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Europa

Wirtschaftsforscher warnt vor Schwächung der EZB

Den Ankauf von europäischen Staatsanleihen durch die Zentralbank (EZB) hält der Wirtschaftsforscher Michael Hüther für den gefährlichsten Teil des Rettungspakets der Euroländer. Warum, erläutert er im DW-Interview.

Professor Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft, Köln, im DW-Interview, aufgenommen 12.05.2010, Foto: Bernd Riegert, Deutsche Welle

Michael Hüther

Die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds haben mit dem 750 Milliarden Euro schweren Rettungspaket ein wirksames Stoppschild für die Kapitalmärkte aufgebaut, glaubt der Direktor des arbeitergebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft, Professor Michael Hüther. Kein Land der Eurozone werde zahlungsunfähig werden. Spekulationen gegen den Euro würden deshalb keinen Erfolg haben, so Hüther. Voraussetzung sei allerdings, dass Griechenland und andere Staaten sich jetzt an ihre Zusagen halten und ihre Haushalte mit drastischen Mitteln sanieren würden.

Gebäude des Instituts der Deutschen Wirtschaft, Köln, Forschungsinstitut, neues Gebäude, aufgenommen 12.05.2010, Foto: Bernd Riegert Deutsche Welle

Institut der deutschen Wirtschaft in Köln

Haircut wäre sinnvoll gewesen

Für einen Fehler hält es der renommierte Volkswirt dagegen, dass den Investoren mit der allumfassenden Hilfszusage ihr Risiko abgenommen wurde. Besser wäre ein "Haircut", also eine Wertminderung der Staatsschulden zu Lasten der Gläubiger, gewesen, sagte Michael Hüther der Deutschen Welle. Für bedenklich hält der ehemalige Investmentbanker, dass die Europäische Zentralbank offenbar politischem Druck nachgegeben habe. Der Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB sei mit großen Risiken behaftet, auch wenn die Zentralbank versichere, es werde nicht zu einer Inflation kommen. Die Unabhängigkeit der EZB sei "angekratzt", so Hüther.

Die Europäische Währungsunion sei nach den Beschlüssen der Finanzminister der Eurozone stark verändert worden. Sie verstießen seiner Meinung nach gegen die EU-Verträge. Wenn jetzt die Starken für die Schwachen einstehen würden, müsste auch die Haushaltsführung von Brüssel viel stärker als bisher kontrolliert und gesteuert werden, sagt der Wirtschaftsforscher. Michael Hüther begrüßte entsprechende Vorschläge der EU-Kommission. Mit ein wenig Glück würde die realwirtschaftliche Erholung in Europa von den Turbulenzen auf den Kapitalmärkten nicht beschädigt.

Hören Sie mehr in unserem angehängten Interview: Von Trillionen und Wolfsrudeln.


Das Interview führte Bernd Riegert.
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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