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Europa

Wirklich ein gutes Geschäft für Deutschland?

Eine gute Geldanlage für Deutschland: So sieht der griechische Ex-Finanzminister Venizelos die Griechenland-Kredite der Bundesrepublik. Finanzexperten aus Deutschland sind anderer Meinung.

Euromünze (Foto: dpa)

Was bringt die Krise den Deutschen?

400 Millionen Euro habe die Bundesrepublik in den letzten zwei Jahren an Griechenland verdient - so lautet die Rechnung des Vorsitzenden der sozialdemokratischen PASOK-Partei, Evangelos Venizelos. Der Grund seien die hohen Zinsen für die Griechenland-Kredite. "Das ist Unsinn", meint Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. "Selbstverständlich hat Griechenland Zinsen gezahlt, aber der Zinssatz ist extrem niedrig und er deckt die wahren Risiken, die mit dieser Kreditvergabe verbunden sind, in keiner Weise ab." Griechenland habe von Deutschland Kredite zu subventionierten Konditionen erhalten, unterstreicht Krämer. "Von daher hat Deutschland bestimmt nicht daran verdient. Schon gar nicht, wenn man berücksichtigt, dass die privaten Investoren Griechenland 100 Milliarden Euro an Schulden erlassen haben."

Selbst der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hat bereits angedeutet, dass Deutschland für die Kredite beachtliche Zinsen von den Griechen bekommen habe. Doch den Chefvolkswirt der Commerzbank überzeugt das nicht: "Wenn Schäuble das trotzdem als Einnahme darstellt, dann natürlich, um die Wähler in Deutschland zu beruhigen und um auch darüber hinwegzutäuschen, dass die wahren Kosten der Griechenlandhilfe viel, viel höher sind."

Zinsgeschäft mit hohem Risiko

Jörg Krämer (Foto: Commerzbank AG)

Jörg Krämer: "Der Zinssatz deckt die wahren Risiken nicht ab"

Die Risiken für Griechenland und seine Kreditgeber liegen auf der Hand. Ein neuer Schuldenschnitt ist denkbar und der würde auch die Staaten der Eurozone und die Europäische Zentralbank hart treffen. Wenn der deutsche Finanzminister auf dieses Szenario angesprochen wird, zieht er es vor, sich auf andere Quellen zu berufen:

"Internationaler Währungsfonds, Europäische Zentralbank und Kommission gehen davon aus, dass mit den Maßnahmen, die verabredet worden sind, im Jahre 2020 Griechenland eine Verschuldung von 120,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts haben wird." Von dem Ausgangspunkt aus betrachtet, an dem sich Griechenland heute befinde, sei es etwas, was man 2020 als "Schuldentragfähigkeit" bewerten könne.

Allerdings liegt die vereinbarte Schuldengrenze für die Länder der Eurozone bei 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Und das nicht ohne Grund, meint der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Sein Szenario für die Staatsverschuldung Griechenlands ist weniger hoffnungsvoll: "Es besteht natürlich ein beträchtliches Risiko, dass irgendwann die Staatengemeinschaft frustriert aufhört, Griechenland frisches Geld zu geben." Dann sei es möglich, "dass Griechenland nicht mehr in der Lage ist, seine Schulden zu bedienen."

Ohne frisches Geld droht der Kollaps

Wolfgang Schäuble (Foto: dapd)

"Schäuble will die Wähler beruhigen"

Über eine solche Perspektive spricht Finanzminister Schäuble nicht. Wenn er es täte, würde die Öffentlichkeit eine solche Aussage als Startschuss des Austritts Athens aus der Eurozone auffassen. Stattdessen bringt Schäuble zumindest indirekt die Möglichkeit von neuen Kreditpaketen ins Spiel, wenn das aktuelle Programm ausläuft: "Dieses Programm hat - so sind die Regeln des Internationalen Währungsfonds - eine Laufzeit von drei Jahren. Deswegen kann man nicht ausschließen, dass sich nach dieser Laufzeit - also noch vor 2020 - weitere Anforderungen stellen werden." Es sei verfrüht, darüber zu spekulieren, so der deutsche Finanzminister. Trotzdem kann sich Schäuble nach solchen Aussagen später darauf berufen, dass er neue Kredite für möglich gehalten hat.

Nach all den Notkrediten und Rettungsschirmen der vergangenen Jahre heißt jetzt das Zauberwort "Wirtschaftswachstum". Denn, so das Kalkül der Griechenland-Sanierer, wenn die griechische Wirtschaft wieder in die Gänge kommt, dann können auch die Schulden zurückgezahlt werden. In der deutschen Öffentlichkeit ist allerdings der Eindruck entstanden, das sei nur eine Frage von wenigen Jahren: Die Griechen müssten nur mehr Einsatz zeigen, ihre Verwaltung und den Staat reformieren, die Korruption bekämpfen und die Anträge auf EU-Fördergelder richtig ausfüllen.

Selbst wenn sie das alles schaffen und auch in Zukunftsbranchen investieren würden, sind die Probleme nicht auf einmal gelöst, warnt Professor Alexander Kritikos, Forschungsdirektor und Vorstandsmitglied des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW): "Wenn es gelingt, in Griechenland Innovationen zu finanzieren und auf den Weg zu bringen, dann kann man damit rechnen, dass das Land in zehn, fünfzehn Jahren in der Lage ist, ausreichend Staatseinnahmen zu generieren, um diese Schulden zurückzuzahlen."