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Entwicklungshilfe

Wirtschaftswachstum in Afrika: Deutschland setzt auf die Diaspora

Migranten überweisen weltweit mehr Geld in ihre Herkunftsländer als durch Entwicklungshilfe dorthin fließt. Doch ein großer Teil geht in den privaten Konsum von Familie und Freunden. Die Bundesregierung will das ändern.

Ein Mann in Angola hält ein Bündel Geldscheine in seiner Hand.

Die Überweisungen aus der afrikanischen Diaspora sollen stärker mit der Entwicklungshilfe verknüpft werden

Für Sylvie Nantcha ist es eine Selbstverständlichkeit: Jeden Monat schickt sie Geld an ihre Mutter in Kamerun. "In unseren Heimatländern gibt es keinen Sozialstaat und keine Krankenversicherung", erzählt sie der DW. Seit 24 Jahren lebt Nantcha schon in Deutschland. Die Verbundenheit zur Familie aber ist geblieben: "Die Kinder fühlen sich für ihre Eltern verantwortlich. Die Kinder vor Ort helfen natürlich auch, aber wenn man im Ausland lebt, ist die Verantwortung noch viel größer".

Die meisten afrikanischen Migranten in Deutschland tun es ihr gleich. Nantcha ist Vorsitzende des Vereins "The African Network of Germany" und hat fast 1000 von ihnen befragt. 90 Prozent gaben an, dass sie regelmäßig Geld in ihre Herkunftsländer überweisen. Nach Angaben des deutschen Entwicklungsministeriums (BMZ) fließen so jährlich rund 1,2 Milliarden Euro nach Afrika. Die deutsche Entwicklungshilfe für Afrika beträgt rund 1,5 Milliarden Euro.

Entwicklungshilfe reicht nicht

Ohne das Geld der Verwandten aus Europa kämen viele Afrikaner nicht über die Runden. "Das Geld ist dafür gedacht, dass Menschen davon leben können. Dass die Geschwister, Nichten und Cousins zur Schule gehen können und dass sich die Eltern den Arzt leisten können", sagt Nantcha. Laut ihrer Studie würden viele das Geld aber auch gerne anders einsetzen: 99 Prozent der Befragten kennen Verwandte, Nachbarn oder Freunde, die ein Unternehmen gründen wollen. 97 Prozent sehen sich in der Lage, einen oder mehrere Kleinunternehmer zu unterstützen. Für Nantcha eine tolle Idee: "Es wäre besser, die Menschen vor Ort zu unterstützen, sich ein eigenes Einkommen zu erarbeiten, als ihnen ständig Geld zu senden."

Sylvie Nantcha spricht bei der Vorstellung eines Migrationsprojekts in Kamerun

Sylvie Nantcha hat fast 1000 Afrikaner zu Rücküberweisungen befragt

Davon träumt auch das deutsche Entwicklungsministerium. Denn die Bundesregierung steht unter Zugzwang. Im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft in diesem Jahr will Berlin mehr Finanzmittel für Afrika mobilisieren. Doch aus Sicht des Ministeriums reicht es nicht, einfach die Entwicklungshilfe zu erhöhen. "Der Bedarf ist so gigantisch, dass wir ihn mit öffentlichen Steuermitteln nicht abdecken können", sagte der parlamentarische Staatssekretär Thomas Silberhorn beim Afrikatag des BMZ. "Wir brauchen mehr Mittel und wir brauchen weitere Akteure."

Zwar soll auch die Privatwirtschaft mehr in Afrika investieren. Aber auch diese Geldtransfers will das Ministerium mit der staatlichen Entwicklungshilfe verzahnen. "Wir würden uns wünschen, dass wir auch bei den privaten Geldüberweisungen Wege finden, wie wir besser zum Aufbau der lokalen Wirtschaft beitragen können", so Silberhorn.

Geldtransfers sind für manche "eine Bürde"

2018 könnten die ersten Projekte starten. Njeri Kiyanjui hat bereits Ideen, wie Entwicklungshilfe und Rücküberweisungen verknüpft werden könnten. Zum Beispiel bei der Berufsbildung: "Wenn ich jemanden unterstützen würde, der eine Schreinerei hat, wäre es gut, wenn dieser Mensch die Möglichkeit bekommt, sich weiter zu qualifizieren", sagt Kiyanjui. Die Unternehmerin aus Süddeutschland kommt gebürtig aus Kenia. "Viele Menschen haben Berufe, die sie durch 'learning by doing' erlernt haben."

Bundeskanzlerin Merkel schüttelt einem jungen Mann im Niger die Hand

Die Bundesregierung will im Rahmen der G20-Präsidentschaft mehr Finanzmittel für Afrika mobilisieren

Doch zugleich warnt Kiyanjui vor zu viel Enthusiasmus. Bereits jetzt würden viele Afrikaner in Deutschland ihren Verwandten dabei helfen, kleine Geschäfte zu gründen - viel Wohlstand entstehe trotzdem nicht. "Die Frau, die in ihrem kleinen Laden Gemüse verkauft, muss ihr Einkommen für die Gesundheitsversorgung und das Schulgeld ihrer Kinder ausgeben. Sie kann nichts zurücklegen, um ihr Geschäft weiter auszubauen. Es ist wie in einem Hamsterrad", sagt Kiyanjui.

Sie unterstützt zahlreiche Bedürftige in Kenia - und das gerne. Aber für viele Migranten seien die Geldtransfers auch eine "große Bürde", warnt die Unternehmerin. "Man muss ja erstmal etwas verdienen, das man zurückschicken kann". Das fällt gerade Afrikanern in schlechtbezahlten Berufen schwer. Daher wünscht sich Kiyanjui auch Unterstützung von der Bundesregierung. Ihr Vorschlag: Wer viel Geld in die Heimat überweist, sollte in Deutschland Steuern sparen können.

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