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Wirtschaft

Wirtschaftswachstum übersteigt Erwartungen

Während Portugal kriselt, strotzt die deutsche Wirtschaft vor Kraft. Um 2,8 Prozent soll sie 2011 wachsen, verkünden die Experten in ihrem Frühjahrsgutachten. Das ist deutlich mehr, als ursprünglich erwartet wurde.

Fließbandarbeit in der Autoproduktion (Foto: dpa)

Industrie ist ein wichtiger Pfeiler des Wachstums

Sie wächst und wächst, die deutsche Wirtschaft, und das trotz Krise in Libyen und Atomunglück in Japan. Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute gehen davon aus, dass die Wirtschaft 2011 wesentlich stärker expandiert, als sie es noch im Herbst angenommen hatten. Statt der damals erwarteten zwei Prozent soll es nun ein Plus von 2,8 Prozent geben. So das Ergebnis ihres Frühjahrsgutachtens, das sie am Donnerstag (07.04.2011) in Berlin vorgelegt haben.

Mit großen Buchstaben wirbt ein Arbeitsvermittler an einem Schaufenster in Frankfurt am Main für angebotene Jobs (Foto: AP)

Mehr Wachstum bringt mehr Menschen in Arbeit

Ein stärkeres Wachstum wird sich auf den Arbeitsmarkt positiv auswirken. Laut Frühjahrsgutachten wird die Zahl der Beschäftigten um rund 430.000 steigen, auf knapp 41 Millionen. Dies wäre die stärkste Zunahme seit 2008. Und es werde rund 300.000 Arbeitslose weniger in Deutschland geben, wodurch die Arbeitslosenzahl auf unter drei Millionen im Jahresdurchschnitt sinke, so die Experten.

Auftragseingang gestiegen

Das Wachstum ist zum Teil der Industrie zu verdanken. Wie das Wirtschaftsministerium mitteilte, stiegen die Aufträge im Februar viermal so stark wie erwartet und lagen 2,4 Prozent über dem Niveau des Vormonats. Und das obwohl es auch schon im Januar einen starken Anstieg gegeben hatte. Vergleicht man den Februar 2011 mit dem des Vorjahres, so ergibt sich ein Plus von über 20 Prozent. Auch in den kleineren und mittleren Betrieben herrscht Rekordlaune. "Die Stimmungslage in der mittelständischen Wirtschaft ist in diesem Jahr förmlich explodiert", stellte die Auskunftei Creditreform zu einer Umfrage unter rund 4300 Firmen fest.

Staatshaushalt entlastet

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) (Foto: dapd)

Kein Grund zum Ausruhen - so Wirtschaftsminister Brüderle

Das wird den Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle freuen, denn das Frühjahrsgutachten ist eine wichtige Grundlage für die Wachstumsprognose der Bundesregierung, die am 14. April vorgestellt wird. Trotzdem habe Deutschland keinen Grund, sich auf einem starken Wachstum auszuruhen, sagte Brüderle schon am Mittwoch. "Wir wollen unseren Aufschwung dazu nutzen, unser langfristiges Wachstumspotenzial weiter zu stärken."

Auch die Steuerschätzung im Mai hängt von dem Frühjahrsgutachten ab. Denn eine expandierende Wirtschaft und weniger Arbeitslose bedeuten: Es fließen mehr Steuern in die Staatskasse und auch die Einnahmen der Sozialkassen steigen stärker als bisher angenommen. Solche erfreulichen Zuflüsse hatte es bereits 2010 gegeben, wodurch die Neuverschuldung erheblich niedriger ausfiel als geplant. Nach dem Frühjahrsgutachten soll das Defizit des Staats von 3,3 auf 1,7 Prozent sinken.

Keine Gefahr aus Japan

Die Zahlen der Forschungsinstitute zeigen zwar, dass die Katastrophe in Japan sich bislang kaum auf die deutsche Konjunktur ausgewirkt habe. Engpässe in der Lieferkette seien wohl nur vereinzelt, sagte eine Person im Umkreis der Experten. Und es seien keine größere Produktionsausfälle in deutschen Firmen zu erwarten. Allerdings ist die Prognose den Instituten zufolge mit "beachtlichen Risiken" belastet. Dazu zählen die Entwicklung der Rohstoffpreise sowie die Unsicherheit über die Auswirkungen der Japan-Katastrophen und der Turbulenzen in Nordafrika.

Öltanker vor Anker in der Nähe von Tripolis, Libyen (Foto: AP)

Kommt weniger Öl auf den Markt, dann steigt der Preis und die Wirtschaft leidet

Auch die Bundesbank rechnet damit, dass eine schwere Rezession in Japan Europa nicht in einen Abwärtsstrudel reißen würde. Selbst wenn die Wirtschaftsleistung in Japan um drei bis vier Prozent einbreche, werde im Euro-Raum das Bruttoinlandsprodukt nur um 0,2 Prozent sinken, sagte Bundesbank-Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler am Dienstagabend in München. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger glaubt, die größte Gefahr für Europa gehe von steigenden Ölpreisen aus. Und für die seien die politischen Turbulenzen in Ländern Nordafrikas und im Nahen Osten mit verantwortlich, so Bofinger im Deutschlandfunk. Trotz guter Aussichten hätten die Konjunkturrisiken zugenommen.

Autor: Insa Wrede (dpa, dpad, rtr)
Redaktion: Rolf Wenkel