1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Wirbel um anhaltendes VW-Kursfeuerwerk

Der Kurs der VW-Aktie ist erneut deutlich gestiegen. Börsianer fordern, den Titel vom Handel auszusetzen, weil er den DAX verfälscht - und Porsche sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, den Kurs zu manipulieren.

Börsianer mit Handy vor Leuchtanzeige des VW-Aktienkurses (Foto: AP)

Der Anstieg der VW-Aktie zieht den DAX ins Plus

Der Kurs der Volkswagen-Aktie ist am Dienstag (28.10.2008) zeitweise über 1000 Euro gestiegen. Am Vormittag wurden kurzzeitig 1005 Euro bezahlt, am frühen Nachmittag lag der Kurs bei 775 Euro, etwa 50 Prozent über dem Vortag. Die neuerliche Kursexplosion hievte den DAX zeitweise um rund zehn Prozent in die Höhe.

Klaus Kaldemorgen, Chef der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS (Quelle: dpa)

Klaus Kaldemorgen kritisiert Porsche

Der enorme VW-Kursanstieg innerhalb von zwei Tagen ruft inzwischen Kritik hervor. Der Chef der Deutsche Bank-Fondstocher DWS, Klaus Kaldemorgen, griff Porsche offen an. Er kritisiere, "dass ein Unternehmen wie Porsche in unverantwortlicher Art und Weise den VW-Kurs manipuliert", sagte Kaldemorgen laut "Financial Times Deutschland". Es könne schließlich nicht sein, dass ein Wert aufgrund des geringen Streubesitzes an einem Tag um 100 Prozent steige.

Der VW-Kurs war schon am Montag um mehr als 150 Prozent auf 520 Euro gestiegen. Einen Tag zuvor hatte Porsche mitgeteilt, dass der Konzern bereits jetzt Zugriff habe auf 74,1 Prozent der VW-Aktien, davon 31,5 Prozent als Optionen. Bislang war bekannt, dass Porsche seinen VW-Anteil 2009 auf 75 Prozent aufstocken und Ende dieses Jahres erst einmal die 50-Prozent-Hürde nehmen will.

Keine Anhaltspunkte für Unregelmäßigkeiten

Nach Angaben der Deutschen Börse wird die VW-Aktie trotz der massiven Kurssprünge nicht aus dem Handel genommen. "Einzelne Titel können wegen extremer Kursschwankungen nicht vom Handel ausgesetzt werden", sagte ein Sprecher. Bislang seien bei den Geschäften mit den VW-Papieren keine Regelverstöße festgestellt worden. Rutsche der Anteil der frei gehandelten Aktien allerdings unter die Marke von fünf Prozent, werde VW aus dem Deutschen Aktienindex DAX genommen, so der Sprecher weiter.

Nach Einschätzung der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) liegt der Anteil der frei gehandelten VW-Aktien derzeit noch knapp über der Fünf-Prozent-Marke. "Wir gehen von einem sogenannten Free Float von knapp sechs Prozent aus, was heißt, dass nicht mehr viele Aktien vorhanden sind", sagte SdK-Sprecher Lothar Gries. Viele Kleinaktionäre hätten ihre Papiere schon verkauft.

Die Finanzaufsicht Bafin kündigte an, Ermittlungen wegen der drastischen Kurssprünge der VW-Aktie zu prüfen. "Eine Entscheidung, ob es eine formelle Untersuchung geben wird, ist für diese Woche jedoch nicht zu erwarten", sagte eine Sprecherin der Aufsichtsbehörde.

Porsche weist Schuld von sich

Linke Vordertür eines VW, in der sich ein Porsche spiegelt (Foto: AP)

Porsche hat bald das Sagen bei VW

Porsche selbst wies den Vorwurf der Kursmanipulation entschieden zurück. Ein Sprecher des Unternehmens sagte in Stuttgart, bei den Kursausschlägen der VW-Aktie würden Ursache und Wirkung verwechselt. "Verursacher sind diejenigen, die mit riesigen Summen auf fallende VW-Kurse gesetzt haben", sagte der Sprecher.

Das Unternehmen erklärte außerdem, nicht aktiv Aktienkäufe zu tätigen. Porsche sei nicht am Kauf von VW-Papieren zu irrationalen Preisen interessiert. Dadurch würde nämlich langfristig für Porsche ein hoher Abschreibungsbedarf entstehen, wenn der VW-Kurs wie erwartet wieder falle.

Experten: Kursanstieg durch Leerverkäufe

Auch nach Ansicht von Aktienexperten ist der Kursanstieg von sogenannten Leerverkäufern ausgelöst worden. Die Spekulanten hatten offenbar nach dem massiven Anstieg der VW-Aktie bereits in der Vergangenheit auf fallende Kurse gesetzt. Als aber der VW-Kurs weiter stieg, mussten sie gegen ihre Erwartung nachkaufen. Dadurch könnte der Kurs weiter gestiegen sein.

Die Kursentwicklung zwang Händlern zufolge aber auch zahlreiche Investoren, VW-Aktien zu kaufen - zum Beispiel Fonds, die ihre Performance am DAX messen. Das VW-Papier machte zeitweise die Hälfte des gesamten DAX-Wertes aus. Andere Aktien seien deshalb zum Teil ohne Rücksicht auf Verluste verkauft worden, nur um Aktien von Volkswagen finanzieren zu können, hieß es. (gri)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema