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Politik

Wirtschaft ist unverzichtbar im Kampf gegen Armut

Das bekannteste der Millenniumsziele ist die Halbierung der weltweiten Armut bis 2015. Möglich ist das mit Hilfe der Privatwirtschaft - aber an einigen Ländern wird der Fortschritt vorbeigehen. Rolf Wenkel kommentiert.

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Rolf Wenkel

Rolf Wenkel

Ein Ruck geht durch die entwicklungspolitische Szene in Deutschland. Alle, die in Ministerien, Institutionen und Organisationen entwicklungspolitische Arbeit leisten, verspüren eine neue Aufbruchsstimmung.

Das hat viele Gründe. Zum einen haben sich die sieben führenden Industrieländer und Russland (G8) auf einen Schuldenerlass für 18 der ärmsten Staaten geeinigt und dies weiteren 20 Ländern in Aussicht gestellt. Zum anderen hat sich die Europäische Union verpflichtet, künftig 0,7 Prozent des Bruttosozialproduktes für Entwicklungshilfe auszugeben. Dieses Ziel ist zwar nicht neu, aber endlich mit einem konkreten Datum versehen worden: das Jahr 2015.

Keine Verbesserung südlich der Sahara

Auch die Zahlen der Vereinten Nationen und der Weltbank geben Anlass zum Optimismus. Danach kann die Zahl der Armen bis 2015 tatsächlich halbiert werden - trotz wachsender Weltbevölkerung. Mussten 1990 fast 30 Prozent aller Menschen von weniger als einem Dollar pro Tag leben, so werde dieser Anteil bis zum Jahr 2015 auf 13,3 Prozent sinken.

Doch dem globalen Ziel der Halbierung der Armut - das räumen auch die Weltbank und die Vereinten Nationen ein - werden die Länder Lateinamerikas und der Karibik kaum näher kommen und die Länder südlich der Sahara vermutlich überhaupt nicht. Die wirklichen Fortschritte wurden und werden in Ostasien und in Südasien gemacht, vor allem in den bevölkerungsreichsten Ländern: China und Indien.

Fortschritt durch Öffnung

Das sollte zu denken geben. China hat 1992 den Kapitalismus zugelassen, das Privateigentum ist seit 2004 in der Verfassung verankert, Märkte und Grenzen sind geöffnet, Auslandsinvestitionen geschützt. Auch Indien hat seinen Protektionismus aufgegeben und einen Privatisierungsboom ausgelöst.

Damit sind Hebel in Bewegung gesetzt worden, die mehr bewirken können als die beste Entwicklungspolitik. Natürlich schafft das freie Spiel der kapitalistischen Kräfte auch Ungleichheiten, schafft Superreichtum neben bitterer Armut - aber es hebt trotzdem das allgemeine Wohlstandsniveau, die Zahlen beweisen es. In Ostasien wird der Anteil der Armen von 30,5 Prozent im Jahr 1990 auf 3,9 Prozent bis 2015 sinken, in Südasien von 45 auf 15,7 Prozent, sagen Weltbank und Vereinte Nationen voraus.

Entwicklungshelfer haben viel gelernt

Um Missverständnissen vorzubeugen: Dies ist kein Plädoyer für den nackten Kapitalismus, für die ungehemmte Globalisierung. Auch soll das Engagement der Entwicklungspolitik keineswegs herabgewürdigt, der Optimismus der vielen tausend Entwicklungshelfer keineswegs gedämpft werden. Die Entwicklungspolitik wird immer erfolgreicher.

Aber sie sollte viel stärker den Hebel nutzen, der "Privatwirtschaft" heißt. Die tätigt nämlich schon jetzt fünf Mal mehr Investitionen in Entwicklungsländern als die gesamte öffentliche Entwicklungszusammenarbeit zusammengenommen.

Investitionen müssen sich lohnen

Das setzt natürlich voraus, dass Privatinvestitionen lohnend

erscheinen, dass sich die ärmsten Länder dieser Welt einer guten Regierungsführung (good governance) verschreiben. Das macht übrigens auch den Charme der G8-Entschuldungsinitiative aus: Sie schafft Anreize dazu. 18

Länder werden entschuldet, weil sie good governance weitgehend umgesetzt haben, weitere neun sind auf dem Weg dahin.

Nur elf Regierungen sind bislang unbelehrbar. Und die werden ihrem Volk irgendwann erklären müssen, weshalb die internationale Gemeinschaft sie links liegen lässt, weshalb sie keine ausländischen Investoren anlocken und weshalb ihre Dorf- und Slumbewohner keine Chance haben, der Armutsfalle zu entkommen.

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