bestimmt das Leben der jungen Menschen in China

Ohne Bildung keine menschliche Entwicklung

Dennoch: die asiatischen Tigerstaaten, Indien und China zeigen, dass Bildung einen klaren wirtschaftlichen Nutzen hat. Südkorea war noch in den 50er Jahren in einem schlechteren Zustand als viele afrikanische Länder heute. Investitionen in eine gleichberechtigte Bildung für Männer wie Frauen haben – neben einer besseren Gesundheitsversorgung und dem Zugang zu Verhütungsmitteln – zum Rückgang der Geburtenzahlen und zum wirtschaftlichen Aufschwung beigetragen. Das rasante wirtschaftliche Wachstum Chinas lässt sich auch durch Bildungshunger erklären: Für fast jeden Chinesen unter 25 ist Bildung ein Schlüsselthema. Es bestimmt das Leben der Jüngeren. China ist aber auch ein Beispiel dafür, dass es immer noch Regime gibt, die auf mehr Bildung setzen ohne mehr Freiheit anzubieten. Diese Modelle werden nur solange funktionieren, wie eine Mehrheit hinter ihnen steht.

Mehr Bildung führt zu mehr Beteiligung und Mitsprache

Auf Dauer wird kein illegitimes Regime gegen die Übermacht einer gut gebildeten Mehrheit ankommen. Wenn es diese gibt, dann eröffnen sich Chancen für demokratische Veränderung, für mehr Beteiligung und Mitbestimmung, zum Beispiel in Ländern wie Russland oder – zumindest in ersten, zaghaften Ansätzen – in China und Staaten der arabischen Welt.

Weit schwieriger wird das in Ländern wie Simbabwe, in Afghanistan oder Nordkorea. Solange die Mehrheit dort in Armut lebt und von staatlicher Propaganda umgeben ist, solange diese Mehrheit mangels Bildung weder Vergleiche kennt noch Zugang zu unabhängigen Informationen hat und sich entsprechend kaum vernetzen und austauschen kann, solange können sich Diktatoren und Usurpatoren sicher fühlen. Ein guter Grund, um entschlossen für das Grundrecht auf Bildung zu streiten!

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