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Kein Fackellauf mehr?

8. April 2008

IOC-Mitglieder haben die Zukunft des Olympischen Fackellaufs in Frage gestellt. Beim aktuellen Lauf allerdings wollen sich die Offiziellen nicht durch die Demonstranten einschüchtern lassen.

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Free Tibet Banner an der Golden Gate Bridge in San Francisco (7.4.2008, Quelle: AP)
In San Francisco eilten die Proteste dem Feuer vorausBild: AP

IOC-Präsident Jacques Rogge kündigte in Peking eine Diskussion über den bisherigen Fackellauf auf der Versammlung der Olympia-Funktionäre am Donnerstag (10.8.2008) an - er gab aber bereits die Marschrichtung vor: "Wir respektieren Proteste und die Meinungsfreiheit. Aber wir akzeptieren keine Gewalt. Die Vorfälle machen mich sehr traurig. Ein Symbol, das für Frieden und Einheit steht, ist angegriffen worden."

Peter Danckert (SPD), Vorsitzender des Sportausschusses im Deutschen Bundestag (19.07.2007, Quelle: DPA)
Olympia-Funktionäre sollten deutlich Stellung beziehen, sagt DanckertBild: picture-alliance/dpa

Zwar will das IOC den aktuellen Fackellauf nicht wegen der Proteste abbrechen. Doch die weltweiten anti-chinesischen Demonstrationen haben eine Debatte um die Zukunft dieses Symbols entfacht: So erklärte das australische IOC-Mitglied Kevan Gosper in Peking, er sei schon immer gegen den internationalen Teil des Fackellaufs gewesen, der erst mit den Olympischen Spielen in Sydney 2000 eingeführt worden sei.

Fällt der weltweite Lauf weg?

Für dieses Jahr wurden 21 Städte außerhalb Chinas ausgewählt. Man habe China vorab darauf hingewiesen, dass London, Paris und San Francisco mit einem gewissen Risiko verbunden seien, sagte Gosper. Das israelische IOC-Mitglied Alex Gilady erklärte, es sei schon vorher überlegt worden, den internationalen Teil des Fackellaufs wieder zu streichen. Diese Diskussion werde jetzt sicher wieder von vorne beginnen.

Für den aktuellen Lauf sollen jedoch die 14 weiteren Stationen bis zur Rückkehr der Flamme auf chinesischen Boden wie geplant angelaufen werden: "Keine Macht der Welt kann uns davon abhalten", erklärte ein Sprecher des Organisationskomitees BOCOG. "Der Olympische Geist wurde in London und Paris entführt", empörte sich die "China Daily". Die meisten der in Chinas Metropole versammelten Sportführer zeigten sich über die Vorgänge in London und Paris geschockt, bekundeten aber auch den festen Willen, sich nicht dem Druck der "professionellen Demonstranten", zu beugen – so jedenfalls Ex-IOC-Vize Gosper.

Proteste kommen Feuer zuvor

In Paris erzwangen Demonstranten am Montag trotz eines starken Polizeiaufgebots den Abbruch des Fackellaufs. Auch in London war es am Sonntag am Rande des Fackellaufs zu Zwischenfällen gekommen. Die Welle der Proteste gegen die chinesische Tibetpolitik erreichte unterdessen noch vor dem Olympischen Feuer die USA. Drei Demonstranten kletterten am Montag in einer spektakulären Aktion auf die Golden Gate Bridge in San Francisco und hängten die tibetische Fahne sowie zwei Transparente mit der Aufschrift "Freies Tibet 08" und "Eine Welt - Ein Traum. Freies Tibet" auf.

Clinton fordert US-Boykott der Eröffnungsfeier

Die geplante Route durch Tibet werde dort möglicherweise weitere Festnahmen zur Folge haben, sagte einer der Demonstranten. Sollte das Internationale Olympische Komitee (IOC) zulassen, dass der Fackellauf durch Tibet führe, werde die Organisation "Blut an ihren Händen haben".

Angesichts der Protest in San Francisvo wird nun auch in den USA über die Rolle von Politikern bei den Spielen in Peking debattiert.

US-Präsidentschaftsanwärterin Hillary Clinton erklärte, ein Fernbleiben Bushs von der Eröffnungsfeier würde die Bedenken Washingtons wegen des Tibet-Konflikts und der chinesischen Sudan-Politik bekräftigen. Bush hat angekündigt, an der Eröffnungsfeier teilnehmen zu wollen, weil es sich um ein Sport- und nicht um ein politisches Ereignis handle. An dieser Einstellung habe sich nichts geändert, betonte ein Sprecher des Weißen Hauses, Tony Fratto, am Montag.

Peking: Separatisten für Proteste verantwortlich

Generalversammlung der Nationalen Olympischen Komitees in Peking (8.4.2008, Quelle: AP)
Die olympische Generalversammlung verurteilt die ProtesteBild: AP

Die chinesische Regierung verurteilte die massiven Proteste während des Fackellaufs als Missachtung des olympischen Geistes. Das Außenministerium in Peking pochte am Dienstag zudem darauf, dass die Flamme während der Demonstrationen in Paris nicht gelöscht worden sei. Entsprechende Medienberichte seien falsch, erklärte Ministeriumssprecherin Jiang Yu. Es seien lediglich die Umstände des Laufs vorübergehend geändert worden. Nach Angaben der französischen Behörden wurde die Fackel mehrere Male von der Polizei gelöscht und später wieder an der Flamme entzündet.

In Deutschland hat der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Peter Danckert (SPD), die Olympia-Spitzenfunktionäre aufgefordert, zur Lage in Tibet deutlich Stellung zu beziehen. Er erwarte, dass diese vor Ort "ganz klar sagen, dass diese Menschenrechtssituation unerträglich ist", sagte Danckert am Dienstag dem Fernsehsender N24. "Da höre ich bisher zu wenig." Der Bundestag werde sich am Mittwoch in einer aktuellen Stunde mit dem Thema befassen, "die ganze Welt beschäftigt sich damit". Da könne der Sport "nicht sagen, uns geht das nichts an". (mg)