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Wirtschaft

Wirtschaftsspionage nimmt rasant zu

Immer wieder müssen Unternehmen feststellen, dass ihnen ihr Know-how abhanden kommt - durch Datenklau. Erzwungener Technologietransfer ist die Eintrittskarte in Wachstumsmärkte. Das Risiko für deutsche Firmen ist groß.

Ein Computernutzer sitzt vor dem Monitor und hält eine CD in den Händen (Foto: dpa)

Elektronische Angriffe nehmen jedes Jahr um 30 Prozent zu

Ein Mann fotografiert mit einem langen Teleobjektiv aus einem Auto (Foto: DW TV)

Analog war gestern - heute geht's elektronisch

Was wäre, wenn Deutschland ein Land mit großen Erdölreserven wäre und wenn die Deutschen zusehen müssten, wie dieses Erdöl jeden Tag mit großen Tanklastern in andere Länder überführt würde? Diese theoretische Frage stellt Alexander Eisvogel, Vizepräsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, nicht ohne Grund. Er will damit zeigen, was Wirtschaftsspionage für Deutschland bedeutet. "Unser Gut ist das Wissen, das Know-how. Ideenreichtum und Innovation, Zeit- und Wissensvorsprung sind ganz entscheidende Wettbewerbsfaktoren, die unserem Land einen Platz an der Spitze des Weltmarkts sichern sollen."

Diese Kernkompetenzen wecken natürlich erhebliche Begehrlichkeiten bei ausländischen Konkurrenzunternehmen, aber auch bei anderen Staaten. Und werden diese Kompetenzen gestohlen, "dann ist das genauso, als wenn man uns die Rohstoffe stehlen würde", sagt Eisvogel. Der Verfassungsschutz hat sich schon immer mit der Spionageabwehr beschäftigt. Allerdings standen früher Politik und Militär im Fokus. Dass die Wirtschaft von ausländischen Nachrichtendiensten ausgespäht wird, ist ein noch junges Phänomen, und die Abwehr dieser Spionage ist eigentlich nicht Aufgabe des Nachrichtendienstes.

Mit Trojanern Dateien durchsuchen

Arbeiten am Notebook mit WLAN (Foto: dpa)

Die größte Schwachstelle ist der Mensch

Ziel der Attacken seien vor allem kleine und mittelständische innovative Unternehmen, sagt Verfassungsschützer Eisvogel. Der Schutz von Wissen sei Aufgabe der betroffenen Firmen, sein Amt könne jedoch Hilfe zur Selbsthilfe geben. Die meistgenutzte Methode ist die Versendung von E-Mails mit entsprechend verseuchten Anhängen. Es geht darum, Trojaner einzusetzen, mit deren Hilfe man beim Opfer Dateien online durchsuchen kann. Dazu muss der Angreifer erst einmal feststellen, für welche E-Mails sich das Opfer interessiert. Erst wenn man weiß, was ihn besonders anspricht, kreiert man eine entsprechende Mail in der Hoffnung, dass er sie öffnet. "Allerdings entfalten sich diese Trojaner zum Teil auch schon, wenn man sie nicht öffnet", weiß Verfassungsschützer Eisvogel.

Verfolge man den Rückweg der Schadsoftware, dann führe er nicht selten nach China, so Eisvogel. Allein bei den Cyber-Angriffen auf Behörden hätte sich die Zahl der elektronischen Angriffe aus Fernost seit 2005 jedes Jahr um 30 Prozent erhöht. Doch auch Russland interessiere sich sehr für deutsche Firmengeheimnisse. Die Sicherung der Datennetze in den Unternehmen allein reicht nicht aus, um dem Ideenklau einen Riegel vorzuschieben. Der größte Unsicherheitsfaktor ist und bleibt der Mensch, also der Mitarbeiter. Er ist es, der die E-Mails öffnet, er ist es aber auch, der mit geschäftlichen Unterlagen auf mobilen Datenträgern durch die Welt reist und dabei zum Ziel von Ausspähversuchen wird. Wer unterwegs nicht auf die Kommunikation mit seiner Firma verzichten könne, sollte nicht alle Firmenunterlagen im Smartphone oder Laptop lagern, denn das lade Datendiebe geradezu ein.

Erzwungener Technologietransfer

Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln (Foto: dpa)

Verfassungsschutz in Köln: Früher Politik und Militär, heute Unternehmen

Länder wie China, Vietnam oder Kambodscha haben aber auch einen legalen Weg gefunden, um an das Know-how ausländischer Unternehmen zu kommen. In bestimmten Bereichen - und zwar in allen, in denen jemand im Ausland ein besseres Know-how hat - wird Investoren vorgeschrieben, sich einen nationalen Partner für ein Joint Venture zu suchen. Damit muss das ausländische Unternehmen zwangsläufig sein Firmenwissen offenlegen.

Der erzwungene Technologietransfer, so sagt Knut Schulte, Rechtsanwalt und Steuerberater, sei die Eintrittskarte für den Marktzugang. "Zur Erlangung der behördlichen Genehmigung muss ich die Technologie beschreiben. Sie wird von staatlichen Stellen geprüft. Die Prüfungsbeamten dieser Zertifizierungsbehörden sind häufig Angestellte von chinesischen Unternehmen. Also wird mir im Grunde ein Angestellter eines Konkurrenzunternehmens geschickt, um meine Technologie zu untersuchen."

Das Ziel, so sagt Schulte, sei ganz klar, das fremde Know-how abzuzapfen und für nationale Unternehmen nutzbar zu machen. Gegen den erzwungenen Technologietransfer ist wenig auszurichten. Um den Schaden einzugrenzen, sollten ausländische Unternehmen ihre Produkte und ihr Know-how zumindest international schützen und patentieren lassen, bevor sie ihr Glück auf den boomenden Märkten in Fernost versuchen. Damit wird zumindest verhindert, dass Kopien der Produkte im Ausland verkauft werden können, ohne dass es eine rechtliche Handhabe dagegen gibt.

Autorin: Sabine Kinkartz
Redaktion: Rolf Wenkel