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Politik

Wirtschaftsfaktor Migration

Weltweit leben und arbeiten mehr als 200 Millionen Menschen außerhalb ihres Herkunftslandes. Die Beträge, die sie in die Heimat überweisen, sind höher als die globale Entwicklungshilfe.

Afrikanísche Migranten in Spanien (Quelle: EPA/dpa/Manuel Lerida)

Illegale Arbeitsmigranten aus Afrika an der spanischen Küste

Mera Gocotano kommt aus Davao auf der südphilippinischen Insel Mindanao. Als Lehrerin in ihrer Heimat verdiente sie umgerechnet 80 Euro im Monat. In Hongkong, als Haushaltshilfe in einer reichen Familie, fünf Mal so viel. "Drei Jahre habe ich glücklich an meiner Schule gearbeitet. Dann aber wuchsen mir die Kosten für Essen, Strom und die Schulausbildung meiner Schwester über den Kopf", erzählt sie. Für die Vermittlung und alle nötigen Papiere für den Job im Ausland musste sie umgerechnet rund 1200 Euro bezahlen – eine hohe Summe für eine Filipina.

Vermittler und Firmen sind die großen Gewinner

Flüchtlingsmutter mit Kind (Quelle: EPA/dpa/Ricardo Gonzalez)

Illegale Migranten nehmen oft lebensgefährliche Strapazen auf sich, um in ihr Wunschland zu gelangen

Migration ist ein riesiges Geschäft. Auf lokaler Ebene verdient der Vermittler vor Ort, der gegen Geld Arbeitspapiere, Visum, Pass und einen Job im Ausland organisiert. Ist der Auswanderer in seinem Zielland angekommen, verdienen ebenfalls Agenturen, die Unterkünfte und Raum für Kontakte bieten. Aber auch Firmen, die billige, globale Wanderarbeiter oder ausländische Fachkräfte einsetzen, weil es im Land selbst nicht genug davon gibt, profitieren. Insgesamt leben etwa drei Prozent der Weltbevölkerung als Migranten im Ausland, die Hälfte von ihnen sind Frauen.

Die Geldsummen, die Migranten aus Entwicklungs- und Schwellenländern nach Hause schicken, sind global gesehen ein bedeutender Wirtschaftsfaktor: "Die Auslandsüberweisungen aus Übersee betragen rund 300 Milliarden Dollar im Jahr - das ist drei Mal so viel wie die gesamte globale Entwicklungshilfe", sagt Robert Calderisi, ehemaliger Weltbank-Manager in Afrika und Autor des Buches „The Trouble with Africa. Why Foreign Aid isn’t Working“ ("Das Problem Afrika. Warum Entwicklungshilfe nicht funktioniert").

Entwicklungsländer auf Deviseneinkünfte angewiesen

Demonstrierende Filipinos(Quelle: AP Photo/Aaron Favila)

Filipinos demonstrieren gegen die schlechte Behandlung von Gastarbeitern

Nach neuesten Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) fließt das meiste Geld in Entwicklungsländer, die in der jetzigen globalen Finanzkrise zunehmend auf diese Deviseneinkünfte angewiesen sind. Vor allem einen Vorteil gebe es bei den "remittances", den Auslandsüberweisungen, sagt Robert Calderisi. Sie ließen sich nicht so leicht vom Staat missbrauchen, weil sie unbürokratisch und direkt in die eigenen Familien gelangen. Das bringe die Entwicklung im Herkunftsland am meisten voran. "Grundsätzlich sollte es den Familien in Europa und Nordamerika selbst überlassen lassen werden, ob sie das Geld an Verwandte, einer Kooperative oder einer Schulinitiative schicken. Für diese Entscheidungen braucht man keine nationale Politik.“

Die Philippinen sind drittgrößter Exporteur von Arbeitskräften weltweit. Rund 10 Millionen Staatsbürger arbeiten im Ausland, während im Gegensatz dazu Lehrer, Ärzte oder Krankenschwestern im eigenen Land händeringend gesucht werden. 60 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Die Situation sei absurd, da qualifizierte Kräfte, die zu Hause gebraucht würden, sich ihr Geld im Ausland als Hilfskräfte verdienten, erzählt Professor Jorge Sibal, Wirtschaftswissenschaftler in Manila. "Es ist eine Tragödie, dass unsere Volkswirtschaft zu wenig entwickelt ist, um diese Fachkräfte zu absorbieren.“"

Migration stillt Bedarf an Gesundheitspersonal in Südafrika

Ministerkonferenz in Tripolis(Quelle: EPA/Sabri Elmhedwi)

Die Ministerkonferenz der EU und der Afrikanischen Union tagt regelmäßig zur Migrationspolitik

Ein anderes Beispiel ist Südafrika. Nach eigenen Angaben investierte Südafrika von 1994 bis zum Jahr 2000 rund eine Milliarde Dollar in die Ausbildung von Gesundheitspersonal, welches dennoch später in englischsprachige Länder wie Großbritannien und die USA auswanderte. Um dennoch den Bedarf an Ärzten, Krankenschwestern und Pflegern zu decken, importiert Südafrika medizinisches Personal aus Ländern wie Malawi. Dort, in einem der ärmsten Länder der Welt, sind fast zwei Drittel der Jobs im Gesundheitssektor unbesetzt – aus Personalmangel.

Doch ob in Südafrika, Malawi oder auf den Philippinen: Das Motiv für die Migration auf Zeit ist Hoffnung wie bei Mera Gocotano aus Mindanao. "Ich habe all das auf mich genommen, um meiner Familie zu helfen und irgendwann vielleicht weiter studieren zu können", sagt sie.

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