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Podcast Wirtschaft

Wiso-Interview: Prof. Wolfgang Gerke

Die Frankfurter Gontard & MetallBank ist angezählt. Nur ein neuer Investor könnte das Bankhaus vermutlich noch retten.

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Wolfgang Gerke

Lesen Sie hier die Hintergründe zum Interview mit dem Erlanger Wirtschaftsprofessor Wolfgang Gerke in der Wiso:

Die neue Finanzmarktaufsicht BAFin hat über die Gontard & MetallBank einstweilen ein Moratorium verhängt - die etwa 17 000 Kunden der Bank kommen vorerst nicht an ihre Einlagen heran. Dies ist die letzte Frist für eine Sanierung. Schuld an der schweren Krise trägt vor allem die riskante Strategie des Geldhauses: Die Gontard & MetallBank band ihr Schicksal zu eng an die Entwicklung an der Börse und vor allem an den Neuen Markt.

Das Moratorium gibt dem Institut eine letzte Gnadenfrist für einen Sanierungsversuch. «Die Gespräche mit potenziellen Investoren werden fortgesetzt», teilte die Bank dazu mit. Daneben will Gontard & Metall mit Personalabbau und dem Verkauf ihres defizitären Kreditgeschäfts retten, was zu retten ist. Etwa 220 Menschen arbeiten für das Institut.

Auf die Hilfe der Großbanken können die Frankfurter anders als die SchmidtBank aus Hof nicht hoffen. «Im Augenblick sehe ich keine Auffanglösung», sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Heiner Herkenhoff. Die SchmidtBank war im Herbst 2001 in eine Schieflage geraten. Um eine Pleite zu verhindern, übernahm eine von mehreren Kreditinstituten gegründete Auffanggesellschaft die Anteile der Eigentümer-Familie Schmidt.

Die Verantwortung für die Misere bei Gontard & Metall trägt das Management der Bank. Denn ihre enge Bindung an den Neuen Markt erweist sich nun in doppelter Hinsicht als fatal. Zum einen verdiente die Bank an Unternehmen, die sie vornehmlich mit ihrem Haupteigentümer, der Beteiligungsgesellschaft Gold-Zack, an die Börse brachte. Etwa 46 Börsengänge gingen in den vergangenen vier Jahren auf ihr Konto. «Das Geschäft ist im letzten Jahr nahezu völlig zum Erliegen gekommen», schreibt die Finanzaufsicht.

Für die hohen Wertberichtigungen, die nun mehr als die Hälfte des Eigenkapitals auffraßen, ist allerdings das Kreditgeschäft der Bank maßgeblich verantwortlich. Sie gab ihr Geld zum einen an Firmen am Neuen Markt wie der Heyde AG. Der IT-Dienstleister ist mittlerweile insolvent. Auch Börsen-Nieten wie Abacho, Refugium oder Phenomedia sind mit der Gontard-Bank verbunden. Daneben gewährte sie in größerem Umfang Kredite für Privatkunden zum Aktienkauf. Auch diese hinterlegten die Wertpapiere als Sicherheiten.

«Das Institut hat in erheblichem Maße Lombardkredite vergeben, die durch Werte des Neuen Marktes besichert wurden», schreibt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin). Im Dezember 2001 verbot die Vorgänger-Behörde dem Geldhaus, weitere Kredite zu vergeben.

Je brutaler die Aktienkurse einbrachen, desto schneller schmolz der Wert der Kreditsicherheiten dahin. Bringen die Schuldner keine neuen Sicherheiten auf, muss die Bank ihre Kredite abschreiben. Allein am Montag bezifferte sie ihren Wertpapierberichtigungsbedarf auf knapp 20 Millionen Euro. Damit war die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt. Bereits im April hatte die Bank einen Berichtigungsbedarf von weiteren 25 Millionen Euro eingestehen müssen. Angesichts der Lage an den Börsen sind nach Ansicht von Finanzexperten weitere Korrekturen vorprogrammiert.

Die Gontard & MetallBank ging aus der Verschmelzung von MetallBank und Heinrich Gontard Bank hervor. Die MetallBank gehörte zuvor zur ehemaligen Metallgesellschaft, der heutigen mg technologies. Im Zuge der Sanierung ihrer Mutter wurde das Geldhaus im Herbst 1996 zunächst an die SchmidtBank veräußert. Das Geschäft der MetallBank ging damit verloren: Sie hatte die Metallgesellschaft und deren Metallhandel finanziert. Die SchmidtBank verkaufte sie kaum zwei Jahre später an die Beteiligungsgesellschaft Gold-Zack, die 1996 bei der Gontard-Bank eingestiegen war.

Quelle: dpa

  • Datum 08.05.2002
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