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Wirtschaft

Wirtschaftskrise – welche Branche kippt als nächste?

Kein Tag vergeht mehr ohne schlechte Nachrichten aus der deutschen Volkswirtschaft. Am schlimmsten hat es die Autoindustrie getroffen. Nun rätseln alle, welche Firmen als nächste in die Krise geraten.

Das Wort Rezession in einem Zeitungsausschnitt (Quelle: DW)

Das böse Wort von der Rezession macht wieder die Runde.

Opel war das erste Unternehmen, dass den Offenbarungseid geleistet hat: Ohne eine staatliche Bürgschaft in Milliardenhöhe habe man keine Zukunft mehr. Zu heftig leidet der Autobauer unter der Krise des Mutterkonzerns General Motors aus den USA. Für alle, die es bislang nicht glauben wollten, ist der Fall Opel der schlagende Beweis: Die Schockwellen der Finanzkrise haben die deutsche Wirtschaft abgewürgt – der Exportweltmeister steckt mittendrin in einer Rezession.

Die Automobilbranche war das erste Opfer – hier wirkte die Finanzkrise wie ein Katalysator, aber sie hat die bestehenden Probleme nur verschärft. Nach den Autobauern trifft es als nächstes die Stahlindustrie – und zwar mit voller Wucht. Denn wenn weniger Autos gebaut werden, dann wird auch viel weniger Blech gebraucht. Die Auftragslage sei katastrophal, heißt es in der Branche. Hinzu kommt ein Verfall der Preise auf dem Weltmarkt.

Schwieriges Fahrwasser

Arbeiter an einer Turbine im Siemens-Werk in Görlitz (Quelle: AP)

Deutsche Maschinen sind weltweit gefragt - noch.

Und jetzt beginnt auch ein weiterer Pfeiler des jahrelangen Booms wegzubrechen. Weil Kredite schwerer zu bekommen sind und die Konjunkturaussichten trübe, fehlt den Firmen ein Anreiz, neue Maschinen und Anlagen zu kaufen. Hans-Günther Vieweg, der am Münchner ifo-Institut die konjunkturelle Entwicklung von Industriebranchen analysiert, verweist darauf, dass Investitionen immer sehr zyklisch vorgenommen werden. Allerdings seien die Auftragsbestände noch relativ groß und könnten im Laufe des nächsten Jahres abgearbeitet werden. "Aber es ist absehbar, dass die Investitionsgüterhersteller in sehr schwieriges Fahrwasser kommen werden im Laufe des nächsten Jahres. Entscheidend wird sein, wie lange sich dieser konjunkturelle Abschwung hinziehen wird."

In Zahlen: Für das laufende Jahr erwarten die Maschinenbauer noch ein Produktionsplus von fünf Prozent – im kommenden Jahr bestenfalls eine Stagnation. Hier zeigt sich ein strukturelles Problem der deutsche Volkswirtschaft, in der die Ausfuhren fast die Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung ausmachen: Der Exportweltmeister profitiert in guten Zeiten überdurchschnittlich vom globalen Wirtschaftsboom. Aber genauso überdurchschnittlich leidet er, wenn die Zeiten schlechter werden. Ein Rettungsanker könnte der private Konsum sein – ist er aber nicht: War es zu Jahresbeginn noch ein heftiger Anstieg der Energie- und Lebensmittelpreise, der die Leute vom Konsumieren abhielt, so ist es nun die Angst um den Job. Dennoch wird der Einzelhandel nicht so stark von der Krise getroffen, glaubt Hans-Günther Vieweg, weil die Branche nicht so stark zyklisch reagiere.

Aus der Vergangenheit gelernt

Die Wirtschaftsweisen (Quelle: DPA)

Die Wirtschaftsweisen bei der Vorstellung ihres aktuellen Gutachtens.

Insgesamt bewertet der Münchner Wirtschaftswissenschaftler die Situation allerdings als noch nicht so alarmierend. Denn zum einen sei ein Abschwung Teil eines normalen Konjunkturzyklus. Zum anderen würde man selbst bei deutlichen Produktions-Rückgängen noch immer auf historisch hohem Niveau verharren. Zwar erwartet auch Vieweg einen "sehr schweren" konjunkturellen Einbruch. Dennoch helfe ein Vergleich mit der letzten schweren Rezession Anfang der 1990er Jahre.

Verglichen mit der damaligen Situation seien die deutschen Unternehmen besser aufgestellt und hätten sich auch bei ihren Geschäftserwartungen sehr viel vorsichtiger positioniert. "1992 waren die Unternehmen lange der Meinung, dass es nicht so schlimm werden wird, und haben erst sehr spät auf den Einbruch reagiert, während jetzt eigentlich die Unternehmer mit ihren Erwartungen sehr schnell in den Keller gefahren sind."

Diesen gedämpften Optimismus verbreiteten in der vergangenen Woche auch die sogenannten Wirtschaftsweisen in ihrem aktuellen Gutachten. "Zu einer Weltwirtschaftskrise wie in den 30er Jahren wird es nicht kommen" – schreiben die Forscher. Denn anders als damals hätten die Notenbanken weltweit mit Zinssenkungen geholfen und die Regierungen mit Konjunkturprogrammen eingegriffen.

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