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Wirtschaft

Wirtschaft ist nicht immer rational

Der Nobelpreisträger Akerlof hat den Glauben der klassischen Ökonomie erschüttert, dass Menschen nur nach vernünftigen Regeln handeln. Auch die Märkte seien nicht so rational, wie es sich die Traditionalisten vorstellen.

George Akerlof (Foto: Yan Chi Vinci Chow)

George Akerlof: Märkte werden oft von Gefühlen geleitet

George Akerlof (2.v.r.) bei der Nobelpreisverleihung in Stockholm am 10. Dezember 2001

George Akerlof (2.v.r.) bei der Nobelpreisverleihung in Stockholm am 10. Dezember 2001

Ein weiteres wichtiges Forschungsergebnis von George Akerlof - der 2001 den Wirtschaftsnobelpreis erhielt - ist, dass es in der Wirtschaft asymmetrische Informationen gibt. Was sich kompliziert anhört, bedeutet nichts anderes, als dass Informationen ungleich verteilt sind. Ein Autohändler weiß zum Beispiel mehr über einen Gebrauchtwagen als der Autokäufer, was zum Nachteil des Autokäufers sein kann, wenn er über Schäden nicht informiert wird. Auf großen Märkten, wie den internationalen Kapitalmärkten, können gegensätzliche Informationen noch mehr Unheil anrichten, wenn Händler keine eindeutigen Informationen darüber haben, warum Kurse plötzlich stark nach oben oder unten ausschlagen. Paniken können die Folge sein.

Herdenverhalten und übertriebene Zuversicht

In der weltweiten Finanzmarktkrise zeigte sich noch eine andere Verhaltensweise der Menschen. Es war die übertriebene Zuversicht, dass die Immobilienpreise in den USA unaufhörlich steigen würden, meint George Akerlof. Immer mehr Menschen glaubten daher, dass eine Investition in ein Haus eine gute Anlage wäre, da über die steigenden Werte auch die Schulden bezahlt werden können.

Psychologisch gesehen entstand ein Herdenverhalten: Banker, Immobilienmakler und die Käufer glaubten alle, dass die Preise weiter in die Höhe gehen. Hintergründe der enormen Wertsteigerungen interessierten die Menschen nicht. Die psychologische Falle schnappte zu: Menschen orientieren sich in der Regel nur am Naheliegenden - an dem, woran sie sich leicht erinnern können. Und das waren die steigenden Preise. Dass sich dahinter eine Blase verbarg, war für die meisten Menschen nicht ohne weiteres ersichtlich, was fatale Folgen hatte.

"Staat sollte Gefühle regeln"

Weil Märkte häufig von Gefühlen und Überzeugungen geleitet werden, hat der Staat eine wichtige Aufgabe, meint George Akerlof. Eine gute Regierung muss die komplexen Finanzmärkte beaufsichtigen. Das hätte auch den Effekt, dass die Anleger besser geschützt wären vor risikoreichen Finanzanlagen. Auch den Börsenhändlern würden Regeln helfen, denn nicht immer können sie Risiken rechtzeitig erkennen, weil sie aufgrund der asymmetrischen Informationen nicht immer alle Kenntnisse haben, die benötigt werden, um richtige Entscheidungen zu fällen. Regeln würden alle Händler zu Verhaltensweisen zwingen, die weniger risikoreich wären.

Dass der Staat nach wie vor eine wichtige Aufgabe hat, zeigt die US-Immobilienkrise, die sogenannte Subprime-Krise. Die Staaten auf beiden Seiten des Atlantiks haben bewiesen, so George Akerlof, dass eine koordinierte Wirtschaftspolitik einen weltweiten Crash verhindert hat, der die Wirtschaft möglicherweise auf viele Jahre in eine schwere Krise gestürzt hätte. Durch dieses Verhalten der Regierungen ist auch der Anstieg der Arbeitslosigkeit gebremst worden.

Nichts geht ohne Vertrauen und Fairness

Handschlag zwischen einer schwarzen und einer weißen Person (Foto: dpa)

Vertrauen ist die Basis aller Geschäfte - auch auf den internationalen Finanzmärkten

Um aus der Krise wieder heraus zu kommen, ist Vertrauen sehr wichtig, meint der Nobelpreisträger. Gerade auf den Finanzmärkten werden Geschäfte "per Handschlag" gemacht. Vertraut man sich nicht mehr, dann werden Finanztransaktionen unterbrochen, der Geldfluss versiegt, ein Crash ist die Folge. Daher sind Vertrauen und Fairness unverzichtbar. Untersuchungen haben bewiesen, hebt George Akerlof hervor, dass der Erfolg in einem Unternehmen deutlich ansteigt, wenn fair und kooperativ miteinander umgegangen wird. Steigende Managergehälter und gleichzeitige Lohneinbußen der Arbeitnehmer oder Entlassungen sind daher mit Sicherheit kein Erfolgsrezept.

Autor: Klaus Peter Weinert

Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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