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Deutschland

Wirtschaftskrise? Rentenkürzung? Klinsmann!

Manchmal gibt es auch im politischen Berlin Themen, die viel wichtiger sind als Krisen, Parteiengezänk und Staatsbesuche. Wie etwa die Entlassung eines Fußballtrainers.

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Montags ist der Tag, an dem die Präsidien und Vorstände der im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien tagen. Anschließend wird die Presse informiert, worüber so gesprochen und diskutiert wurde. Diesmal ging es natürlich wieder um die Folgen der Wirtschaftskrise, um die Gefahr von Rentenkürzungen und bevorstehende Parteitage. Und dann gab es da noch ein anderes Thema: die Entlassung des Fußball-Trainers Jürgen Klinsmann.

Vom Sonnyboy zum Problemfall

Marcel Fürstenau

Spätestens seit der Weltmeisterschaft 2006 ("Deutschland, ein Sommermärchen") galt der smarte Schwabe als Erfolgsgarant, der mit positivem Denken und guter Laune für jedes Problem eine Lösung findet. Deshalb auch engagierte ihn Bayern München als Trainer. Doch plötzlich wurde der Sonnyboy selbst zum Problem, weil seine bei der Nationalmannschaft so erfolgreichen Methoden im Bundesliga-Alltag einfach nicht funktionieren wollten. Das Problem wurde branchenüblich gelöst, indem Klinsmann gefeuert wurde.

Was Trainer und Politiker in Bayern verbindet

Diese Entlassung also wurde zum Gegenstand heftigster Diskussionen auch im politischen Berlin. Nicht alles drang nach draußen, einiges aber schon. So ließ sich der Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch, mit den Worten vernehmen, "in Bayern haben Ministerpräsidenten und Fußball-Trainer neuerdings eine sehr, sehr kurze Halbwertzeit". Eine ironische Anspielung auf das schnelle Scheitern Günther Becksteins in der Staatskanzlei und Jürgen Klinsmanns auf der Trainerbank.

Trost vom Arbeitsminister

Grünen-Chefin Claudia Roth analysierte nüchtern, "wenn man zu Hause gegen Schalke verliert, dann ist das das Ende". Die Frau stammt aus Bayern, sie muss es also wissen. Sie offenbarte bei dieser Gelegenheit dann noch, kein Bayern-Fan zu sein. Wahrscheinlich hegt sie besondere Sympathien für den SSV Ulm, der auch mal eine Saison in der Bundesliga spielte und mittlerweile in den Niederungen des Amateur-Fußballs versunken ist. Da geht es Arbeitsminister Olaf Scholz schon viel besser. Der ist nämlich Hamburger, und Fan des einzigen Vereins, der seit Beginn der Bundesliga angehört, ohne jemals abgestiegen zu sein. Als Klinsmann entlassen wurde, outete sich Scholz als Klinsmann-Fan. Er nicht vergessen, "was er für Deutschland geleistet hat".

Ob Scholz, Roth oder Bartsch – sie alle demonstrierten Mut zum Bekenntnis. Mögen ihnen das die fußballverrückten Deutschen bei der Bundestagswahl im September nicht verübeln! Und mögen Sie, liebe Userin und lieber User, weiterhin auf die Seiten von dw-world klicken, wenn mein Name auftaucht. Denn ich bekenne, ein Fan des Hauptstadt-Klubs Hertha BSC zu sein.

Autor: Marcel Fürstenau

Redakteur: Oliver Samson