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Wissen & Umwelt

Wird das nächste iPhone eine Hose?

Beim ersten Fashion Hackday in Berlin tüftelten Modedesigner, Hacker und Technologieexperten an neuen Prototypen - der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Wir waren bei dem Wettbewerb um die visionärste Idee dabei.

Es ist laut und etwas stickig im Berliner FabLab, neudeutsch für Bastelwerkstatt. Aber das hält niemanden davon ab, das Gebäude auf der Prenzlauer Allee in Berlin zu verlassen. Vielmehr strömen im Minutentakt neue Menschen ins FabLab.

Hier treffen Freidenker auf Kreative, Tüftler auf Technikfreaks. Fürs Erfinden stehen ihnen ganz altmodisch Lötkolben und Nähmaschinen zur Verfügung, genauso wie 3D-Drucker und Lasercutter.

"We are here to create the future of digital fashion"

Im vorderen Bereich der Werkstatt sind mehrere Stuhlreihen aufgebaut, die sich rasch füllen. Eine junge Frau wuselt sich zu den Neuankömmlingen durch und verteilt Kreppklebeband und Filzstifte. "Name draufschreiben und weitergeben", so ihre Bitte.

Dann macht ein Mann vor den Stuhlreihen auf sich aufmerksam. Es ist Thomas Gnahm, Gründer von "Wear It Berlin" und Veranstalter des ersten Fashion Hackdays, der nun offiziell eröffnet wird.

"We are here to create the future of digital fashion", lautet das Motto auf seiner ersten Folie. "Let's break some rules" flimmert es anschließend über die Projektionsfläche und ein breites Grinsen legt sich über sein Gesicht. Die Modedesigner, Hacker und Technologieexperten applaudieren.

In den nächsten 48 Stunden werden hier Menschen zusammenarbeiten, die wohl normalerweise niemals zusammenkommen wären - so viel ist klar.

Modedesignerin sucht Entwickler

Nach der Einführungspräsentation stellt eine handvoll Teilnehmer ihre Projektideen vor. Sie suchen noch Experten für ihr Team und hoffen fündig zu werden.

Keine Stunde später stehen die Arbeitsgruppen fest. Die restliche Zeit bis Mitternacht wird zum Kennenlernen und Fachsimpeln genutzt.

Nach einer kurzen Nacht huschen gegen 9 Uhr morgens schon wieder die ersten Teilnehmer durchs FabLab. Es wird skizziert, gelötet, gedruckt, genäht, programmiert. Obwohl sich diese Menschen erst vor wenigen Stunden kennengelernt haben, peitscht sie der Zeitdruck und ihre Mission sehr harmonisch durch den Tag. Kaum vorstellbar, aber wahr.

"In fünf Jahren werden wir unsere Hose nach dem Betriebssystem kaufen", prophezeit Thomas Gnahm. Visionär eben. Seiner Meinung nach stehen wir vor einem wichtigen Wendepunkt in der Modeindustrie. Technik und Kleidung werden immer stärker miteinander verschmelzen, sagt er.

"Das nächste iPhone wird eine Hose." Da scheint er sich sicher.

Am letzten Tag haben einige Teams bis vier Uhr morgens durchgearbeitet. Thomas Gnahm ruft jeweils ein Teammitglied für das letzte Briefing zusammen. Die Details für die Abschlusspräsentation werden kommuniziert.

Den Gesichtern der Hacker kann man die Müdigkeit und Anspannung durchaus ansehen. Aber so kurz vor dem Ziel wird hier niemand aufgeben.

"Power is knowledge"

Gegen 17 Uhr treffen sukzessive alle Team im Kühlhaus ein. Hier findet die Abschlusspräsentation statt. Einige der Models tragen bereits die frisch entworfenen Prototypen und warten nur noch darauf, geschminkt zu werden, während sich die Location langsam füllt.

Auch die finale Version der Reihenfolge für den Catwalk hängt bereits an der Wand. Eine Fachjury wird die Projektergebnisse begutachten und bewerten. Doch wer wird es machen? Das ist den Teams mittlerweile egal. Sie alle haben zwei unglaublich intensive Tage und Nächte hinter sich und freuen sich, dabei gewesen zu sein.

"Power through knowledge" heißt am Ende das Gewinner-Projekt. Das Team um Sarah Hermanutz hat sich kreativ mit dem Thema sexuelle Belästigung von Frauen in Mexiko City auseinandergesetzt. Dafür haben sie Daten analysiert und interaktiv auf einem Kleidungsstück aufbereitet.

Dann ist der erste Fashion Hackday auch schon wieder vorüber. Ob es eine Wiederholung gibt? Bestimmt! Und vielleicht sind wir dann auch bei der Entwicklung der ersten iPhone-Hose schon einen Schritt weiter.

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