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Europa

Wird der Vatikan Medjugorje anerkennen?

Die Marienerscheinungen von Medjugorje in Bosnien und Herzegowina werden von der katholischen Kirche nicht anerkannt. Das schreckt aber Millionen von Pilger nicht ab. Die Hoffnung auf Heilung und Glück überwiegt.

Eine Statue der Heiligen Jungfrau Maria in Medjugorje (Foto: DW)

Bis 1981 war Medjugorje eine unbekannte Kleinstadt in der Herzegowina. Aber das änderte sich in jenem Jahr, als sechs Kinder über eine Marienerscheinung berichteten. Derartige Behauptungen stießen nicht gerade auf große Begeisterung bei der damaligen kommunistischen Führung Jugoslawiens.

Aber die Nachricht verbreitete sich schnell und seitdem besuchten über 30 Millionen Menschen Medjugorje, in der Hoffnung, einen Blick auf die heilige Jungfrau zu erheischen.

Eine Innenaufnahme der St. Jakobskirche in Medjugorje (Foro: DW)

Die St. Jakobskirche - Pilger am Ziel

Fast eine Million Menschen kommen jedes Jahr aus der ganzen Welt zur St. Jakobskirche in Medjugorje, um an der Messe teilzunehmen und die heilige Jungfrau Maria anzubeten - in der Hoffnung auf Gesundheit oder Glück. Die Kirche ist dann voller Menschen, und auch der Platz davor ist überfüllt. Aber es herrscht Stille und Besinnung.

Ein Ort des Gebets und des Friedens

Die Gläubigen strömen nach Medjugorje, aber die katholische Kirche ist geteilter Meinung, ob der Ort als heilige Stätte anerkannt werden soll, oder nicht. Um der wachsenden Zahl von Pilgern gerecht zu werden, rief der Vatikan eine Kommission ins Leben, um die Erscheinung zu untersuchen.

"Die Kirche zögert, das zu akzeptieren, vor allem, weil die Erscheinungen noch nicht abgeschlossen sind. Die Kirche muß einschätzen, ob die Erscheinung mit der Doktrin übereinstimmt. Ich halte das schon für wahrhaftig, weil es meiner Meinung nach nichts gibt, was dabei der Logik oder Doktrin der Kirche widerspricht. Ich bin sicher, dass die Kriche letztlich zu dem selben Ergebnis kommen wird," erklärt Pater Reinzo, ein Italiener, der in Medjugorje seinen seelsorgerischen Dienst versieht.

Marienerscheinungen sind keine Einzelfälle

Verschiedene Gläubige haben behauptet, seit den ersten Fällen 1981 weitere Erscheinungen gesehen zu haben. Einem einheimisches Mädchen, das jeden Sonntag zur Messe kommt, ist auch schon vor langer Zeit die Mutter Gottes erschienen. Aber sie will nicht genannt werden und darüber lieber auch nicht sprechen. "Aber ich kann bezeugen, dass dieser Ort wahrhaftig ist. Es ist wahrlich ein wundersamer Ort, ein Ort des Friedens und des Gebets," so das Mädchen.

Pilger in Medjugorje (Foto: DW)

Menschen suchen Trost und Besinnung


Die Wunder sollen einige Kilometer von der Kirche entfernt stattgefunden haben, auf dem Berg der Erscheinung. Menschen steigen auf diesen Hügel, viele barfuß. Mit den Jahren sind die Steine glatter geworden, weil zahllose Besucher darüber gelaufen sind. Aber für diejenigen, die nicht laufen können oder wollen, gibt es eine andere Lösung. Nahe der Kirche steht ein vier-Meter-hohes Metall-Kruzifix. Und von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang stehen Pilger hier Schlange und fangen mit Taschentüchern Wasser auf, das vom Kruzifix heruntertropft. Das Wasser soll eine heilende Wirkung haben und versiegt nie.


Aber Herbert und seine Freunde aus Deutschland, die daneben auf einer Bank sitzen, sind skeptisch. "Nein, das glaube ich nicht. Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise. Das ist nur Kondenswasser." Herbert glaubt zwar an die Erscheinung der Jungfrau Maria, aber das Wasser von dem Kruzifix sei etwas anderes: "Einige Leute hier mögen glauben, dass es ihnen hilft, aber die Kirche erkennt das auch nicht an."

Gute Geschäfte

Für die Menschen in Medjugorje spielt es keine Rolle, ob die Wunder wahr sind oder nicht. Die Erscheinungen haben zweifellos Medjugorje in einen reichen Ort verwandelt. Hotels wurden gebaut und es gibt hunderte Geschäfte, in denen allerhand religiöse Gegenstände zu kaufen sind. Und es gibt bestimmte Touristengruppen, die besonders eifrig sind, wenn es darum geht religiöse Erinnerungsstücke zu kaufen. "Ich weiß, man soll das nicht sagen, aber die Italiener sind religiöse Fanatiker! Sie kaufen alles. Deutsche und Österreicher kaufen auch viel. Zumindest ist das meine Erfahrung der letzten zwei Jahre, seitdem ich hier arbeite," sagt die Verkäuferin.

Autor: Dejan Sajinovic / Fabian Schmidt
Redaktion: Bernd Riegert