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Wirtschaft

Wirtschaft hofft auf bessere Iran-Geschäfte

Das Abkommen zur Beilegung des Atomstreits mit dem Iran lässt viele Unternehmen in Deutschland auf eine Lockerung der Sanktionen hoffen. Und auf eine Wiederbelebung der traditionell guten Wirtschaftsbeziehungen.

Volker Treier, Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, gerät ins Schwärmen, wenn er an den Iran als alten, neuen Handelspartner denkt: "Der Iran hat ja nicht nur viele Rohstoffe, von denen noch Vieles noch nicht erschlossen ist. Der Iran hat eine lange Handelstradition mit Deutschland. Und neben dem Handel auch eine Industriestruktur und Erfahrung in der Herstellung von Industrieprodukten", so Treier zur DW. Deshalb sei Deutschland geradezu prädestiniert, mit seinen Produkten in diesem Land auch wieder zu punkten.

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Iraner lieben französische Autos

Noch freilich ist das Handelsvolumen zwischen beiden Staaten äußerst bescheiden - im vergangenen Jahr erreichte es noch nicht einmal drei Milliarden Euro. Sollte es zu einer Aufhebung der Sanktionen kommen, müsste als Erstes der Zahlungsverkehr wieder in geregelte Bahnen gelenkt werden. Denn im Laufe der Sanktionen haben sich europäische Banken fast vollständig aus dem Iran zurückgezogen. "Handel muss mit Geld hinterlegt werden", so Treier, "Geld ist das Blut der Wirtschaft".

Tropfen auf den heißen Stein

Volker Treier. (Foto: MIG)

Volker Treier: "Lange Handelstradition zwischen Iran und Deutschland"

Auch Daniel Bernbeck, Geschäftsführer der Internationalen Handelskammer in Teheran, hält den praktisch nicht existenten Zahlungsverkehr für den "am meisten belastenden Effekt der Sanktionen, weil er sich direkt auf den Handel auswirkt".

Bernbeck registriert ein gesteigertes Interesse iranischer Geschäftsleute an Informationen über Deutschland - von Euphorie mag er aber nicht sprechen: "Bislang sind ja nur kleine Beträge frei gegeben worden. Wenn man sich vorstellt, dass der Iran pro Jahr mehr als 100 Milliarden US-Dollar an Öl- und Gasexporten hatte, dann sind vier Milliarden für sechs Monate ein Tropfen auf den heißen Stein."

Iranische Käuferinnen. (Foto: Behrouz Mehri/AFP)

Iranische Käuferinnen

Immerhin: Langfristig können sich Franzosen und Deutsche wohl die größten Hoffnungen auf gute Geschäfte machen. Eine Nachrichtenagentur berichtet zwar, die US-Amerikaner bereiteten eine Handelsoffensive vor, doch das kann die deutschen Außenhandelsexperten nicht erschrecken. Schließlich lassen sich gut drei Jahrzehnte innigster Feindschaft nicht so schnell wegwischen. Und DIHK-Außenhandelschef Volker Treier kann sich durchaus vorstellen, dass das Handelsvolumen bald wieder zweistellige Milliardenbeträge erreichen wird.

Schlafender Riese

Schließlich haben die Deutschen genau die richtige Produktpalette im Angebot, "absolut die klassischen deutschen Stärken, also Automobil, Maschinenbau, Chemie, Elektroindustrie", so Treier. Das Land mit seinen 77 Millionen vorwiegend jungen Einwohnern brauche genau das, was die Deutschen bieten könnten: Investitions- und Infrastrukturgüter. "Für uns ist der Iran ein schlafender Riese."

Zudem genießen Deutschland und die deutsche Wirtschaft im Iran ein hohes Ansehen, weiß Daniel Bernbeck von der IHK Teheran. "Zu unseren Aus- und Weiterbildungskursen kommen jedes Jahr rund 1000 Teilnehmer." Deutschland betreibe einen Transfer von Bildungs-Know-how, so Bernbeck weiter. Mit einem Ausbildungskurs in Deutschland, selbst wenn man nur Handwerker war, gelte man als der "Herr Ingenieur" und es ermöglichte auch den gesellschaftlichen Aufstieg. "Das hat bis heute noch Geltung, und wir als Handelskammer knüpfen daran an."

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