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Afrika

Wirtschaftswunder in Afrika?

Afrika wächst und bietet Investoren ein enormes Potenzial. Die Chinesen haben das längst verstanden, Europa hinkt hinterher. Jetzt hat sich die Unternehmensberatung McKinsey den Investitionsstandort näher angesehen.

Lagos (Bild: dpa)

Megacity Lagos als Wirtschaftszentrum

Die McKinsey-Studie bescheinigt dem afrikanischen Kontinent glänzende Wirtschaftschancen: Die Region gehört zu den am schnellsten wachsenden der Welt. Im Durchschnitt verzeichnen alle afrikanischen Sektoren ein jährliches Wachstum von 2,7 Prozent. Und trotzdem: Auch die deutschen Geschäftsleute halten sich auf dem afrikanischen Kontinent weiter zurück. Afrika hat als Investitionsstandort oft einen schlechten Ruf. "Das Afrikabild in der deutschen Gesellschaft ist ein Bild von Armut", sagt Veye Tatah vom Verein Africa Positive. "Da heißt es immer 'Spende, sammel Geld für Afrika!'. Da überrasche es nicht, dass Unternehmer kein Interesse an Afrika hätten, sagt die Kamerunerin. "Dabei bietet Afrika so viele Chancen und Potenziale."

Löwen auf dem Sprung

Acker in Angola (Bild: dpa)

Wachstumssektor: Landwirtschaft?

Genau diese Potenziale und Chancen will die internationale Beraterfirma McKinsey mit ihrer Studie zum Investitionsklima in Afrika zeigen: "Lions on the Move"; also Löwen auf dem Sprung – so der Name der Studie und der ist dann auch Programm. Michael Kloss, Chef von McKinsey in Subsahara Afrika, schwärmt von dem Kontinent als Wirtschaftsregion: "Weil das Geschäftspotenzial in Afrika enorm ist und weil es im Wachstum befindlich ist. Es gibt viele Konsumenten, Rohstoffreserven und einen Infrastrukturrückstau." Auch die Landwirtschaft sei für Investoren interessant, sagt der Unternehmensberater. 60 Prozent der heute weltweit ungenutzten landwirtschaftlichen Flächen liegen in Afrika. Chinesen und Araber haben das längst als riesige Einkommensquelle erkannt.

Kompromisse bei der Korruption

Ein Europäer, der schon seit Jahren an der afrikanischen Landwirtschaft verdient, ist der Italiener Cesare Aspes. Er produziert in Kenia getrocknete Kräuter und exportiert sie nach Europa. Mit Erfolg. Aspes ermutigt auch andere europäische Unternehmer in Afrika zu investieren. Aber der Italiener kämpft auch mit Schwierigkeiten. "Die Korruption ist eine Hürde. Die Europäer müssen immer eine Balance finden zwischen eigenen ethischen Vorstellungen und den Gegebenheiten im Land." Aspes selbst hat strenge ethische Vorstellungen. Er lässt sich von kenianischen Ordnungskräften nicht erpressen. Und dafür sitzt er dann auch immer mal wieder für ein paar Stunden im Knast. Grade vor ein paar Tagen wieder, weil er sich geweigert hatte, einem Polizisten Schmiergeld zu zahlen. "Mit diesen Dingen muss man leben. Wir korrumpieren grundsätzlich nicht." Aber wenn es um das Leben seiner Mitarbeiter geht, muss Aspes immer wieder Kompromisse eingehen. Konkret heißt das für den Italiener: Immer wieder Schmiergeldzahlungen von 50 bis 100 Euro, um seinen Angestellten zu helfen. Zugeständnisse an die Gegebenheiten in Kenia. Ein Land, das in dem Ruf steht, besonders korrupt zu sein.

Sicherheitsrisiken und Einflussnahme

Schreiendes Kind, Feuer (Bild: AP)

Unruhen in der Elfenbeinküste

Auch Michael Kloss von McKinsey sind die Schwierigkeiten für europäische Unternehmer in Afrika bewusst. Aber er ist optimistisch. "Es gibt Sicherheitsprobleme in Afrika, Korruption, und politische Einflussnahme," sagt Kloss. "Aber das sind Probleme, die sich bessern." Bleibt die große Frage: Welches Afrika meint Michael Kloss von McKinsey eigentlich? Eine Frage, die sich zum Beispiel der liberianische Berater William N. Appleton stellt: "Afrika ist groß. Wenn man von Investitionen auf dem afrikanischen Kontinent spricht, muss man ganz genau sagen, von welchem Land man spricht. Da gibt es riesige Unterschiede."

Zum Beispiel zwischen Korruption in Kenia oder Nigeria und Korruption im – was das betrifft – Musterland Ruanda. Und der Italiener Cesare Aspes stellt klar: "Die Korruption ist keine afrikanische Erfindung. Damit hatten die Römer vor 2000 Jahren auch schon zu kämpfen und trotzdem leben wir Europäer nach 2000 Jahren noch."

Autorin: Christine Harjes
Redaktion: Klaudia Pape