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Amerika

Wirtschaftskrise lässt US-Arbeitslosenzahlen steigen

Allein im Dezember 2008 sind in den Vereinigten Staaten mehr eine halbe Million Jobs gestrichen worden. Die Arbeitslosenquote erreichte mit 7,2 Prozent den höchsten Stand seit 15 Jahren. Obama wirbt für Konjunkturpaket.

Arbeitsloser in dern USA sucht einen Job (ap)

Jobsuchender in den USA

Wie das US-Arbeitsministerium am Freitag (09.01.2009) in Washington mitteilte, stieg die Arbeitslosenquote von 6,8 im November auf 7,2 Prozent im Dezember. Im gesamten Jahr 2008 gingen in den USA den Angaben zufolge 2,6 Millionen Arbeitsplätze verloren, ein Großteil davon in den letzten vier Monaten des Jahres. Allein in diesem Zeitraum gingen 1,9 Millionen Jobs verloren. Insgesamt waren im vergangenen Monat 11,1 Millionen Menschen in den USA erwerbslos gemeldet.

Obama will gegensteuern

Barack Obama soll es richten (dpa)

Jezt ruhen alle Hoffnungen der USA auf ihm.

Die neuen Zahlen unterstreichen das enorme Ausmaß der Herausforderungen für den künftigen Präsidenten Barack Obama, der sein Amt am 20. Januar antritt. Experten hatten das schlechte Dezember-Ergebnis trotz Weihnachtsgeschäfts erwartet. Obama selbst hatte am Donnerstag in einer Grundsatzrede zur Wirtschaftspolitik an der Universität von Fairfax in Virginia gewarnt, dass neue schlechte Nachrichten vom Arbeitsmarkt zu erwarten seien. Er dringt auf ein massives Konjunkturprogramm mit einem Umfang von mindestens 775 Milliarden Dollar. Damit will Obama im Zeitraum von zwei Jahren drei Millionen Arbeitsplätze schaffen oder sichern. Nach seiner Einschätzung droht den USA der Absturz in eine jahrelange Rezession, falls der Staat nicht schnell mit massiven Ausgaben gegensteuert.

Kritik und Lob für Obamas Pläne

Schlange an einer Suppenküche während der Weltwirtschaftskrise 1931 (archiv)

Erinnerungen werden wach: Suppenküche in Chicago während der Weltwirtschaftskrise 1931

Obama bemüht sich derzeit intensiv um die Unterstützung des Kongresses für sein milliardenschweres Konjunkturpaket, das er noch im Februar verabschieden möchte. Dafür braucht er neben der Unterstützung seiner demokratischen Partei auch die Zustimmung einige republikanischer Kongressmitglieder. Allerdings gibt es erhebliche Bedenken angesichts des enormen Umfangs der Maßnahmen. Die negativen Daten vom US-Arbeitsmarkt dürften jedoch den Druck auf den Kongress erhöhen, das milliardenschwere Konjunkturpaket möglichst rasch zu verabschieden.

Kritik kam von einigen demokratischen Senatoren. Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Senat, Kent Conrad, kritisierte die vorgesehenen Steuersenkungen für Arbeitnehmer in Höhe von bis zu 1000 Dollar (umgerechnet 730 Euro), die nach dem Willen Obamas die Binnennachfrage beleben sollen. "Diese marginalen Anreize sind von marginaler Effektivität", sagte er nach einem Treffen mit Beratern Obamas. Menschen, die Angst vor der Arbeitslosigkeit hätten, würden Geld sparen und nicht ausgeben. Stattdessen solle mit dem Konjunkturpaket eher die Entwicklung neuer Energiequellen angeschoben werden, forderte Conrad. Bei den Republikanern stießen die Steuersenkungen hingegen überwiegend auf Lob. Sie warnten jedoch vor dem wachsenden Haushaltsdefizit. Am Vortag hatte der Rechnungshof des US-Kongresses für das laufende Haushaltsjahr ein Rekorddefizit von 1,2 Billionen Dollar (rund 880 Milliarden Euro) prognostiziert.

Experten: Ende der Talfahrt nicht in Sicht

Ein Ende des massiven Arbeitsplatzabbaus ist nach Experteneinschätzung nicht in Sicht. Bill Gross, Gründer der US-Fondsgesellschaft Pimco, hält es sogar für möglich, dass vor einer Konjunkturwende noch einmal drei Millionen Stellen verloren gehen. "Die Zahlen verdeutlichen, dass die US-Wirtschaft tief in der Rezession steckt", sagte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. Die US-Wirtschaft schrumpfe seit 2007. Die Schwächephase könnte möglicherweise die längste seit 1981 werden, als die Wirtschaftsleistung 16 Monate in Folge zurückging. "Es ist unwahrscheinlich, dass eine derartige Krise von heute auf morgen verschwindet", sagte Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus.

In den nächsten drei bis sechs Monaten gebe es für die US-Firmen keinen Grund, neue Mitarbeiter einzustellen, sagte Richard Yamarone, Chefvolkswirt von Argus Research. "Wir werden keine Einstellungen sehen, bis die Regierung eingreift. Nur Reden hilft nichts." Keith Hennessey, der führende Wirtschaftsberater des scheidenden Präsidenten George W. Bush sagte hingegen, er erwarte, dass sich die Erholung der US-Wirtschaft "früh in der Amtszeit Obamas" beginnen werde.

Die Notenbank Fed hat bereits vor Wochen die Leitzinsen bis nahe Null gesenkt, um die Wirtschaft mit genügend Geld zu versorgen. Als entscheidend für eine Erholung der US-Wirtschaft wird ein Anspringen des privaten Konsums angesehen, der etwa zwei Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung ausmacht. (qu)

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