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Politik & Gesellschaft

Wirbel um Papstbesuch im Bundestag

Das Oberhaupt der Katholiken besucht Deutschland und spricht auch im Bundestag. Das gefällt einigen Abgeordneten nicht - sie boykottieren den Papst. Leere Stühle der Volksvertreter wird Benedikt XVI. aber nicht sehen.

Symbolbild Papst Reichstagskuppel (DW-Grafik/Per Sander)

Am Donnerstag (22.09.2011) kommt Papst Benedikt XVI. in die deutsche Hauptstadt. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Gut 70.000 Menschen werden zu der zentralen Veranstaltung im Olympiastadion erwartet. Das sind zwar deutlich weniger als im süddeutschen Freiburg, das neben Erfurt und dem Eichsfeld eine weitere Station im Land ist, aber Berlin bildet den politischen Höhepunkt der Reise - mit einer Rede vor dem Deutschen Bundestag. Es könnte aber auch der Tiefpunkt der Visite werden. Denn: Es sind nicht alle Abgeordneten glücklich darüber, dass Bundestagspräsident Norbert Lammert das Staatsoberhaupt des Vatikan eingeladen hat.

Kritik an Haltung des Papstes

Rolf Schwanitz (Foto: Deutscher Bundestag)

Der SPD-Abgeordnete Rolf Schwanitz findet den Papst im Bundestag fragwürdig



Viele Oppositionsabgeordnete wollen der Rede offenbar fern bleiben. Sie glauben, dass der Auftritt eines Religionsführers im Bundestag der religiösen Neutralität des Staates widerspricht.

Der Abgeordnete der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), Rolf Schwanitz, möchte nicht, dass der Bundestag als "schmückendes Beiwerk und als medialer Verstärker für die geistliche Rede des Oberhaupts der katholischen Kirche missbraucht" wird. Schwanitz kritisiert vehement die Haltung des Papstes zu Frauenrechten, Homosexualität und der Empfängnisverhütung.

Für die Partei der Linken erklärte die Abgeordnete Petra Sitte in der Mitteldeutschen Zeitung, dass die Hälfte der Fraktion zur Papstrede kommen wolle, der Rest sich währenddessen an einer Anti-Papst-Demonstration beteiligen werde. Proteste im Plenarsaal solle es aber nicht geben. Auch von den Grünen wird wohl eine ganze Reihe von Abgeordneten fehlen. Exakte Zahlen sind kaum zu ermitteln – die Nachrichtenagentur DPA schätzt, dass 100 Abgeordnete den Papst nicht hören wollen.

Das Regierungslager reagiert verstimmt

Norbert Lammert (Foto: Tobias Schaertl/dapd)

Bundestagspräsident Norbert Lammert freut sich auf den Papst

Bundestagspräsident Lammert gehört der Christlich Demokratischen Union (CDU) von Bundeskanzlerin Angela Merkel an. Er kann die Ablehnung nur schwer verstehen. Er verweist darauf, dass er die Einladung mit Zustimmung aller Fraktionen ausgesprochen hat.

Überhaupt betont er die "historische Bedeutung" des Besuchs. Der Bundestagspräsident findet es richtig, dass diese "seltene und zu unser aller Lebzeiten vermutlich auch nicht wiederholbare Gelegenheit, einen deutschen Papst in der deutschen Hauptstadt begrüßen zu können, auch durch eine Einladung, vor dem Deutschen Bundestag zu sprechen, begleitet werden sollte".

Deutlicher in der Kritik am Boykott ist Alexander Dobrindt, der Generalsekretär der Christlich Sozialen Union (CSU): "Das ist nicht nur eine bodenlose Respektlosigkeit gegenüber dem Papst, sondern auch zutiefst undemokratisch und intolerant", sagte Dobrindt der Nachrichtenagentur dapd.

Besondere Ehrung für den Papst

Es ist nicht selbstverständlich, aber auch keineswegs ungewöhnlich, dass ein ausländisches Staatsoberhaupt vor dem deutschen Bundestag spricht. Auf jeden Fall ist es eine besondere Ehre, denn die aktuelle Einladung ist erst die dreizehnte, wie die Bundestagsverwaltung feststellt. Im Fall von Benedikt XVI. wäre es ein außergewöhnliches Zusammentreffen von Faktoren. Seit 1523 hat es keinen deutschen Papst mehr gegeben, und noch nie in der 62-jährigen Geschichte der Bundesrepublik durfte das Oberhaupt der Katholiken vor dem deutschen Parlament sprechen. Ob im Plenarsaal oder auf der Straße: Die anstehende Rede wird von allen Bundestags-Fraktionsmitgliedern mit Spannung erwartet.

Wenn es dann am 22. September so weit ist, wird Papst Benedikt nicht Gefahr laufen, vor leeren Stuhlreihen zu sprechen. Bundestagspräsident Lammert versprach im Interview mit dem Internetportal katholisch.de, dass der Plenarsaal "nicht nur gut gefüllt, sondern überfüllt" sein wird. Die unbesetzten Stühle würden dann einfach mit Ersatzleuten besetzt.

Autor: Heiner Kiesel
Redaktion: Peter Stützle, Hartmut Lüning

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